FC Bayern: Uli Hoeneß im Gespräch:"Bayern ist kein Ausbildungsverein"

SZ: Torpediert der Trainer damit Ihre Strategie, Neuer aus Schalke zu holen?

Hoeneß: Ich mache mir keine Gedanken über ungelegte Eier. Weder Kraft noch Neuer haben bei uns einen Vertrag für die Zeit nach dem 1. Juli.

SZ: Neuer darf ja derzeit offiziell auch nichts verabreden, ohne Schalkes Zustimmung. Ihre eindeutige Haltung in der Torwartfrage war zuletzt immer: Der beste deutsche Torwart - Manuel Neuer - muss zum besten Klub kommen.

Hoeneß: Ja, und dem gibt es im Moment nichts hinzuzufügen. Denn ich bin immer für Nachhaltigkeit in der Meinungsbildung, so auch hier. Zu Thomas Kraft nur so viel: So eine Entscheidung darf der Trainer total selbständig treffen. Was allerdings Jörg Butt rein menschlich gesehen über diese Entscheidung denkt, sei mal dahingestellt.

SZ: Und der Verein, nicht der Trainer entscheidet kraft alter Hausregel, wer im Sommer kommt und wer geht?

Hoeneß: Ja, wir stellen den Kader zusammen - in Absprache mit dem Trainer. Was er aus dem Kader macht, ist sein Ding. Aber natürlich war es bei Bayern immer auch ein Miteinander: Wenn der Trainer einen Spieler partout nicht wollte, haben wir ihn nicht geholt.

SZ: Van Gaal sieht sich in der Rolle des Jugendwarts: Er fördert Talente, wie jetzt Kraft, und spart damit dem Klub die Transfermillionen. Ist das die originäre Aufgabe eines Trainers des FC Bayern?

Hoeneß. Gute Frage. Ich finde, Christian Nerlinger (Sportdirektor, d. Red.) hat dazu kürzlich eine sehr gute Aussage gemacht: Der FC Bayern ist kein Ausbildungsverein. Er muss Erfolg haben.

SZ: In der Südkurve der Bayern-Fans hing jüngst ein Pro-Kraft- und Anti-Neuer-Transparent. Wird es ein Problem, einen Neuer-Transfer zu vermitteln?

Hoeneß: Der zuständige Fanklub hat sich von dem Plakat bereits schriftlich distanziert. Wenn zehn, 20 Leute sowas hochhalten, fließt das nicht unbedingt in unsere Entscheidungsfindung ein, obwohl ich ein totaler Demokrat bin.

SZ: Die Mannschaft stützt den Trainer auffällig. Spieler wie Schweinsteiger oder Müller loben Louis van Gaal nicht nur pauschal, sondern mit Argumenten.

Hoeneß: Das beste Argument ist immer die Tabelle. Daher bin ich im Augenblick unruhig.

SZ: Die Äußerungen aus dem Team konnte man auch als Reaktion auf Ihre fundamentale Kritik an Louis van Gaal Ende Oktober verstehen. Sie nannten ihn damals: beratungsresistent.

Hoeneß: Das war aber keine Kritik an seiner Arbeit, sondern am System in diesem Verein. Und es steht mir zu, so etwas zu gegebener Zeit zu tun.

SZ: Gerade aber das Familiäre, die Harmonie war Ihnen an Ihrem FC Bayern stets wichtig. Trinken Sie weiterhin ein Glas Rotwein mit van Gaal?

Hoeneß: Also, Kommunikation und Geselligkeit sind mit van Gaal sehr gut möglich. Kurz vor Weihnachten hatten wir ein schönes Abendessen mit dem Aufsichtsrat, sehr harmonisch. Wir gingen im besten Einvernehmen in den Urlaub.

SZ: Und dann zündet van Gaal seine Silvesterrakete: den Torwartwechsel.

Hoeneß: Ja, van Gaal ist van Gaal, das betont er selbst. Das muss man wissen und respektieren, wenn man ihn verpflichtet. Und dazu gehören eben immer wieder Überraschungen.

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