FC Bayern: Torhüter:Von Katze bis Titan

Nach langem Gezerre ist der Wechsel perfekt: Manuel Neuer spielt in Zukunft für den FC Bayern München. Er tritt die Nachfolger großer Namen an, aber auch von "Althans", Tanne Tarnat und Arpad Fazekas.

Eine Zeitreise durch das Bayern-Tor

16 Bilder

Manuel Neuer

Quelle: dpa

1 / 16

Große Namen wie Sepp Maier, Jean-Marie Pfaff oder Oliver Kahn standen bereits im Tor des FC Bayern, nun kommt mit Manuel Neuer ein weiterer starker Keeper nach München  - doch auch ein 40-Jähriger und ein eigentlicher Feldspieler durften bereits als Nummer eins auflaufen. Die Bayern-Keeper in Bildern.

Texte: Jonas Beckenkamp und Albert Linner

SEPP MAIER MIT EUROPAPOKAL 1974

Quelle: DPA

2 / 16

Kaum ein anderer Bayern-Torwart war so prägend für eine ganze Ära wie Josef Dieter, kurz: Sepp Maier. Mit ihm zwischen den Pfosten gewann der FC Bayern vier Mal die Meisterschaft, ebenso oft den DFB-Pokal und drei Mal den Europapokal der Landesmeister. In 14 Jahren bei den Münchnern verpasste Maier gerade einmal drei Spiele in der Saison 1965/66, seine 442 Einsätze in Serie sind bis heute unerreicht.

Ebenfalls unvergessen: Maier als Entertainer, etwa bei seiner fast schon legendären Entenjagd. Nicht nur auf dem Platz war die "Katze von Anzing" für die Späße zuständig: Der Münchner Reporterriege flunkerte er schon mal vor, die Bayern-Profis würden zum Frühstück immer Whisky trinken. Auch später nahm Maier selten ein Blatt vor den Mund: Als er vor wenigen Jahren als Torwarttrainer der Nationalmannschaft und der Bayern von Jürgen Klinsmann geschasst wurde, bezeichnete er diesen als "linken Schleimer".

Fritz Kosar Sepp Maier Tschick Cajkovski

Quelle: imago

3 / 16

Mit Sepp Maier begann eine eigene Zeitrechnung zwischen den Münchner Torpfosten, andere Namen geraten neben Deutschlands dreifachem Fußballer des Jahres gerne in Vergessenheit. Etwa der von Fritz Kosar (links im Bild, rechts Trainer Tschick Cajkovski), der vom jungen Maier verdrängt wurde, aber von 1960 bis 1969 beim FC Bayern unter Vertrag stand. Oder dessen Vorgänger: Nur die Wenigsten können sich noch an Árpád Fazekas erinnern. Der Ungar hütete das Tor von 1957 bis 1961 und war am ersten DFB-Pokalsieg des FC Bayern 1957 beteiligt.

Junghans

Quelle: imago

4 / 16

Als sich 1977 ein junger Torwart namens Walter Junghans dem FC Bayern anschloss, hatte Platzhirsch Maier, damals bereits mit unumstößlichem Heldenstatus ausgestattet, nur ein müdes Lächeln und eine Pointe für den vermeintlichen Konkurrenten übrig: "Unter mir wird der Junghans zum Althans." Zwei Jahre später musste Maier seine Karriere nach einem Autounfall jedoch beenden und Junghans stieg zur Saison 1979/80 zum Stammtorhüter auf. Immerhin zwei Meistertitel konnte er in seinen ersten beiden Spielzeiten verbuchen. Gänzlich unumstritten war Junghans allerdings nie, seinen Platz im Tor musste er zeitweise mit Manfred Müller teilen, ehe er 1982 einen noch größeren Konkurrenten vor die Nase gesetzt bekam:

Pfaff

Quelle: imago

5 / 16

Vom KSK Beveren wechselte mit dem Belgier Jean-Marie Pfaff ein gestandener Torwart an die Isar und gestaltete in seinen sechs Jahren bei den Bayern eine abermals sehr erfolgreiche Zeit mit. Drei deutsche Meisterschaften holte der FC Bayern mit ihm im Tor, der ganz große Wurf blieb jedoch aus: Dank eines überragenden Pfaff waren die Münchner 1987 gegen Real Madrid ins Finale des Landesmeisterpokals gegen den FC Porto eingezogen. Gegen Rabah Madjers legendäres Hackentor war aber auch der Belgier machtlos. Bayern verlor 1:2, ein Jahr später war auch Pfaff weg. Aus der Öffentlichkeit hat er sich jedoch bis heute nicht verabschiedet: Bereits seit 2002 läuft die Reality-Soap De Pfaffs mit Jean-Marie und seiner Familie sehr erfolgreich im belgischen und niederländischen Fernsehen.

