Fußball:Bayern nach 3:0 beim BVB ungewohnt bescheiden

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Dortmund (dpa) - Über den Sieg der Rekord-Bayern und sein persönliches Erfolgserlebnis in Dortmund zu sprechen - dazu hatte Mario Götze an alter Wirkungsstätte keine Lust.

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Dortmund (dpa) - Über den Sieg der Rekord-Bayern und sein persönliches Erfolgserlebnis in Dortmund zu sprechen - dazu hatte Mario Götze an alter Wirkungsstätte keine Lust.

Erst am Tag nach dem 3:0-Triumph plauderte der 21 Jahre alte Münchner über die Rückkehr und zeigte Verständnis für die Pfiffe gegen ihn. „Es war natürlich nicht so angenehm die Situation, dann eingewechselt zu werden, wenn man dann ausgepfiffen wird vom ganzen Stadion“, erklärte Götze beim vereinseigenen Sender FCB.tv. Es sei nicht einfach gewesen, damit umzugehen. „Wir wussten, dass es ein sehr, sehr emotionales Spiel wird“, bekannte das Mittelfeldjuwel.

Wortlos hatte Götze am Abend zuvor den Signal Iduna Park verlassen und sich von Bayern-Mediendirektor Markus Hörwick entschuldigen lassen. „Mario möchte nichts sagen. Er war schon vorher sehr zurückhaltend“, warb Hörwick um Verständnis. Womöglich klingelten dem Nationalspieler noch die Ohren vom gellenden Pfeifkonzert, das jede seiner Ballberührungen nach der Einwechslung in der 56. Minute begleitete.

Exakt zehn Minuten später verstummten auch die unflätigen Hohngesänge (Hurensohn) von der „gelben Wand“ der Dortmunder Südtribüne. Denn nach einem Pass von Thomas Müller traf der vor der Saison für 37 Millionen Euro zum Rekordmeister gewechselte Mittelfeldstar aus 15 Metern mit dem rechten Außenrist mitten in die schwarz-gelbe Seele. Mit dem 1:0 (66.) leitete Götze den keineswegs selbstverständlichen Sieg gegen die bis dato tapfer mithaltenden Dortmunder ein. „Solche Geschichten sind typisch für den Fußball. Ich weiß nicht, ob es das auch woanders gibt“, sinnierte Müller über Götzes Husarenstück.

Nach dem Treffer hob der Schütze fast entschuldigend die Arme und verzichtete auf jeglichen provozierenden Jubel. „Marios Reaktion zeigt den großen Respekt vor seinem ehemaligen Club. Er ist eine große Persönlichkeit“, lobte Bayerns Sportdirektor Matthias Sammer. „Über seine Qualität müssen wir nicht diskutieren. Der Junge ist überragend. Er hat schon so viel erlebt in seiner Karriere, und wir haben ihm jede Unterstützung gegeben“, erklärte Kapitän Philipp Lahm.

Nach der Begegnung twitterte Bayerns Innenverteidiger Jérôme Boateng ein Bild von sich und Götze, auf dem der Jungstar mit dem Surfergruß posiert und strahlt. Nach dem Liga-Gipfel habe er seine früheren Mitspieler in der Dortmunder Kabine besucht, berichtete Götze am Sonntag: „Es sind alles gute Freunde von mir, ich habe lange mit denen zusammengespielt. Ich denke, das gehört sich einfach so.“

Pep Guardiola hält Götze für einen „gut erzogenen Jungen“. In einem längeren Einzelgespräch hatte der Bayern-Coach sein Mittelfeldjuwel vor dem Gipfeltreffen auf den Spießrutenlauf vorbereitet, brachte Götze aber erst in der zweiten Hälfte für den glücklosen Mario Mandzukic. „Es war nicht einfach für Mario, er sollte es professionell angehen“, sagte Guardiola.

Selbst die BVB-Verantwortlichen äußerten sich voller Hochachtung über ihren ehemaligen Liebling, der nun beim größten Rivalen spielt. „Mario ist ein cooler Hund. Die Pfiffe machen ihm gar nichts“, stellte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke fest. Jürgen Klopp, der die zu hoch geratene dritte Pflichtspiel-Pleite hintereinander erstmal verdauen musste, verlor ebenfalls kein böses Wort über ihn. Im Gegenteil: „Dass Mario in der Lage ist, Tore zu schießen, haben wir auch schon festgestellt. Es war ein schneller Moment, eine gute Ballannahme“, meinte der BVB-Trainer. Dass ausgerechnet Götze die Pleite eingleitet habe, mache sie auch „nicht schmerzhafter“.

Klopp will den Fokus nun so schnell wie möglich auf das wichtige Champions-League-Heimspiel am Dienstag (20.45 Uhr) gegen den SSC Neapel richten. „Ich habe der Mannschaft gesagt: Sie haben fünf Minuten Zeit für Depressionen, dann geht es weiter.“ Auch Überraschungs-Rückkehrer Manuel Friedrich, der seine Sache in der Not-Abwehr zumindest defensiv gut erledigte, dachte nach dem „unbeschreiblichen Erlebnis“ schon an die nächste Aufgabe. „Es gibt für uns bis Weihnachten nur wichtige Spiele. Jetzt müssen wir uns zunächst auf Dienstag fokussieren“, sagte der 34-Jährige, der gegen Neapel gar nicht spielberechtigt ist.

Während der BVB um Kurskorrektur bemüht ist, erzielen die Bayern auch ohne die verletzten Bastian Schweinsteiger und Franck Ribéry immer neue Bestmarken. Noch nie in der Bundesliga-Historie hat ein Bundesliga-Club nach 13 Spieltagen so viele Punkte (35) gesammelt. Die Serie ohne Niederlage wurde saisonübergreifend auf 38 Spiele ausgebaut. Zwar wächst bei der Konkurrenz die Sorge um einen erneuten Alleingang des Triple-Siegers, doch die „Mia-san-mia“-Bayern fielen eher durch untypische verbale Zurückhaltung auf. „Es war enger, als es das Ergebnis aussagt. Ich kann mich doch jetzt nicht hier hinstellen und mich als deutscher Meister feiern lassen“, erklärte Müller, der zwei Minuten nach Arjen Robbens feinem Heber (85.) mit dem dritten Treffer vor 80 645 Zuschauern den Schlusspunkt gesetzt hatte.

Auch Kapitän Lahm warnte davor, den 24. Meistertitel schon jetzt als Selbstverständlichkeit zu begreifen: „Wir haben ein gutes Polster auf Dortmund und vier Punkte Vorsprung vor Leverkusen. Aber wir dürfen nicht den Fehler machen, jetzt schon mit der Meisterschaft zu rechnen.“

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