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French Open:Ein Triumph, der aus dem Nichts kommt

Überrumpelt: Kevin Krawietz (links) und Andreas Mies mit dem Pokal

(Foto: AFP)
  • Den deutschen Doppelspielern Kevin Krawietz und Andreas Mies gelingt ein historischer Sieg: 82 Jahre nach Gottfried von Cramm und Henner Henkel gewinnen sie ein Grand-Slam-Turnier.
  • Im Finale dominieren sie die Partie gegen Jeremy Chardy und Fabrice Martin mit 6:2, 7:6 (3).
  • Von dem Triumph werden beide völlig überrumpelt.

Um 20.10 Uhr setzte Marc Maury, der legendäre Stadionsprecher der French Open, der eine Stimme hat, die jeder Tennisinteressierte kennt, zu einem erstaunlichen Aufruf an: Er rief "Les Allemands Kevin Krawietz und Andreas Mies" auf, um nach vorne zu kommen. Dann schritten Krawietz, 27, aus Coburg, und Mies, 28, aus Köln, eben nach vorne. Die Menschen im Court Philippe Chatrier standen, klatschten, es war ja ein besonderer Moment. Es war die Siegerehrung. Die beiden zu ehrenden hatte leuchtend grüne Hemden an, auf dem Rücken waren noch rote Spuren. Minuten zuvor hatten sie auf der Terre Battue gelegen.

Ihr Erfolg kam nicht nur für die Beobachter aus dem Nichts. Auch für die beiden. Mies ist im Einzel nicht mal mehr in der Weltrangliste geführt. Krawietz schaffte nicht den Durchbruch weiter hoch. Er galt lange als großes deutsches Talent. Aber Profisport ist hart. Und nun?

"Was für eine Reise"

Haben sie Geschichte geschafft. Krawietz und Mies sind Grand-Slam-Sieger. Nach fünf Siegen bezwangen sie im Finale am späten Samstagnachmittag die Franzosen Jeremy Chardy und Fabrice Martin mit 6:2, 7:6 (3). Krawietz spielt in der Bundesliga für den Münchner Verein TC Großhesselohe. Mies spielt für Rot-Weiss Köln. "Was für eine Reise", sprach Krawietz ins Mikrofon, auf Englisch, "wir sind vor eineinhalb Jahren zusammen gestartet, und nun stehen wir hier!" Noch ungläubiger schaute Mies, Krawietz ist ja der ruhigere der zwei, Mies ist der Quirl. "Ich bin sprachlos, das passiert mir sonst nie", sagte er. Aber natürlich fand er dann doch noch Worte. Er dankte allen seinen Freunden, der Familie, besonders den Eltern und rief: "Ich liebe euch!" Es war bewegend, weil alles von Herzen kam.

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Historisches wollten die beiden schaffen, das hatten sie sich vorgenommen, und es ist ihnen gelungen. Marc-Kevin Goellner und David Prinosil waren 1993 die letzten Deutschen im Doppel-Finale gewesen; sie unterlagen damals Luke und Murphy Jensen aus den USA. Die einzigen Deutschen, die jemals in Paris gewonnen hatten, waren Gottfried von Cramm und Henner Henkel 1937. In der Open Era seit 1968 hatte noch nie ein deutschen Doppel triumphiert. Mit ausländischen Partnern gab es aber einige Titel. Michael Stich siegte 1992 in Wimbledon an der Seite von John McEnroe (USA). Philipp Petzschner gewann 2010 in Wimbledon sowie 2011 bei den US Open, beide Male mit dem Österreicher Jürgen Melzer.