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Rassismusvorwürfe:Der FC Bayern kündigt Konsequenzen an

Fussball FC Bayern Muenchen Campus 02.08.2017 Aussenansicht, Eingangsschild FC Campus Muenchen PUBLICATIONxNOTxINxAUTxS

Heimat der Talente des FC Bayern: Der "Campus".

(Foto: Imago/Ulmer)

Der Klub will den Rassismus-Eklat in seiner Nachwuchsakademie aufklären, die Polizei ermittelt. Mehrere Seiten bestätigen derweil die Echtheit der belastenden Chat-Protokolle.

Von Sebastian Fischer und Christoph Leischwitz

Die Bestätigung, dass der FC Bayern ein großes Problem hat, kam am Donnerstagmorgen von der Staatsanwaltschaft München I: Die Staatschutz-Abteilung der Münchner Polizei habe Ermittlungen gegen einen Mitarbeiter des Klubs eingeleitet, "unmittelbar" und aufgrund der Berichterstattung. Am Dienstag hatte das WDR-Magazin "Sport Inside" Rassismusvorwürfe gegen einen langjährigen Mitarbeiter im Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) des Rekordmeisters publik gemacht. Es geht unter anderem um Chats, in denen der Trainer rassistische Beschimpfungen benutzt haben soll, auch im Zusammenhang mit der Sichtung von Nachwuchsspielern.

Der FC Bayern hatte bereits am Dienstag erklärt, die Vorgänge zu untersuchen. Am Donnerstagmittag meldete sich erstmals Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in der Sache zu Wort. "Es wird auch zeitnah da Konsequenzen geben. Unsere internen Untersuchungen sind ziemlich schnell beendet", sagte er bei Sky. "Diese Geschichte passt natürlich überhaupt nicht zu den Werten, die der FC Bayern vertritt." Und: "Man darf nicht vergessen: Wir sind ein Klub, der sich immer gegen Rassismus eingesetzt hat."

Wann der Klub Konsequenzen verkündet und um welche es sich handelt, sagte er allerdings nicht, dazu wollte sich auch NLZ-Leiter Jochen Sauer auf SZ-Anfrage nicht äußern. Von verschiedenen Seiten war zu hören, dass die Bekanntmachung der Konsequenzen noch einige Tage auf sich warten lassen könne - wohl auch deshalb, weil man die Vorwürfe vollumfänglich prüfen wolle. Auch andere Mitglieder der damaligen Chatgruppe werden noch befragt. Es habe sich, heißt es, um eine rund 20 Mitglieder große, in ihrer Zusammensetzung wechselnde Whatsapp-Gruppe gehandelt, in der sich Trainer und andere Mitarbeiter organisierten. Die Protokolle mit massiv rassistischen Beschimpfungen waren auch auf einem inzwischen gesperrten, im Juli von Unbekannten gegründeten Twitter-Account veröffentlicht worden. Der Mitarbeiter stellte deshalb Strafanzeige gegen Unbekannt, den Eingang der Anzeige bestätigte die Staatsanwaltschaft. Die Echtheit der Chatprotokolle wurde der SZ von mehreren Seiten bestätigt.

Dass der FC Bayern intern versucht, den Vorfall aufzuarbeiten, belegt auch ein Schreiben von Sauer und dem sportlichen NLZ-Leiter Holger Seitz, das in dieser Woche mit der Bitte um Hilfe bei der Aufklärung an Eltern verschickt wurde und der SZ vorliegt. Darin heißt es, der Verein verurteile "jegliche Art von Diskriminierung und Rassismus" und habe "deshalb sofort eine Untersuchung angestoßen". Die Eltern werden aufgefordert, sich dazu "bitte jederzeit sehr gerne" mit der Campus-Leitung in Verbindung zu setzen.

Warum hat der Verein nicht schon längst durchgegriffen?

Offen bleibt mindestens die Frage, warum der Verein nicht schon längst konsequenter durchgegriffen hat. Falls die Vorwürfe zutreffen, fielen die Äußerungen bereits im Jahr 2018. Und gegen denselben Trainer wurde in anonymen Briefen bereits 2018 und 2019 Kritik laut: Dort wurde ein homophober und rassistischer Ton gegenüber Spielern beklagt. Damals war man, ist im NLZ-Umfeld zu hören, offenbar davon ausgegangen, dass die anscheinend gemeinhin bekannte Art und Weise, mit der besagter Trainer mit Spielern und Kollegen umgehe, geschmacklos und nicht mehr zeitgemäß sei; dass es sich aber um einen politisch motivierten Rassisten handele, wird verneint.

Nach den ersten Vorwürfen, so ist zu hören, habe der FC Bayern die Eltern der damaligen Mannschaft befragt, ob man sich vom aktuellen Trainer gegängelt oder diskriminiert fühle. Alle hätten dies verneint. Aber, merkten schon damals einige an: Haben sich alle getraut, die Wahrheit zu sagen?

© SZ vom 14.08.2020/schm
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