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Formel 1:Vielleicht fehlt dem Team die Struktur, um sich zu vereinen

Die Entwicklung eines Motors, der konkurrenzfähig ist, das ist die Aufgabe eines Technikchefs. Den Disput zwischen zwei Fahrern zu regeln, das ist die Aufgabe eines Teamchefs. Bei Ferrari regelt beides Binotto. Und kaum etwas funktioniert. Nach zwei Rennen steht Ferrari auf Platz fünf: hinter Racing Point und McLaren. Und von der Konkurrenz gibt es nur noch Mitleid: "Die sind natürlich schwer geprügelt jetzt. Das ist eine unglaubliche Marke mit hart arbeitenden Menschen", sagt Toto Wolff.

Als Schumacher Anfang der Jahrtausends von Titel zu Titel raste, da waren die Aufgaben bei Ferrari auf die Schultern von Jean Todt, Ross Brawn und Rory Byrne verteilt. Schumacher war die klare Nummer eins. Binotto plädierte am Sonntag dafür, jetzt sei "nicht die Zeit für Schuldzuweisungen, jetzt müssen wir Einigkeit zeigen." Aber vielleicht fehlt dem Team einfach die richtige Struktur, um sich zu vereinen?

Es wird Gründe dafür geben, weswegen der Ferrari im Vorjahr nach dem Sommer in die falsche Richtung entwickelt und langsamer anstatt schneller wurde. Und weshalb es zu den Merkwürdigkeiten rund um den Motor kam, die im Winter dazu führten, dass der heute von Jean Todt geführte Weltverband Fia einen intransparenten Deal mit Ferrari einging. Der verschleiert bis heute, was genau an dem Ferrari-Motor des Vorjahres zu beanstanden war. Und wieso Ferrari zwar zu Auflagen verdonnert wurde, obwohl doch von einem Vergehen gar nicht offiziell die Rede war.

Eine beliebte Theorie zur Erklärung der erschreckenden Langsamkeit Ferraris ist: Die Italiener wurden im Winter von der Fia gezwungen, die bereits im 2020er-Motor verbauten Tricksereien wieder zu entfernen. Am Sonntag fuhr kein einziges Auto mit Ferrari-Motor in die Punkte. Kimi Räikkönen wurde Elfter. Im Alfa Romeo.

© SZ vom 14.07.2020/ska
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