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Fußball:Jugendtrainer des FC Bayern unter Rassismusverdacht

FC Bayern Campus

Schatten über dem Campus: Der FC Bayern untersucht zum zweiten Mal Rassismusvorwürfe gegen einen Trainer seiner Jugendabteilung.

(Foto: Andreas Gebert/dpa)

Ein Trainer des Nachwuchsleistungszentrums soll sich in Chats mehrfach rassistisch geäußert haben - es sind nicht die ersten Vorwürfe gegen den Coach. Den Klub treffen die Vorgänge an einer empfindlichen Stelle.

Von Thomas Hummel

Dem Nachwuchsleistungszentrum des FC Bayern München droht ein Rassismus-Skandal. Ein Jugendtrainer soll sich in internen Messenger-Chats abwertend und mit Schimpfwörtern gegenüber Spielern mit Migrationshintergrund geäußert haben. Falls die Vorwürfe zutreffen, fielen die Äußerungen bereits im Jahr 2018.

Gegen denselben Trainer wurde in anonymen Briefen bereits 2018 und 2019 Kritik laut: Dort wurde ein homophober und rassistischer Ton gegenüber Spielern beklagt. Zuerst hatte am Dienstag das WDR-Magazin Sport Inside über die Vorfälle berichtet. Der Klub erklärte am Dienstag, dass er die neuen Vorgänge untersuche.

Unbekannte hatten im vergangenen Juli einen Account mit dem Namen des Bayern-Jugendtrainers auf der Social-Media-Plattform Twitter gegründet. Dort veröffentlichten sie dann Fotos der mutmaßlichen Chatverläufe. Es fallen darin Beschimpfungen wie "drecks Tunesier", "drecks Türke", "Kanake", "Kameltreiber" sowie das N-Wort für Schwarze. Einmal stellte der Trainer demnach das Foto eines Lastwagens mit der Aufschrift "Bimbo" in den Chat und schrieb darunter: "Transport. Hier werden die Neger von A nach B transportiert." Mitglieder in der Chatgruppe waren offenbar Jugendspieler und weitere Betreuer oder Scouts, die darauf teilweise mit lachenden Emojis reagierten.

Als der WDR die Münchner vor Kurzem mit den Fotos konfrontierte, erklärte der Verein: "Die Inhalte, die sie uns zur Kenntnis gebracht haben, sind Gegenstand einer internen Untersuchung. Wir werden mit unseren zuständigen Stellen Echtheit und Sachverhalt aufklären und anschließend bewerten." Nach einer Intervention des FC Bayern löschte Twitter am Dienstag den Account, der offenkundig nicht von dem Jugendtrainer aufgesetzt worden war.

Der betroffene Trainer steht offenbar auch wegen seiner Trainingsmethoden in der Kritik

Es ist bereits die zweite Untersuchung gegen ihn - nach den Vorwürfen in den anonymen Beschwerdebriefen. Dem WDR liegen nach eigener Aussage vier solcher Briefe vor, der FC Bayern bestätigt den Eingang von drei Briefen. Wer die Absender sind, sei bis jetzt nicht geklärt, der Klub geht davon aus, dass alle von einer Person verfasst sind. Die Mehrzahl der Briefe war laut WDR an die Leiter des FC Bayern Campus, Jochen Sauer und Hermann Gerland, adressiert, ebenso an Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, den damaligen Klub-Präsidenten Uli Hoeneß und Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Ein Brief ging Holger Seitz zu, ebenfalls Teil der Campus-Führung. Darin wird der abwertende Ton des Jugendtrainers gegenüber den Kindern und Jugendlichen kritisiert, zudem seine harschen Übungseinheiten. Nach Angaben des WDR sei die Rede von sadistischen Straftrainings, die teilweise gesundheitsgefährdenden Charakter hätten. Einmal sei ein Jugendspieler dabei kollabiert.

Der Sender erklärt auch, er habe mit mehreren ehemaligen und aktuellen Trainern gesprochen sowie mit betroffenen Eltern, die viele der Vorwürfe in den Briefen bestätigt hätten. Nach SZ-Informationen schüttelten Eltern und Kollegen bisweilen den Kopf wegen des harten Trainings.

Der Jugendtrainer soll laut der Briefe zudem über enge Kontakte zu einem Spielerberater verfügen, Eltern fühlten sich offenbar genötigt, ihre Kinder von diesem beraten zu lassen. Dem Vernehmen nach soll es sich um einen Berater handeln, der auch einen Profi des Klubs betreut. Diese Verbindungen kursieren seit Jahren im Jugendbereich der Topklubs; immer wieder sollen Trainer bestimmten Beratern die Türen öffnen und Kontakte anbieten, damit diese Zugang zu den Talenten erhalten. Das hilft den Beratern zum einen im Kampf um die Gunst der Spieler. Zum anderen profitieren sie davon, wenn möglichst viele Beraterverträge unterschrieben werden: Denn nur wenige Talente schaffen es am Ende in den lukrativen Profibereich. Meistens lässt sich als Berater erst dort mit den jungen Profis Geld verdienen.

Jugendspieler bewerten ihre Trainer regelmäßig anonym

Der FC Bayern nimmt rund um die Vorhalte in den anonymen Briefen für sich in Anspruch, schnell und umfangreich reagiert zu haben. Sowohl die von dem Trainer betreuten Kinder als auch die Eltern seien dazu befragt worden, heißt es in einer Replik an den WDR. Dabei hätten sich die Vorwürfe nicht bestätigt. Auch werden die Jugendspieler des Klubs über einen Sportpsychologen regelmäßig gebeten, ihre Trainer anonym zu bewerten. Hier habe der Beschuldigte überdurchschnittlich gut abgeschnitten. Insofern glaubte der Verein im Rahmen dieser Vorhalte eher an "eine Art Privat-Fehde".

Der aktuellere Rassismus-Verdacht trifft den Klub an einer empfindlichen Stelle. Die Fans des FC Bayern positionierten sich in der Vergangenheit immer wieder öffentlich gegen Diskriminierung und Rassismus, auch im Andenken an den langjährigen jüdischen Klubpräsidenten Kurt Landauer, der während der Nazi-Zeit im Konzentrationslager Dachau interniert war. Erst im März startete der Verein die Aktion "Rot gegen Rassismus", Präsident Herbert Hainer erklärte damals, man wolle "Haltung gegen Hass, Hetze und jede Art von Gewalt zeigen. Rassismus ist mit die schlimmste Form der Diskriminierung und hat in unserer Welt keinen Platz."

Sollten sich die aktuellen Anschuldigungen gegen den Jugendtrainer bewahrheiten, dürfte seine Zeit beim FC Bayern beendet sein.

© SZ vom 12.08.2020/schm
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