Frankreich bei der Fußball-WM Spielt so ein Titelfavorit?

Alle ratlos: Samuel Umtiti, Paul Pogba und Antoine Griezmann (von links).

(Foto: AFP)
  • Frankreich gewinnt zum WM-Auftakt gegen Australien, spielt aber gar nicht wie ein Titelfavorit.
  • Trainer Deschamps kritisiert: "Wir waren nicht schnell genug, wir hatten den falschen Rhythmus."
  • Hier geht es zum Spielplan der Fußball-WM.
Von Benedikt Warmbrunn, Kasan

Paul Pogba stemmte die Füße fest in den Boden, die Beine hatte er weit auseinandergespreizt, jeder Muskel war angespannt, es war eine mächtige Geste: An mir, sagte jede Körperfaser Pogbas, kommt keiner vorbei. Dann bückte sich der Franzose, er schob den Hintern zurück, lehnte sich mit dem Rücken über den Ball.

Paul Pogba von Manchester United, nach eigenem Anspruch der Mann für die großen, ewigen, ruhmvollen Momente, spielte auf Zeit.

Hinter ihm drückten und drängten und schubsten und schoben Mile Jedinak und Aziz Behich, zwei dieser Australier, die Pogba nun seit 89 Minuten nervten mit ihren kantigen, niemals müden, niemals abwesenden Körpern, die mit ihrem ruppigen Spiel dem der Franzosen die Leichtigkeit, die Eleganz, die Erhabenheit genommen hatten. Also schirmte Pogba den Ball ab, er wollte die Zeit herunterlaufen lassen, es sollte einfach alles nur noch vorbeigehen. Es gelang ihm nur wenige Sekunden lang. Dann hatten die Australier Pogba weggeschoben und sich den Ball stibitzt. Pogba schlurfte müde hinterher.

Ein mühevolles, müdes, uninspiriertes 2:1

Wenig gelang den Franzosen in ihrem Auftaktspiel am Samstagmittag in Kasan, Pogbas Versuch in den Niederungen des Zeitspiels war da keine Ausnahme. Es war ein mühevolles, müdes, uninspiriertes 2:1 (0:0) der Franzosen, die gestartet waren als einer der Titelfavoriten. Bei beiden Treffern der Franzosen war zudem eine technische Neuerung hilfreich: Dem Elfmeter zum 1:0 von Antoine Griezmann (58.) ging ein Foul an ebenjenem voraus, das der Schiedsrichter erst nach einem Blick auf die Wiederholung erkannte; es war der erste Videobeweis der WM-Geschichte. Beim Siegtreffer (81.) wurde Pogbas Schuss von Behich abgefälscht, sprang an die Latte, dann knapp hinter die Linie (was die Linientechnologie dem Schiedsrichter meldete).

"Das war ein schwieriges Spiel", gestand Frankreichs Trainer Didier Deschamps, "kompliziert war es." Es war eine beschönigende Analyse. Acht Minuten lang zeigte seine Mannschaft, welchen Glanz sie erzeugen kann mit ihrer klangvollen Offensive. Die restlichen Minuten demonstrierte sie, dass sie eine Truppe der Künstler ist, die sich zu Großem berufen fühlt, die aber bitteschön dabei nicht durch so bodenständige Dinge wie Körperlichkeit, Einsatz und Leidenschaft belästigt werden will.

Es dauerte zwei Minuten, bis die Franzosen das erste Mal vorführten, wie sie bei dieser WM zu Torerfolgen kommen wollen. Benjamin Pavard, beim VfB Stuttgart einer der besten Innenverteidiger der Bundesliga, bei der WM als Außenverteidiger im Einsatz, war weit vorgerückt und passte einen halbhohen Ball, der sich tarnte als ein etwas ungenaues Zuspiel für Griezmann.

Dann rannte Kylian Mbappé los. Er sprintete an Mark Milligan und Behich vorbei, er streichelte den Ball, einmal, zweimal, dann schoss er, der Ball beschleunigte sich wie ein aufgezogenes Matchbox-Auto. Australiens Torwart Mathew Ryan wehrte gerade noch zur Ecke ab.