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Fußball - Berlin:Preetz braucht Stressabbau, Hertha-Hoffnung Guendouzi

Berlin
Michael Preetz, Herthas Geschäftsführer Sport, spricht auf dem Podium während einer Pressekonferenz. Foto: Jan-Philipp Burmann/Hertha BSC via City-Press GmbH/dpa/Archivbild (Foto: dpa)

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Berlin (dpa) - Michael Preetz musste dringend zum Sport. Auf dem Laufband im Trainingszentrum wollte der Manager von Hertha BSC am Mittwoch noch einmal Stress abbauen, nach der aus seiner Sicht besonders anstrengenden Transferphase. Bruno Labbadia hatte es da leichter. Auf dem Platz konnte der Trainer Energie loswerden. Besonders glücklich wirkten beide Macher des Berliner Fußball-Bundesligisten nicht.

"Wir hatten einiges anders vor. Aber wir haben klare Vorgaben aufgrund der Situation, die in der Welt herrscht, die auch in der Bundesliga herrscht", sagte Labbadia zur Transferbilanz, die ihm inmitten der Corona-Krise längst nicht alle erhofften Kandidaten für den angestrebten Aufschwung Richtung Europacup-Plätze gebracht hatte.

"Wir haben nicht die großen Namen oder die fertigen Spieler geholt", sagte Labbadia. Das Thema Erfahrung bleibt ein heikles. "Wir haben die drittjüngste Mannschaft", sagte Labbadia nach dem Training am Mittwoch. Als Architekt einer neuen Hertha-Achse ist Labbadia nun besonders gefordert.

Preetz rechtfertigte nochmals seinen relativ moderaten Einkaufskurs trotz der Investoren-Millionen von Lars Windhorst. Drohende zweistellige Millionenverluste durch fehlende Einnahmen bremsten die Berliner. "Wir sind nicht unzufrieden mit dem, was wir gemacht haben. Jetzt können wir das Augenmerk wieder auf den Fußball legen", sagte der Manager. Wichtig sei gewesen, Maß zu halten. Dieser Kurs sei auch mit Windhorst besprochen worden. "Wir treffen die Entscheidungen. Er ist informiert", sagte Preetz.

Die Hertha hatte zum Transferschluss am Montag Mattéo Guendouzi vom FC Arsenal ausgeliehen, Omar Alderete vom FC Basel verpflichtet und den zum FC Augsburg ausgeliehenen Eduard Löwen zurückgeholt. Besonders an den Franzosen Guendouzi sind große Hoffnungen geknüpft. "Ich will immer gewinnen", hatte der 21-Jährige nach seiner Unterschrift gesagt. Das reichte Preetz wie Labbadia als Kernaussage, dass sie trotz jungen Jahren einen großen Antreiber haben.

Seine Fähigkeit, Emotionen zu wecken, hat Guendouzi in London im Guten wie Schlechten untermauert. Dass er dort als Enfant terrible aussortiert wurde, ist auch Labbadia klar. "So ein Fenster bei so einem Spieler geht nur auf, wenn irgendwo ein Problem da war. So wird es immer sein, in einer Phase, in der wir sind. Deswegen können wir nicht sagen, wir können nur die Spieler holen, die perfekt sind", sagte der Hertha-Coach.

Eine andere Personalie ist zu den Akten gelegt. Spekulationen über eine Verpflichtung von Mario Götze bestätigten sich nicht. Der Ex-Nationalspieler wechselte zur PSV Eindhoven. Aus Berlin bekam der WM-Held noch ein paar warme Worte. "Ich wünsche ihm nur das Beste, dass er wieder zu alter Stärke findet. Es ist ein verdienter Spieler in der Bundesliga gewesen, der noch jung genug ist", sagte Labbadia.

Der Trainer schätzt die sportlichen Aussichten moderat ein. "Wir wollen auch in der Tabelle besser abschneiden als in der letzten Saison, das ist unser Ziel, nach der Situation, die wir haben", sagte Labbadia.

Preetz vermied eine klare sportliche Vorgabe für die mit einem Sieg und zwei Niederlagen mäßig gestartete Saison. "Das Ziel bleibt das gleiche. Wir wollen Anschluss an die internationalen Plätze, wollen ranrücken. Aber wir müssen maßvoll mit den Dingen umgehen, das haben wir getan", sagte Preetz. In knapp drei Monaten dürfte er wieder gefordert sein. Dann öffnet schon das Winter-Transferfenster.

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