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Felix Neureuther im Riesenslalom:Vorstoß in eine unerklärliche Dimension

FIS Alpine Skiing World Cup

Von den Socken: Felix Neureuther nach seinem Riesenslalom-Sieg

(Foto: dpa)

Ligety, Hirscher, Pinturault - bisher schien es, als sei Olympia-Gold im Riesenslalom einem Kreis von drei Athleten vorbehalten. Jetzt erweitert Felix Neureuther diese Elite, überrascht damit die Branche - und sich selbst.

Natürlich ist die Geschichte kitschig, aber das kann man Felix Neureuther nicht zum Vorwurf machen. Kann er denn was dafür, dass es fast 41 Jahre gedauert hat, bis ein deutscher Alpiner wieder einen Weltcup-Riesenslalom gewonnen hat? Kann er was dafür, dass der bisher letzte Sieger - der Rieger Max - ein Freund der Familie Neureuther ist? Und kann er was dafür, dass der Rieger Max nach Neureuthers Sieg ankündigte, zur Feier des Tages "ein Glaserl" zu trinken und dass er außerdem bekannt gab, er kenne "den Felix schon, seit er ein Baby war?"

Felix Neureuther kann nichts dafür. Er hat Eltern, bei denen es sich nicht vermeiden lässt, dass sie die ganze Skiwelt kennen und die ganze Skiwelt sie, und er kann auch nichts dafür, dass ihm Rosi Mittermaier und Christian Neureuther ihre imposanten Alpin-Gene vererbt haben.

Wofür er aber etwas kann, das ist dieser zweite Riesenslalom-Durchgang von Adelboden: Der war von dermaßen beängstigender Qualität, dass er nicht nur von Platz sieben auf Platz eins sprang, dass er nicht nur 1,32 Sekunden auf den führenden Franzosen Thomas Fanara auf- und den großen Österreicher Marcel Hirscher überholte - dieser Lauf hatte auch eine so unerklärliche Dimension, dass später jede Erklärung gerne genommen wurde, egal, ob fachlich, psychologisch oder historisch-kitschig.

Die Geschichte von Neureuthers Riesenslalom-Sieg ist eine, aus der sich je nach Geschmacksrichtung all diese Aspekte herauslesen lassen, aber vor allem ist es eine Geschichte, mit der noch vor ein paar Wochen niemand gerechnet hat, am wenigsten Neureuther selbst.

So steil, dass man den Berg nicht sieht

Dass er ein überragender Kurvenfahrer ist, das wussten alle (inklusive er selbst), und daran hat sein Ausscheiden im Slalom am Sonntag nichts geändert. Slalom ist die Disziplin, in der ihn sogar der große Österreicher Marcel Hirscher fürchtet - aber Riesenslalom? Und dann noch in Adelboden, am berüchtigten Chuenisbärgli, dessen Steilhang so steil ist, dass man an der Einfahrt den Berg vor den Füßen nicht mehr sieht?

Die aktuelle Saison ist eine sog. Olympiasaison, man hört das jedes Wochenende aus jedem Athleten- und Trainermund, in drei Wochen beginnen die Spiele in Sotschi. Es sind womöglich die letzten Olympischen Spiele für Neureuther, er wird im März 30, aber das ist nur das Alter, das im Ausweis steht.

Besäße sein Körper einen eigenen Ausweis, würde eine andere Jahreszahl drin stehen, Felix Neureuthers Körper ist in vielen Jahren Hochleistungssport schneller gealtert als Felix Neureuther. Der Rücken, die Knie, alles tut immer irgendwie weh bei einem Rennfahrer wie ihm, er hat schon einmal angedeutet, dass er nicht genau weiß, wie lange er seinem Körper die Belastungen noch zumuten will. Diese Saison hat in dieser Hinsicht besonders ungünstig begonnen, nämlich: gar nicht.