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Fifa-Sperren:Blatter und Platini - mit allen Tricks ins letzte Gefecht

firo Fußball, Fussball: firo Fußball,Fussball,                           12.01.2015 FIFA Ballon D'OR  Weltfußballer, Weltfussballer Wahl 2014,

Was er wohl als Nächstes ausheckt? Die hohe Zeit sportjuristischer Tricksereien hat begonnen - und Joseph Blatter ist dabei schwer gefordert.

(Foto: firo Sportphoto)
  • Fifa-Chef Blatter und Uefa-Chef Platini kämpfen gegen ihre Sperren
  • Dabei verlassen sie sich auf fragwürdige Unterstützer.
  • Wird der Wahlkongress im Februar noch verschoben?

Michel Platini und Sepp Blatter kämpfen um ihre Zukunft im Fußball, es beginnt nun die hohe Zeit sportpolitischer und sportjuristischer Tricksereien. Formal haben die zwei Topfunktionäre Einspruch gegen ihre durch die Ethiker des Weltverbands Fifa verhängten 90-Tage-Sperren eingelegt, die Entscheide der Berufungskommission dürften nächste Woche erfolgen - und abschlägig ausfallen. Also zieht das gesperrte Duo nebenbei an allerlei Strippen, um die Dinge doch noch in eine günstigere Richtung zu lenken.

Auf eine plausible Erklärung, warum Platini im Februar 2011 auf Veranlassung Blatters zwei Millionen Schweizer Franken erhielt, wartet die Fußballwelt noch immer - und daran dürfte sich nach Lage der Dinge auch nichts mehr ändern. Denn weder Platini noch Blatter konnten den Ethikern in getrennten, stundenlangen Einvernehmungen etwas Stichhaltiges oder Glaubwürdiges präsentieren für die Notwendigkeit eines solchen Millionen-Transfers. Dokumente gibt es nicht, die die jetzt behauptete Gehaltsabsprache zwischen den beiden belegen würden; auch waren die angeblichen Gehaltsansprüche aus der Zeit von 1998 bis 2002 verjährt.

Zu bezweifeln ist, dass sich die dünne Beweislage noch ändert: Das Duo hat ja seine Aussagen, ebenfalls in getrennten Einvernahmen, zuvor bereits bei der Schweizer Bundesanwaltschaft gemacht. Letztere ermittelt gegen Blatter wegen des Verdachts ungetreuer Geschäftsführung; Platini pendelt zwischen Zeugen- und Beschuldigtenstatus. Neue Aussagen zur angeblich alten Rechnung, die im Fifa-Wahljahr 2011 beglichen wurde, wären also von einer Relevanz, die weit über die Ethiker-Fragen hinausreicht.

Fußball "Ich bin ein Kämpfer"
Sepp Blatter

"Ich bin ein Kämpfer"

Sepp Blatter gibt sich nach seiner Suspendierung trotzig. Sogar der Fifa-Wahlkongress im Februar könnte verschoben werden - damit Blatter weiterregieren kann.

Südamerika unterstützt Platini

Auch ist es so, dass Platini im Kampf um seine Rückkehr in den Fußball eher zweifelhafte Verbündete flankieren. Am Wochenende forderte Südamerikas Kontinentalverband Conmebol die Aufhebung von Platinis Suspendierung; diese stelle die Integrität des Wahlprozesses für den neuen Fifa-Chef infrage. Conmebol - das ist der Verband, in dessen Geschäftsfilz die US-Justiz ein veritables Bezahlsystem für kontinentale Spitzenfunktionäre ermittelt hat, mit sauber gestaffelten Salären: unten Generalsekretäre, darüber nationale und internationale Verbandschefs. Die Amerikaner haben dabei Spitzenpersonal aus gleich allen zehn Conmebol-Mitgliedsländern im Visier. Einige Personen sind inhaftiert, für manche wurde bereits die Auslieferung in die Staaten bewilligt.

Generalsekretär und starker Mann dieses besonderen Fußballreichs ist Gorka Villar, Sohn von Angel Maria Villar Lllona. Gegen Gorka ermitteln Behörden in Uruguay, Papa Angel Maria rangiert als Nummer zwei in der Uefa hinter Platini und muss spätestens dann dessen Präsidialgeschäfte übernehmen, wenn die Vorstöße gegen die Sperre nicht fruchten. Laut Reglement sollte der Spanier das Amt schon jetzt führen, was aber die Uefa noch ablehnt. Damit begibt sie sich möglicherweise selbst auf Kollisionskurs mit den Fifa-Ethikern.

Auch der französische Verband FFF machte sich stark für den Nationalhelden Platini, die Rede ist von einer Eingabe beim obersten Sportgerichtshof Cas in Lausanne. Dabei haben die Franzosen Platini noch im Mai bei der Fifa-Präsidentschaftswahl die Gefolgschaft verweigert und für Blatter votiert. Experten bezweifeln indes, dass die FFF überhaupt zum Cas gehen dürfe - weil dies ja allein Platinis Sache sei.