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Die Fifa unter Infantino:Es wird gefeuert und gedroht

Trifft überraschend viele Entscheidungen im Alleingang, an den Gremien vorbei: der neue Fifa-Präsident Gianni Infantino.

(Foto: Alfredo Estrella/AFP)

Kritiker werden in den Rücktritt getrieben, und sein Gehalt ist ihm zu niedrig: Gianni Infantino baut die Fifa radikal nach seinen Vorstellungen um.

Im Korruptionssumpf steckt sie schon länger, nun versinkt die Fifa im Führungschaos. Die ersten 100 Tage als Präsident sind nicht absolviert, da steht Gianni Infantino bereits im Epizentrum eines Bebens. Und es ist kein Beben, das aus der Ära des gesperrten Sepp Blatter rührt. Es ist selbst verschuldet. Was die Parallelen zwischen den beiden machtbeseelten Schweizern, die aus derselben Ecke im Oberwallis stammen, aber unterstreicht. Infantino, die Hinweise mehren sich, versucht die Autokratie, die sich der Vorgänger über Jahre aufbaute, im ambitionierten Monatsrhythmus zu installieren.

Seiner beiden größten Widersacher hat sich der neue Fifa-Chef schon entledigt, Domenico Scala und Markus Kattner. Erst wurde Compliance-Chef Scala auf eine Art aus dem Amt getrieben, die in scharfem Widerspruch zur neuen Reform- und Transparenz-Linie steht. Die Lesart von einem "Komplott" der neuen Führung transportieren diverse Quellen im Fifa-Umfeld.

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Am Wochenende konkretisierte die FAZ unter Berufung auf Aussagen und Gedächtnisprotokolle, dass Infantino Mitte Mai bei einer Sitzung des neuen Fifa-Councils in Mexiko-City auf Personen abgehoben habe, die "das Leben kompliziert machten" - er sähe die Fifa als "Geisel" einer unerträglichen Situation. Es sollen harte Attacken gegen den Compliance-Chef gewesen sein - dem beim folgenden Fifa-Kongress ein Beschluss präsentiert wurde, der ihn zum Rücktritt nötigte.

Hatte Kattner Einblick in die Scala-Causa?

Infantino ließ, in einer handstreichartigen Abstimmung, das Fifa-Council für ein Jahr ermächtigen, im Alleingang die Mitglieder der zuletzt gefürchteten hauseigenen Kontrollinstanzen zu benennen. Und auch, dies wurde dem Wahlvolk nebenbei untergejubelt: zu entlassen. Das konnte Scala, der maßgeblich am Reformprogramm mitgewirkt hatte, nicht akzeptieren. Er trat zurück.

Vom Council-Treff in Mexiko, dem nun der Geruch einer konspirativen Sitzung anhaftet, soll Markus Kattner ausgeschlossen gewesen sein, der interimistische Fifa-Generalsekretär. Ein Vorgeschmack auf Kommendes: Zehn Tage später wurde Kattner fristlos gefeuert; zur Begründung führte die Fifa die "Verletzung von Treuepflichten im Kontext seiner Beschäftigung" an.

Als Interims-Generalsekretär gehörte Kattner zu den wenigen Hauptamtlichen, die Zugang zu Sitzungs- und anderen Protokollen haben. Hatte er auch Einblick in die Council-Vorgänge zur Causa Scala? Das zählt nun zu den spannenden Themen, die es intern zu klären gilt. Jedenfalls hatte Kattner mit Scala manches gemeinsam: Beide haben Infantino schwer zugesetzt - womöglich, indem sie sich zu sehr an die neuen Regeln hielten. Sehr nachdrücklich zum Beispiel, berichten informierte Kreise, sei der neue Fifa-Boss auf seinen Spesenrahmen hingewiesen worden.

Vor allem aber soll sein Präsidentensalär, das ein neuerdings zuständiges Vergütungskomitee errechnet hat - rund zwei Millionen Schweizer Franken pro Jahr - Infantinos Zorn erregt haben. Vorgänger Blatter hatte ein Mehrfaches; sogar über zweistellige Millionenbeträge darf vor 2015 spekuliert werden, solange der dicke Bilanzposten, in dem die Fifa Saläre und Boni ihrer kompletten administrativen und politischen Führungsriege vermengt, nicht entschlüsselt ist.

Doch die Selbstbedienungszeiten sind vorbei, nun legt ein Vergütungskomitee die Bezüge von Präsident und General fest. Dessen Chef: Scala. Indes gibt es keinen Zweifel, dass Scalas Gremium angemessen und nach Vergleichsparametern in der freien Wirtschaft gerechnet hatte; Infantino ist, anders als Blatter, kein operativer Präsident mehr, sondern eine Art Chefaufseher.