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Gianni Infantino:Freispruch von der Superfreundin

Fifa-Fahne auf Halbmast? Von wegen, Präsident Gianni Infantino hat nun schon die x-te Welle überstanden.

(Foto: Fabrice Coffrini/AFP)

Die Ethik-Chefin des Fußball-Weltverbandes will nicht gegen Fifa-Boss Gianni Infantino ermitteln - obwohl gerade erst ein strafrechtliches Verfahren eröffnet wurde. Das könnte nun auch für sie gefährlich werden.

Von Thomas Kistner

Am Mittwochabend teilte das Ethikkomitee des Fußball-Weltverbandes mit, dass es Voruntersuchungen gegen Präsident Gianni Infantino geführt - und eingestellt habe. Die von Infantino Mitte 2017 überfallartig ins Amt gehievte Fifa-Ermittlungschefin Claudia Rojas, eine Verwaltungsjuristin aus Kolumbien, ließ via Fifa-Pressetext wissen, sie habe "nach Prüfung der maßgebenden Unterlagen und Beweise" beschlossen, das Verfahren "wegen mangelnder glaubhafter Beweise zu sämtlichen behaupteten Verstößen gegen das Fifa-Ethikreglement einzustellen".

Spontan fasste der Schweizer Strafrechtsprofessor Mark Pieth den Eindruck unabhängiger Beobachter so zusammen: "Gut ist, dass eine Voruntersuchung überhaupt eröffnet wurde. Dass die gleich wieder eingestellt wurde, war zu erwarten." Rojas riskiere jetzt allerdings "ihren Ruf", sollte die Schweizer Strafjustiz ihr eigenes Ermittlungsverfahren weiter fortführen.

Seit Ende Juli untersucht der Sonderstaatsanwalt Stefan Keller allerlei stille Treffen Infantinos mit dem Berner Bundesanwalt Michael Lauber in den Jahren 2016 und 2017. Sie fanden außerhalb der Behörde statt und wurden nie protokolliert; das letzte Date wollen alle Beteiligte glatt vergessen haben. Ermittelt wird nun zum Verdacht auf Verletzung von Amtsgeheimnissen und Anstiftung dazu. Dazu hat das Schweizer Bundesverwaltungsgericht bereits Weitreichendes in einem Urteil festgestellt: Die von der kollektiven Teilamnesie geplagten Treff-Teilnehmer, neben Infantino und Lauber noch mindestens zwei weitere Personen mit Gedächtnisverlust, hätten sich hier zu einer Lüge verabredet.

Nichts sei der Ahndung würdig, kein Verstoß erkennbar

Dass Rojas, wie die Fifa behauptet, Dokumente wie dieses höchstgerichtliche Urteil "eingehend geprüft" habe, halten unabhängige Beobachter für einen Witz. Aus guten Gründen. Neben den inhaltlichen gibt es ja auch simple technische Fragen: Hunderte Seiten juristischer Schriften, alles auf Deutsch - wie will sie das in kürzester Zeit bewältigt haben? Wurde alles auf Spanisch übersetzt, oder wurden ihr die Inhalte schlicht von Dritten interpretiert - von Juristen, die die Fifa bezahlt? Rojas' Erklärung bietet auch dazu nichts Erhellendes.

Umso origineller wirkt die folgende Feststellung Rojas: Sie habe neben anderen Papieren auch Sonderermittler Kellers Eröffnungsbeschluss einsehen können. Und daraufhin habe die Verwaltungsjuristin aus Cali "beschlossen, das Verfahren wegen mangelnder glaubhafter Beweise zu sämtlichen behaupteten Verstößen gegen das Fifa-Ethikreglement einzustellen". Nichts sei der Ahndung würdig, kein Verstoß erkennbar. Das ist schon deshalb amüsant, weil die Fifa und ihre Anwälte seit Wochen beklagen, sie hätten gar keine Ahnung, was Keller Infantino genau vorwerfe.

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