Auftritt des Fifa-Präsidenten:Blatters Eigentore

Lesezeit: 3 min

Steile Thesen über "die Frauschaften", dafür kein Wort zur Korruption: Der Fifa-Chef irritiert zu Beginn der WM einmal mehr sein Publikum. Bei einer Pressekonferenz in Berlin inszeniert sich Sepp Blatter als wohlwollender Onkel des Frauenfußballs - kritische Nachfragen zu den jüngsten Skandalen des Weltverbandes sind nicht erwünscht.

Boris Herrmann

Sieh' mal einer an, ein paar Dinge funktionieren ja doch noch beim Fußball-Weltverband Fifa. Bei jenem unerschütterlichen Sportverband also, wo sich die Skandale und Skandälchen längst gegenseitig die Show stehlen und man als Außenstehender vor lauter Bestechungsvorwürfen allmählich den Überblick verlieren kann.

FIFA president Blatter gestures as German Chancellor Merkel looks on during the opening ceremony of the Women's World Cup in Berlin

Mag Frauenfußball: Sepp Blatter beim WM-Eröffnungsspiel.

(Foto: REUTERS)

Soweit ist es bei der Fifa ja schon gekommen, dass Präsident Joseph S. Blatter bei Stadionbesuchen nicht einmal mehr ein Sitzplatz auf Höhe der Mittellinie gewiss ist. Und wenn er dann dezent seine Grundrechte einfordert, bekommt er gleich wieder schlechte Presse. Aber wie gesagt, ein paar Dinge funktionieren eben doch noch.

Jetzt läuft sie also, die WM 2011 in Deutschland, die je nach Standpunkt als Frauen-WM (Männer), Fußball-WM (Frauen) beziehungsweise als Fifa-WM (Fifa) bezeichnet wird, und man darf berichten, dass sie gleich einmal mit einem Doppelsieg für Blatter begann. Erstens wurde er bei der offiziellen Eröffnungs-Pressekonferenz am Samstag im Olympiastadion mal ausnahmsweise nicht ausgepfiffen.

Und zweitens durfte er - ganz ohne es dazusagen zu müssen - auf dem besten Platz sitzen (direkt auf der Höhe des Mittelgangs). Genau genommen feierte der Schweizer sogar noch einen dritten Erfolg. Er eröffnete die Veranstaltung mit dem Satz: "Wir sind hier in Berlin." Dem war nur äußerst schwer etwas entgegenzusetzen.

3:0 für Blatter, so stand es nach nicht einmal 30 Sekunden bei dieser bestens besuchten Talkrunde. Und dass der Fifa-Boss diese komfortable Führung im Kampf gegen seinen schlechten Ruf am Ende doch noch verspielte, dass er als Geschlagener von dannen zog, erinnerte doch verdächtig an die mangelnde Chancenverwertung des VfL Wolfsburg unter Steve McClaren.

Natürlich war es naheliegend und vielleicht sogar verpflichtend, dass Blatter seinen Vortrag mit einer Liebeserklärung an die Frauen im Allgemeinen, die Fußballerinnen im Besonderen und die WM-Organisationschefin Steffi Jones im ganz Besonderen begann. "Die Zukunft des Fußballs ist weiblich!" Blatter (Jones Mineralwasser eingießend) vergaß nicht zu erwähnen, dass er diesen Satz bereits 1986 geprägt habe. Er erinnerte dabei allerdings auch daran, dass man nicht alles so ernst nehmen müsse, was Blatter so sagt. "Damals habe ich nicht einmal selbst daran geglaubt" - 3:1.

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