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French Open:Zwei Deutsche überrumpeln die Tennisbranche

2019 French Open - Day Fourteen

Den Eiffelturm ließen Kevin Krawietz (li.) und Andreas Mies dann doch stehen.

(Foto: Getty Images)
  • Als erste deutsche Paarung im modernen Profitennis gewinnen Kevin Krawietz und Andreas Mies mit den French Open ein Grand-Slam-Turnier.
  • Die beiden Einzelspieler ergänzen sich im Team ideal - und überraschen als Duo in Paris die gesamte Tennisbranche.

Am Sonntagmorgen die Kontrolle: die Rue de la Convention hinauf, über zwei Ampeln. Auf der Pont Mirabeau der Blick nach rechts. Und? Da steht er noch, in voller Pracht. Eine 324 Meter hohe, monströse Eisenkonstruktion. Der Eiffelturm.

Hatten Andreas Mies und Kevin Krawietz nicht tags zuvor versprochen, ihn in der Nacht abzureißen?

Für Paris, immerhin, ist das eine gute Nachricht, dass diese zwei Teufelskerle ihre Ankündigung nicht wahr gemacht haben, die sie - da musste man Nachsicht walten lassen - im Zustand der Euphorie ausgesprochen hatten. Das Letzte, was man von ihnen und einer Gruppe Freunde aus dem Spielercafé auf der Anlage am Bois de Boulogne gehört hatte, klang ja so: "So sehen Sieger aus, scha-la-la-la-la!"

Tennis Ein Triumph, der aus dem Nichts kommt
French Open

Ein Triumph, der aus dem Nichts kommt

Die deutschen Doppelspieler Kevin Krawietz und Andreas Mies nehmen an ihrem erst zweiten Grand-Slam-Turnier teil. Völlig überraschend holen sie den Titel - und können es selbst kaum fassen.   Von Gerald Kleffmann

Sie durften zurecht feiern. Kein deutsches Duo (auch kein Frauen-Duo) hatte in der Epoche des Profitennis je die French Open oder ein Grand-Slam-Turnier gewonnen; die Ära läuft seit 1968. Marc-Kevin Goellner und David Prinosil standen 1993 im Finale. In der Amateurzeit gab es einst einen Triumph, für Gottfried von Cramm und Henner Henkel, 1937. Mit ausländischen Partnern immerhin wurden Titel verzeichnet. Michael Stich siegte 1992 in Wimbledon mit John McEnroe (USA). Philipp Petzschner gewann 2010 in Wimbledon sowie 2011 bei den US Open mit dem Österreicher Jürgen Melzer. Doch nie triumphierten zwei deutsche Männer zusammen in Melbourne, Paris, London oder New York.

Krawietz und Mies sind jetzt die Ersten. "Wir sind zum ersten Mal hier und holen den Titel, das ist Wahnsinn", sagte Krawietz. Grand-Slam-Champion? "Das klingt lächerlich", sagte Mies. Er war nicht der einzige, der ungläubig schaute.

Ein beschwerlicher Weg zu Titel

Krawietz, 27, und Mies, 28, der Kölner und der Coburger, sind gute Spieler, aber für größere Erfolge hatte es nie gereicht. Mies spielte vier Jahre College-Tennis in Auburn, Alabama, kehrte zurück, musste sich am Knie operieren lassen, konzentrierte sich aufs Doppel. 2014 war er im Einzel die Nummer 781 der Weltrangliste. Heute ist er nicht mal mehr gelistet als Solist. In der Bundesliga spielt er für Rot-Weiss Köln. Krawietz, der in der Liga für den TC Großhesselohe antritt, galt einst als großes Talent. Höher als Position 211 im Einzel schaffte er es bislang aber nicht.

Paris war erst ihr zweites Grand-Slam-Turnier, bei dem sie zusammen antraten. "Ich hatte schon als Kind die French Open gesehen und gesagt: Irgendwann spiele ich dort mal und bin im Fernsehen", sagte Mies. Eurosport übertrug ihr Finale. Ihr Coup ist ein wahrgewordener Traum. Zwar ein bisschen in der Nische, aber eindeutig auf größtmöglicher Bühne.

Nach dem Frauenfinale durften Krawietz und Mies auf den Court Philippe Chatrier, ins Hauptstadion. Ihre Gegner waren die Franzosen Fabrice Martin und Jeremy Chardy, der im Einzel mal zu den Top 30 gehörte. "Es war absoluter Wahnsinn, als wir auf den Platz kamen, was die für Lieder angestimmt hatten", berichtete Mies. Ihr Vorsatz: "Wenn die gegen uns sind, wollten wir das auf uns ummünzen und genießen." Die Rolle der Außenseiter liegt ihnen, wenngleich sie sich nicht so sehen. Im Februar gewannen sie das ATP-Turnier in New York, das gab Mut. "Ohne arrogant klingen zu wollen", sagte Mies, "wir waren immer überzeugt, ein Grand Slam zu gewinnen und in die Weltspitze zu kommen." Beides ist nun schlagartig geglückt. In der Rangliste schossen sie auf Platz 21 (Krawietz) und 22 (Mies) hoch, was einen wichtigen Effekt hat: "Man sagt, im Einzel musst du Top 100 sein und im Doppel Top 30, um in alle Turniere reinzukommen", sagte Mies.