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Topnews:"Seleção" als zweiter WM-Teilnehmer in Südafrika

Brasília (dpa) - Der Rekordweltmeister ist da: Ohne Spektakel und streng abgeschirmt ist die brasilianische Nationalmannschaft als zweiter WM-Teilnehmer nach Australien in Südafrika eingetroffen.

Wie bei der Ankunft in Johannesburg hatte Fußball-Nationalcoach Carlos Dunga schon in der Heimat auf den "Zirkus Seleção" verzichtet. Den "Fehler von Weggis" vor der WM 2006, als Fans und Journalisten das Team auf Schritt und Tritt begleiteten, wollte er unter allen Umständen vermeiden. In Ruhe und Abgeschiedenheit hatten Dungas Spieler die fünftägige Vorbereitung im südbrasilianischen Curitiba absolviert, bevor das Team gen Südafrika aufbrach.

Die Atmosphäre während der Vorbereitung war geprägt von Ernsthaftigkeit und Arbeit, der Tagesablauf streng reglementiert. Die meiste Aufmerksamkeit zog noch Hoffnungsträger Kaká auf sich, der zur Erleichterung der Fußball-Nation aber nach Oberschenkel-Problemen wieder trainierte und schon vorher versprach: "Zur WM bin ich wieder hundertprozentig fit."

Auf die WM 2006 in Deutschland bereitete sich die Seleção im Schweizer Ferienort Weggis vor. Damals verfolgten 5000 Fans jede Trainingseinheit der Nationalmannschaft. Reporter begleiteten die Spieler auf Schritt und Tritt. Es herrschte viel Unruhe - auch das wurde später als ein Grund für das unrühmliche Ausscheiden der Brasilianer im Viertelfinale angeführt. Die Seleção könne man nicht verstecken, argumentierte damals Nationalcoach Carlos Alberto Parreira, der heute das Gastgeber-Team von Südafrika trainiert.

Sein Nachfolger Dunga sah das anders und verordnete den Spielern fernab von Medienrummel und Fan-Aufläufen ein konzentriertes Arbeitsprogramm. Es gab medizinische Checks und immer wieder Konditionstraining. Erst am letzten Trainingstag kam "Jabulani", der offizielle WM-Ball, ins Spiel. Am Mittwoch gab es zum Abschied nur einen kurzen Zwischenstopp in Brasília, es folgte der "Segen" von Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva und wenig später hob der mit vielen Botschaften der brasilianischen Fangemeinde verzierte TAM- Airbus A 330 mit Ziel Johannesburg ab.

Real-Star Kaká "twitterte" kurz nach der Ankunft auf dem Internet- Kurznachrichtendienst, wie begeistert er sei über die "großartige Atmosphäre". Mit vorsichtiger Erleichterung hatten die brasilianischen Medien zuvor noch den Auftritt des zuletzt verletzungsanfälligen Spielmachers registriert. Der 28-Jährige nahm lächelnd und vor allem laufend am Training seiner Kollegen in Curitiba teil. Auch Sevilla-Stürmer Luís Fabiano laboriert an Muskelproblemen im linken Oberschenkel, trainierte aber ebenfalls. Beide Profis sind Schlüsselspieler der brasilianischen Auswahl.

Die Mission der Brasilianer ist so klar wie schwierig: "Seid Krieger und kommt als "Hexa" (Sechsfach-Champion) zurück", lautete etwa eine auf den Airbus gepinselte Fan-Botschaft. Der FIFA- Weltranglisten-Erste und Confed-Cup-Sieger 2009 startet jedoch mit viel Zuversicht in das WM-Turnier in Südafrika und leistet sich dabei den Luxus, ohne Stars wie Ronaldinho und Adriano anzutreten. Die beiden letzten Testspiel-Gegner vor der WM - Simbabwe (2. Juni) und Tansania (7. Juni) - dürften dem Team eher zur Selbstbestätigung dienen. Der "Zirkus Seleção" soll gegen Nordkorea am 15. Juni seinen ersten Auftritt haben.