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Fifa-Skandal erreicht neue Dimension:Fifa-Präsident Infantino empfindet sein Gehalt als "Beleidigung"

Gegen den im Mai nach einem offenkundigen Machtkampf mit dem neuen Präsidenten Gianni Infantino und wegen "Verletzung der treuhänderischen Verantwortung" entlassenen Kattner gibt es bisher kein Verfahren; die Fifa prüfe noch alle rechtlichen Schritte, teilte sie mit. Die Bundesanwaltschaft erklärte: "Die Untersuchungen richten sich nach wie vor nur gegen die von der BA in früheren Stellungnahmen bekannt gegebenen Personen sowie gegen unbekannt." Quellen, die mit der internen Ermittlung gut vertraut sind, teilen indes mit, dass am Donnerstag speziell Kattners Büro durchsucht worden sei.

Besonders heikel muten jetzt auch die Vorgänge von Ende Mai 2015 an. Am 27. Mai wurden in Zürich sieben Spitzenfunktionäre sowie zahlreiche Sportmanager in anderen Ländern festgenommen. Am 29. Mai ließ sich Blatter trotz massiver internationaler Proteste in eine fünfte Amtszeit wählen; schon vier Tage später kündigte er seinen Rücktritt an. Am Wochenende dazwischen, am 30. und 31. Mai, wurden üppige Verträge aufgesetzt. Am Samstag erhielt Blatter einen neuen Arbeitsvertrag, der ihm drei Millionen Franken Jahresgehalt, einen Jahresbonus von bis zu 1,5 Millionen sowie einen zusätzlichen Legislaturperioden-Bonus von bis zu zwölf Millionen zusicherte. Am Sonntag wurde nach Fifa-Darstellung dann der Vertrag von Finanzchef Kattner verlängert: mit einer Klausel, die ihm explizit auch im Falle einer Entlassung die volle Abgangsentschädigung garantiert - und einer "Schadloserklärung", in welcher ihm die Fifa zusichert, im Falle zivilrechtlicher oder strafrechtlicher Verfolgung "sämtliche Kosten derartiger Verfahren (Anwaltskosten bei freier Anwaltswahl, Schadenersatz, Bußen etc.) zu übernehmen".

Das Gesamtbild zeigt klar, wie Blatter seit Mitte der Nullerjahre Macht und Einkommen zementierte. Problematisch sind die Enthüllungen aber auch für Domenico Scala, den im Mai nach einer Auseinandersetzung mit dem neuen Fifa-Chef Infantino zurückgetretenen Chef der Compliance-Kommission. Er zeichnete Kattners Vertrag ab. Scala leitete auch die Vergütungskommission, welche die Saläre des Spitzenpersonals festlegt. Dieses Gremium soll auch schon 2014 millionenschwere, fragwürdige Boni-Zahlungen vor allem an Valcke und Kattner durchgewunken haben. Zur Frage, ob sie juristische Schritte auch gegen Scala prüfe, blieb die Fifa am Freitag vage: Alles und jeder sei auf dem Prüfstand, hieß es, "insbesondere die Pflichten der Leute im Subkomitee". Gemeint ist das Vergütungsgremium, in dem neben Scala auch Fifa-Vize Issa Hayatou sitzt. In Scalas Umfeld wurde bisher argumentiert, der Finanzkontrolleur habe bestehende Verträge ja nicht ändern können. Die Fifa zeichnet ein anderes Bild von ihrem Compliance-Chef, der am Reformpaket kräftig mitgewirkt hatte. Sie wirft dessen Gremium nun auch vor, dass es die absurd weichen Kriterien für die umstrittenen Millionen-Boni akzeptiert habe.

Während das diskrete Rundum-sorglos-Paket für Blatter und Gefolge den Justiz- behörden neue Munition liefert, wirkt das jüngst offenbarte Selbstverständnis des neuen Fifa-Bosses besonders bizarr. Infantino soll laut Sitzungsprotokollen beim jüngsten Vorstandstreff in Mexiko das ihm (als nicht-operativer Präsident) zugedachte Salär von zwei Millionen Franken als "Beleidigung" bezeichnet und diesen Vertrag nicht akzeptiert haben.

Vorläufig.

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