FC Bayern bestätigt: Heynckes folgt Klinsmann

Quelle: Martina Hellmann/dpa

6 / 16

Bereits während der Ära Pfaff saß dem Belgier ein Augsburger Jungspund namens Raimond Aumann im Nacken (im Bild mit Meisterschale). Nachdem sich Walter Junghans (er ging 1982) und Manfred Müller (1984) vom Verein verabschiedet hatten, witterte der damals 20-jährige Aumann seine Chance und feierte am ersten Spieltag der Saison 1984/85 sein Debüt als Nummer eins. Über ein Jahr behielt er diesen Posten, ehe ein Kreuzbandriss ihn stoppte und Pfaff wieder Stammkeeper wurde.

Als Konkurrenten konnten sich die beiden nicht besonders gut riechen und so soll es im Training sogar zu einer "Watschn" des Bayern gegen den Belgier gekommen sein. Ab 1988 etablierte sich Aumann endgültig als Bayerns wichtigster Handschuhträger - er sollte es bis 1994 (zuletzt sogar als Kapitän) bleiben. Heute arbeitet er als Fanbeauftragter des Vereins.

Toni Schumacher

Quelle: SZ

7 / 16

Ja, auch er fing schon Bälle für den FC Bayern: Toni Schumacher wurde 1991 kurzerhand verpflichtet, als sich Aumann und Ersatz Sven Scheuer verletzten. Acht Spiele bestritt der damals 37-Jährige noch für die Münchner, dann war auch für ihn Schluss.

Gospodarek

Quelle: imago

8 / 16

Während der Verletzungsphase Raimond Aumanns in der Saison 1991/92 dachten die Bayern-Macher kurzzeitig über Nachwuchskeeper Uwe Gospodarek (li. neben Mehmet Scholl) als Übergangslösung nach, doch der damals 19-Jährige konnte nicht ganz überzeugen. So verpflichtete man auf Aumanns Anraten Toni Schumacher bis zur Winterpause.

Der gebürtige Straubinger Gospodarek blieb in München eine klassiche Nummer zwei, absolvierte insgesamt sieben Bundesligaspiele für die Bayern und war wegen der Ausfälle von Oliver Kahn und Sven Scheuer einer der jungen Wilden, die es 1995 bis ins Halbfinale der Champions League gegen Ajax Amsterdam (Gospodarek spielte beim 0:0 im Hinspiel) schafften.

Nackter Mann gratuliert Oliver Kahn zum Sieg über den SV Werder Bremen Amateure

Quelle: AP

9 / 16

"Titan, Titan - ohne Abwehr ist nichts mit Titan", krähte Oliver Kahn mal in einem Werbespot. Und doch ist ein großer Teil der jüngeren Erfolgsgeschichte des FC Bayern mit eben ihm, dem Titanen, verbunden. Als Kahn 1994 aus Karlsruhe nach München wechselte, war er bei den Fans noch keineswegs sonderlich beliebt - man trauerte Raimond Aumann hinterher. Das sollte sich allerdings bald ändern. Kahn stieg in München zum besten Torwart der Welt auf, gewann mit den Bayern alles, was man gewinnen kann.

Im Champions-League-Finale 2001 machte er sich mit drei gehaltenen Elfmetern endgültig zum Helden und bescherte dem FC Bayern erstmals seit Sepp Maiers Zeiten Europas Krone. Nach 429 Bundesliga-Spielen im Bayern-Torwarttrikot machte Kahn im Jahr 2008 Schluss und ist seitdem als TV-Experte und Buchautor ("Ich. Erfolg kommt von innen.") immer noch omnipräsent.

Scheuer

Quelle: imago

10 / 16

Sven Scheuer (Bildmitte) ist für viele Bayern-Anhänger der ewige zweite Mann der neunziger Jahre. Zwischen 1988 und 1999 brachte er es immerhin auf 20 Bundesliga-Einsätze und etliche Titel, doch prägend in Erinnerung bleibt vielen wohl sein unrühmlicher Abgang: Mit seinem vermeintlichen Zech-Spezi Mario Basler war Scheuer 1999 in eine hochprozentige Kneipen-Schlägerei in einer Regensburger Pizzeria verwickelt, weswegen die Bayern beide suspendierten. Scheuer ließ in der Folge seine Karriere in der Türkei, in England, in Österreich und bei unterklassigen deutschen Vereinen ausklingen.

BAYERN MUNICH'S TARNAT CATCHES THE BALL

Quelle: REUTERS

11 / 16

Kaum zu glauben, aber auch Michael Tarnat hütete einmal das Bayern-Tor. Als 1999 beim Spiel in Frankfurt Verteidiger Sammy Kuffour etwas ungestüm Oliver Kahn ausgeknockt hatte und sich auch noch der für ihn eingewechselte Bernd Dreher schwer verletzte, streifte sich Freistoßspezialist Tarnat das Torhüter-Trikot über und trat zwischen die Pfosten.

