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EM-Finale:Éder schießt Portugal ins Glück

Portugal v France - EURO 2016 - Final

Die Portugiesen feiern, mittendrin: Cristiano Ronaldo.

(Foto: REUTERS)

Der erste Titel bei einem großen Turnier: Überraschend bezwingt Portugal im EM-Finale die favorisierten Franzosen 1:0 - dabei begann das Spiel für Cristiano Ronaldo mit einem Drama.

Die Motten saßen nach dem Abpfiff weiter zu Tausenden auf dem Rasen. Sie saßen auf den Werbebanden, sie bildeten braune Klumpen an der Innenseite der Torpfosten. Sie setzten sich den Spielern auf die Trikots. Allein: Es sprach jetzt niemand mehr von ihnen.

Portugal ist Europameister, das war nun die Sensation der Stunde. Die so siegesgewissen Franzosen haben tatsächlich das Finale ihrer Heim-EM verloren: 0:1 in der Verlängerung, durch ein Tor von Eder in der 109. Minute. Die Motten blieben eine Kuriosität am Rande - allerdings eine, die dieses von Terror-Angst begleitete Hochsicherheits-Turnier mit einer passenden Pointe beendete. Aus Sicherheitsgründen hatten sie im Stade de France in der Nacht vor dem Finale das Flutlicht angelassen. So waren die kleinen Falter erst auf die gepflegte Rasenfläche hinter den hohen Stadionmauern aufmerksam geworden.

Dass sie nun überall herumschwirrten wie lästige Besucher, auch das passte zu diesem Endspiel, das so glamourös hätte werden sollen, und das nun ein zentrales Versprechen nicht einlöste - nicht einlösen konnte. Und das am Ende den Portugiesen umso mehr Genugtuung und den Franzosen umso größeren Frust bescherte.

Finale ohne Ronaldo

Es war ein Finale ohne Cristiano Ronaldo. In der 8. Minute hatte der Ausnahme-Könner der Portugiesen das Knie von Dimitri Payet gegen das seine bekommen, es war ein ziemlich hart geführter Zweikampf des Franzosen. Bis zur 25. Minute versuchte Ronaldo verzweifelt, weiter mitzuspielen. Er humpelte, ließ sich auf den Rasen fallen, verließ den Platz, um sich noch mal behandeln zu lassen, ein letzter verzweifelter Versuch. Er blieb vergebens.

Ronaldo, der ein großes Talent hat, sich zu inszenieren - er war nun die unfreiwillige Hauptfigur eines Dramas. Als er schließlich vom Platz getragen wurde, weinte er hemmungslos. Später jubelte er mit verbundenem Knie umso dankbarer mit.

Finale der Fußball-EM

Ronaldo weint - und jubelt spät

Eine Mannschaft, die so extrem auf ihren Anführer zugeschnitten ist wie die Portugiesen, kann dessen Ausfall kaum verkraften. Dachte man zunächst. Dann fingen sich die Portugiesen aber erstaunlich schnell wieder. Es blieb ja immer noch ein EM-Finale, ihr erstes seit der Niederlage gegen Otto Rehhagels Griechen in Lissabon 2004. Es ging weiterhin um den Pokal, den der Spanier Xavi vor dem Anpfiff herbeigetragen hatte. Nur das Publikum kam sich vor wie auf einem Rockkonzert, bei dem der Sänger nach dem ersten Titel die Bühne verlässt, weil die Stimme nicht mehr mitmacht, und dann singt der Bassist oder der Keyboarder für ihn weiter.

Was aber kaum noch jemanden interessieren wird, wenn dieser Titel erst mal in die Fußballhistorie einsortiert ist. Es ist nichts geworden mit dem dritten Titel der Franzosen bei einer Europameisterschaft nach 1984 und 2000. Portugal hat den ersten Pokal überhaupt gewonnen bei einem großen Turnier. Nach all den Jahren, die vor allem Ronaldos Gegenwart die ewige Hoffnung genährt hatte, hat es jetzt tatsächlich geklappt. Ohne ihn.