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FC Bayern:Schwieriges Verhältnis zu Frankreich

Vanoukia schaffte es nie nach ganz oben, er spielte sechsmal für Guadeloupe, und aus der Ferne beobachtete er, wie sein Freund berühmt wurde. "Wenn wir uns gesehen haben, war ich immer erst schüchtern. Ich wusste nie, ob ich noch frech sein durfte. Aber Franck hat immer gesagt: ,Frérot, was ist los? Ich bin es!' Er hat sich mir gegenüber nie verändert." Besonders hoch rechnete Vanoukia es seinem Freund an, dass ihm dieser 2012, als er die Probleme am Herzen hatte, ohne große Geste half. "Alles, was ich seitdem habe, habe ich dank Franck." Ribéry sagt: "Egal, wer du bist, du bist nichts, wenn du nicht für deine Freunde und deine Familie da bist."

Dass sich Ribéry nicht verändert hat, sehen nicht alle so positiv wie Vanoukia. Manche Wegbegleiter reden nur, wenn sie nicht zitiert werden. Sie berichten von einem Ribéry, der stur ist, kindisch, eingeschnappt, wenn ihn jemand nicht so behandelt, wie er behandelt werden will. Nach der WM 2010, bei der er einer der Anführer in der Revolution gegen Nationaltrainer Raymond Domenech war, brach er auch zu engen Bekannten den Kontakt ab, allein aus dem Grund, dass sie Franzosen waren. Die Franzosen mochten ihn nicht mehr, also mochte Ribéry in seinem Leben nur noch wenige Franzosen.

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Bilder aus Ribérys Karriere

Als er dagegen 2007 nach Deutschland gekommen war, war er überrascht, wie freundlich alle waren. Die Franzosen sahen in ihm den Nachfolger von Zinédine Zidane, dennoch machten sie Witze über seine Aussprache, über seine Grammatik.

In München finden sie gerade die kleinen Fehler drollig, zum Beispiel, wie Ribéry nach dem verlorenen Champions-League-Finale 2010 auf dem Rathausbalkon den Fans zurief: "Isch abe gemacht funf Jahre mehr." In München flog ihm zum ersten Mal die Anerkennung zu. Zum ersten Mal spürte er, dass das Leben nicht immer ein Kampf sein muss.

Ribérys erster Trainer in Deutschland war Ottmar Hitzfeld, einer, der ähnlich wie der aktuelle Bayern-Coach Carlo Ancelotti taktisch nicht so viel vorgibt, der stattdessen darauf achtet, dass alle eines spüren: Anerkennung. In der ersten Woche damals bat Hitzfeld Ribéry zum Gespräch, sie redeten über alles, nur über Fußball nicht. "Er war ziemlich überrascht, dass ich ihn als Menschen kennenlernen wollte", erinnert sich Hitzfeld, "ich habe bald gemerkt, dass Franck Nestwärme braucht, dass er besser spielt, wenn er sich wohlfühlt."

Wie er es aus dem Ghetto bis nach Grünwald geschafft hat? "Ich war stark im Kopf!"

Ein Jahr lang hat Hitzfeld mit Ribéry zusammengearbeitet, in 46 Partien erzielte er 19 Tore, 20 weitere bereitete er vor; unter keinem anderen Trainer war er effektiver. "Es gibt Spieler, die wollen auf der menschlichen Seite angesprochen werden. Sie wollen nicht nur eine Figur sein, die vom Trainer auf dem Schachbrett herumgeschoben wird", sagt Hitzfeld. "Wenn das auf einen Spieler besonders zutrifft, dann ist das für mich Franck. Wer seine Geschichte kennt, weiß, dass er sich seine Freiheit erkämpft hat. Wenn man ihm diese Freiheit lässt, ist er zu ungeahnten Dingen fähig. Er gibt dann alles für dich, alles für die Mannschaft. Und das nur, weil du ihn respektierst."

Kämpfe, die Ribéry als Profi führte, führte er meist mit Trainern, die ihn nicht so anerkannten, wie er sich selbst sieht. Mit Louis van Gaal, der so viel Achtung vor sich selbst hat, dass für die Spieler nicht viel übrig bleibt. Mit Domenech, dem Intellektuellenkopf, mit dem Ribéry keine gemeinsame Sprache fand; er fühlte sich als Junge der Straße nicht ernst genommen. Und mit Pep Guardiola, der das Spielfeld als ein Schachbrett sieht, der Ribéry als Zehner aufstellen wollte.

Das Einzige, was Ribéry von dieser Idee verstand, war, dass er weniger Freiheit haben sollte.