FC Bayern: Uli Hoeneß im Gespräch:"Alle boykottieren diese Spieler"

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SZ: Andere Bundesliga-Profis versuchen derzeit mit dreisten Methoden, Transfers zu erzwingen, wie der streikende Demba Ba in Hoffenheim.

Hoeneß: Gegen diese neue Form von Geschäftsgebaren müssen wir klare Zeichen setzen. Aber die Vereine müssen sich auch an die eigene Nase packen. Es kann nicht sein, dass es ständig heißt: Der und der Spieler kann gehen, trotz gültigen Vertrags. Dann braucht man sich nicht wundern. Oder wenn ich höre, dass Spieler, die man nicht mehr will, auf dem Nebenplatz trainieren müssen, wie in Schalke, oder vor der Saison ihr Trikot weggenommen kriegen, wie der Huntelaar einst bei Real Madrid.

SZ: Jetzt sind Sie Anwalt der Spieler.

Hoeneß: Das war ich immer. Nur wenn ich als Verein Verträge respektiere, kann ich doch erwarten, dass sich der Spieler vertragskonform verhält - nicht aber, wenn ich ihn wie Dreck behandle. Aber gegen Leute wie Ba muss man brutal hart vorgehen, das ist der bisher perfideste Fall. Auch van Nistelrooys Verhalten beim HSV finde ich schlimm: Der stellt sich hin und sagt: Es ist Real, ich will dorthin! Real hat so viele Schulden wie kaum ein anderer Klub - bitte schön, wo ist da der Mythos? Als sie van Nistelrooy damals nach Hamburg gehen ließen, hat ihn Real nicht wie einen Gentleman behandelt. Und jetzt will er zurück! In solchen Fällen müsste man mal sagen: ,Was verdient ein Ba oder ein Nistelrooy? Das legen wir als Bundesliga zusammen, alle boykottieren diese Spieler - und ab mit ihnen auf die Tribüne!' Arbeitsrechtlich ist das kein Problem, es müsste eine Solidaritätsaktion der Liga sein. Es wäre wunderbar, wenn solche Spieler keinen Job mehr kriegen würden.

SZ: Der HSV ist auf van Nistelrooys Tore angewiesen. Oder auf eine Ablöse.

Hoeneß: Was glauben Sie, was der Spieler am 1.Februar macht, wenn er nicht weg darf? Der rennt, wie vorher! Du musst es nur bis zum 31. Januar aushalten.

SZ: Sie würden also auch Hoffenheim raten, auf die Millionen für Ba zu verzichten und ihn - statt zu verkaufen - auf der Tribüne schmoren zu lassen?

Hoeneß: Selbstverständlich. Wenn die Spieler merken, dass ihre Strategie aufgeht, wird so was immer öfter passieren.

SZ: Meist sind es die Spielerberater, die solche Vorkommnisse steuern.

Hoeneß: Die sind am meisten schuld. Berater, die solche Dinge durchgehen lassen und wiederholt auffällig werden, die müsste man mal auf eine schöne Liste setzen. Und alle Klubs beschließen: Von denen kaufen wir keinen Spieler mehr.

SZ: Auch van Bommel hat einen neuen Berater, der offenbar in München sehr forsch auftrat. Öffentlich wird transportiert, es gebe Interesse von Wolfsburg, dem AC Mailand, Liverpool.

Hoeneß: Wir als Verantwortliche kennen die Wahrheit. Und die ist kein Managerspiel, wie so viele Leute glauben. Warten wir's einfach ab.

SZ: Gravierende Fehler macht der FC Bayern seit Monaten in der Defensive. Sie haben bisher immer - gegen die Mehrheitsmeinung - behauptet, es liege nicht an der Qualität der Abwehrspieler.

Hoeneß: So ist es. Ich höre immer: Mats Hummels! Wir wären mit Hummels, den ich als Mensch und Spieler sehr schätze, auch nicht ohne Sorgen. Das ist ein guter Spieler in Dortmund, der ja bei uns ausgebildet wurde. Aber er würde jetzt unsere Probleme nicht lösen.

SZ: Woran liegt es dann, dass die Bayern die Abwehr nicht dicht kriegen. Vielleicht auch an Louis van Gaals schöner Fußballidee: Immer munter offensiv - aber ohne ein klares Defensivkonzept?

Hoeneß: Es bringt nichts, ich werde zur sportlichen Analyse nichts sagen.

SZ: Ist denn Thomas Kraft, den Louis van Gaal in der Winterpause plötzlich für Jörg Butt ins Tor beorderte, besser als Manuel Neuer?

Hoeneß: Wer kann das jetzt beantworten? Van Gaal hatte immer eine gute Meinung von Kraft, aber auch für mich kam die Entscheidung sehr überraschend.

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