Fußball-Bundesliga: Noten In Zukunft ein bisschen freundlicher

Die Mehrheit der Leser sah es genauso. Zudem diskutierte die Redaktion mit Hannovers Trainer Andreas Bergmann und mehreren 96-Spielern. Auch die Aktiven waren der Meinung, dass eine Benotung zum Geschäft gehöre. Künftig allerdings wollen die Redakteure in Hannover bei der Bewertung etwas zurückhaltender sein: "Ich glaube, wir benoten momentan erst mal freundlicher, vor allem bei Florian Fromlowitz [Robert Enkes Nachfolger im Tor, die Red.]. Der ist nun wirklich in einer schweren Situation. Da kann man es bei einer Vier belassen, wo man sonst eine Fünf gegeben hätte", erklärt Rehberg.

Auch bei anderen Medien hat die Debatte um die Noten zugenommen. Beim Fußball-Fachblatt Kicker vor allem beim ersten Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft nach dem Tod Enkes. Vor der Partie gegen die Elfenbeinküste hatte sich die Redaktion entschieden, zunächst einmal den Spielverlauf abzuwarten. "Wir haben uns mit dem Blick auf die ehemaligen Mitspieler von Enke gefragt, ob es angebracht ist, dieses Spiel mit normalen Maßstäben zu messen. Aber als sich nach zehn Minuten abzeichnete, dass es ein ganz normales Fußballspiel werden würde, haben wir entschieden, die Spieler zu benoten und eine Einzelkritik zu schreiben", sagt Klaus Smentek, stellvertretender Chefredakteur des Blattes.

Eine grundsätzliche Abschaffung von Noten stand in der Kicker-Redaktion nicht zur Diskussion. "Nachdem das Spiel gegen die Elfenbeinküste vorbei war und langsam der Alltag einkehrte, sind wir wieder zu der normalen Benotung zurückgekehrt. Es ist nicht so, dass wir nach der Tragödie um Robert Enke sagen würde, wir müssten softer mit den Spielern umgehen", sagt Smentek. Sein Blatt gehört ohnehin zu den Medien, die eher selten eine sehr gute oder eine sehr schlechte Note vergeben.

Ein Aussetzen der Noten für die Hannover-Spieler oder eine Einführung von Zwischennoten steht für die Bild nicht zur Diskussion. "Bild steht für das klare Wort, für die klare Aussage. Man muss auch Farbe bekennen, natürlich mit dem Risiko, falsch zu liegen. Zwischennoten zu geben, bedeutet auch ein bisschen, sich zu drücken", sagt der stellvertretende Sportressortleiter Walter M. Straten.

Aber auch das Boulevardblatt ist nach dem Enke-Tod nicht einfach so zur Tagesordnung übergegangen. Über vieles sei diskutiert worden, auch über Noten, und man sei schließlich zu dem Ergebnis gekommen, bei der Benotung so weiter zu machen wie bisher, sagt Straten. Auch in seiner Redaktion soll es zu einem etwas sensibleren Umgang mit den Zensuren kommen: "Wir werden wohl mit extremen Noten etwas vorsichtiger sein", sagt der stellvertretende Bild-Sportchef. Man werde sich einmal mehr überlegen, "ob der Spieler, der eine klare Torchance vergeben hat, oder der Torwart, der den Ball hat durchflutschen lassen, eine Sechs bekommt oder eine Fünf reicht".

Eine Fußballwelt gänzlich ohne Noten und Einzelkritiken hingegen wird es wohl nicht geben. Warum auch, so das Argument aller Beteiligten, sollte man in einer Gesellschaft, in der von den Schulnoten für die Drittklässler bis zu den Arbeitszeugnissen alles beurteilt wird, ausgerechnet bei Fußballprofis eine Ausnahme machen?

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