Mit dem Mittelfeldspieler im Kasten brachten die Bayern das 2:1 über die Zeit und es offenbarte sich, was Abwehrspieler Thomas Linke schon immer gewusst hatte: "Im Training stellt er sich öfter ins Tor - da hält er weltklasse." Auf die Frage, wen er ins Gehäuse beordert hätte, wenn auch Tarnat noch ausgefallen wäre, antwortete Trainer Ottmar Hitzfeld damals: "Dann hätte ich Stefan Effenberg gefragt, der ist ein großer Spieler und hat große Hände."

TRAINING FC BAYERN MÜNCHEN

Quelle: DPA

12 / 16

Als großes Talent galt in München einst Stefan Wessels (vorne). Im Alter von 19 Jahren kam er 1998 von der TuS Lingen zu den Amateuren des FC Bayern und überzeugte dort in insgesamt 63 Regionalligaspielen. 1999 spülten ihn die kurzfristigen Ausfälle von Stammkeeper Oliver Kahn und Ersatzmann Bernd Dreher (hinten) im Champions-League-Duell mit den Glasgow Rangers ins Team - und Wessels lieferte eine blitzsaubere Leistung ab. In der Folge stieg er zur etatmäßigen Nummer zwei auf und brachte es auf sechs Bundesliga-Partien für die Münchner. 2003 verließ er schließlich den Verein in Richtung Köln, wo er prompt Stammkeeper wurde.

Dreher blieb unterdessen meist der Ersatz vom Ersatzmann und pendelte zwischen Tribüne, Torwart-Warmschießer und Torwart-Trainer hin und her. Im Alter von 40 Jahren und sechs Monaten absolvierte er im Mai 2007 sein letztes Spiel, als Trainer Jürgen Klinsmann ihn bei Mehmet Scholls Bundesliga-Abschied gegen Mainz noch einmal ins Tor stellte.

MSV Duisburg - FC Bayern München

Quelle: dpa/dpaweb

13 / 16

Zugegeben: Die Fallhöhe war bei Michael Rensing verdammt groß. Jahrelang als Kronprinz von Kahn stilisiert, konnte das Münchner Eigengewächs fast nur verlieren. Als Kahn das Tor-Zepter 2008 an Rensing übergab, waren die Erwartungen überdimensional. Doch die Fußstapfen des Titanen waren dem damals 24-Jährigen gleich mehrere Nummern zu groß. Rensing versuchte zwar, ebenso bärbeißige Interviews wie sein Vorgänger zu geben, auf dem Platz wusste er allerdings selten zu überzeugen. Nach 26 Spieltagen erfolgte die Wachablösung, der erfahrene Hans Jörg Butt ersetzte Rensing. Dasselbe Spiel unter Louis van Gaal in der Saison 2009/10, nur dauerte es diesmal nur drei Spieltage, ehe der Ältere den Jüngeren ablöste. Rensings Vertrag wurde 2010 nicht verlängert. Nach Monaten im Abseits ist er mittlerweile beim 1. FC Köln untergekommen.

Bayern Munich's goalkeeper Butt tries to save a shot from Barcelona's Iniesta during their Champions League quarter-final, first-leg soccer match

Quelle: REUTERS

14 / 16

Nutznießer des Torwartwechsels in der Saison 2008/09 war Hans Jörg Butt, der wohl mit Abstand unprätentiöseste aller Bayern-Keeper. War ruhig, als er noch auf der Bank saß, sagte auch als Stammtorwart nur wenig und ein großes Aufbegehren gegen van Gaals Pro-Kraft-Entscheidung ist bei Butt in etwa so unwahrscheinlich wie die Beteiligung an einer Schlägerei in einer Regensburger Pizzeria. Immerhin konnte er mit dem Gewinn von Meisterschaft und Pokal in der vergangenen Saison sein Image als Vize-Butt ablegen. Lediglich im Champions-League-Finale holte ihn seine Leverkusener Vergangenheit wieder ein.

FC Bayern Muenchen v FC Basel - UEFA Champions League

Quelle: Bongarts/Getty Images

15 / 16

Danach vertraute Trainer Louis van Gaal auf Thomas Kraft. Der 22-Jährige stieg in der Winterpause ziemlich überraschend zur neuen Nummer eins auf, nachdem im Trainingslager der Bayern in Doha durchgesickert war, dass van Gaal ihn höher einschätzt als Routinier Hans Jörg Butt. Nach der Entlassung van Gaals stellte Andries Jonker wieder Jörg Butt zwischen die Pfosten. Kraft wechselt zu Aufsteiger Hertha BSC Berlin.

Germany v Uruguay - Charity Match

Quelle: Bongarts/Getty Images

16 / 16

Eine längerfristige Rückkehr von Butt als Stammtorhüter wird es allerdings nicht geben. Butt selbst hatte gesagt: Wenn Manuel Neuer kommt, ist er die klare Nummer eins. Und der Nationaltorhüter kommt. Bis sich die Verantwortlichen zu einer Bestätigung durchringen konnten, hat es lange gedauert, doch jetzt steht fest: Neuer spielt ab der Saison 2011/12 für die Bayern. Neuer erhält einen Fünfjahresvertrag beim deutschen Rekordmeister.

© sueddeutsche.de/jbe/hum
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB