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Formel 1:Ferrari kommt mit einer Geldstrafe davon

Für die Schlampigkeit seines Teams hätte Leclerc noch vor dem Start disqualifiziert werden können. Stattdessen kam Ferrari mit 50 000 Euro Geldstrafe davon. Bei einem Jahresbudget, das ziemlich genau zehntausendmal so hoch liegt, bei 500 Millionen Euro, zahlt Ferrari diese Strafe aus der Kaffeekasse. Es war Milde, wenn nicht Mitleid, von der sich die Kommissare leiten ließen. War Ferrari nicht gestraft genug am Ende einer Saison, die seine Fahrer nur als Vierter und Fünfter beendeten?

Aber für Sebastian Vettel blieb es am Sonntag nicht einmal bei den erwartbaren unangenehmen Fragen. Also jenen über die Saison und seinen schnellen Teamkollegen Leclerc, der gleich in seinem ersten Jahr bei Ferrari zwei Rennen gewonnen hat - unter anderem das für die Italiener heilige in Monza. Hinzu kamen sieben Pole Positionen, niemand war 2019 schneller bei der Zeitenjagd als Leclerc, nicht einmal Hamilton. Vettel parkte nur zweimal ganz vorne, und er gewann nur in Singapur.

Hamilton, Vettel, Verstappen - die Verträge der Topfahrer laufen aus

Und am Sonntag musste er sich auch noch in eine Debatte reinziehen lassen, die Hamilton zumindest nicht verhindern wollte: Der dementierte nicht, sich zuletzt zweimal mit Fiat- und Ferrari-Boss John Elkann getroffen zu haben. Inhalt der Gespräche? Nicht näher bekannt. Er liebe es da, wo er sei, also bei Mercedes, sagte Hamilton. "Und deshalb wird es auch bestimmt keine schnelle Entscheidung geben, etwas anderes zu tun." Hieß das nun, er könnte, wenn er wollte, die schnelle Entscheidung treffen, 2021 zu Ferrari zu wechseln?

Nach der kommenden Saison laufen die Arbeitspapiere von Hamilton, Vettel und Verstappen aus. Man darf jetzt schon davon ausgehen, dass es zu harten Verhandlungen und noch wilderen Spekulationen kommen wird als jetzt schon.

Hält man die aus? Vettel schon. Er löst die Situation mit Humor. "Ich glaube, Lewis ist schon ein Ferrari-Fahrer", konterte Vettel in Abu Dhabi. Hamilton sei "ein guter Kunde". Das war eine herrliche Retourkutsche für Hamiltons wiederholtes öffentliches Kokettieren auf Instagram. Dort war er in den vergangenen Wochen auf Fotos zu erleben, Seite an Seite mit einem Ferrari aus seinem persönlichen Fuhrpark. Auf ein Foto hatte er geschrieben: "Who wants to come for a ride with me?" - er wollte wissen, wer Lust habe, mit ihm gemeinsam Ferrari zu fahren. Wäre sein Verhältnis zu Mercedes nicht so blendend, Hamiltons Anbandeln bei der Konkurrenz würde glatt als Kündigungsgrund taugen.

Vettels größtes Problem in diesem Jahr war allerdings nicht Leclerc, sondern sein Dienstwagen. Das gab auch Ferraris Teamchef Mattia Binotto zu. Die Saison, sagte Binotto, habe die Scuderia schon im Jahr 2018 am Zeichenbrett verloren. "Als wir unser Auto entworfen haben." Technikchef von Ferrari, also für den Entwurf verantwortlich, war im Vorjahr: Mattia Binotto. Sein Chef war damals der kauzige Maurizio Arrivabene. Und mit diesem lieferte sich Binotto vor einem Jahr ein Duell um die künftige Ausrichtung und Führung der Scuderia. Binotto gewann und wurde Arrivabenes Nachfolger. Doch das Auto der Gegenwart wurde gezeichnet im Pulverdampf der Vergangenheit. Dass sich der verzogen hat, ist Vettels Antrieb. Er sagt: "Ich bin schon eine Weile dabei, deshalb nutze ich die Erfahrung und hoffentlich auch das bisschen Weisheit, um die Dinge zu meinen Gunsten zu wenden."

An diesem Dienstag sitzt Vettel schon wieder im Ferrari in Abu Dhabi, er testet für die kommende Saison. Für den nächsten Versuch, sich seinen Kindheitstraum vom Titelgewinn im Ferrari zu verwirklichen. Es könnte sein letzter sein.

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