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FC Bayern München:Experiment der Ratlosen

Lange Zeit mussten sich die Münchner Bosse im Umgang mit Trainer van Gaal wenig vorwerfen lassen. Doch nun wollen sie mit einer "lame duck" noch hohe Ziele erreichen. Das ist neu.

Bis zum Wochenende musste sich der FC Bayern wenig vorwerfen lassen. Eingedenk der Tatsache, dass Uli Hoeneß, der Präsident, und Louis van Gaal, der Trainer, trotz manches gemeinsam genossenen Glases Rotwein niemals warm miteinander wurden, ging der Klub vergleichsweise loyal mit seinem ersten Angestellten um.

Hannover 96 - FC Bayern Muenchen

Scheinbar ohne Plan: Präsident Uli Hoeneß und Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge bei der Bayern-Niederlage in Hannover.

(Foto: dapd)

Da gab es früher weit wildere Trainer-Debatten im Verein, ausdrücklich erinnert sei an die Zeit des "FC Hollywood". Hoeneß meldete sich im Winter zweimal von seinem Berg am Tegernsee, einmal schalt er den Trainer als "beratungsresistent", was der Wahrheit entspricht; dann teilte er mit, er würde nervös, falls das Champions-League-Startrecht 2011/12 gefährdet sei, was weniger als Drohung, denn als Selbstverständlichkeit begriffen werden durfte. Zudem stärkten Karl-Heinz Rummenigge (Vorstand) und Christian Nerlinger (Manager) den Trainer mit ständigen Solidaritätsadressen.

Bis zum Samstag, bis zum Abpfiff des 1:3 in Hannover, war die Moderation der Personalie nachvollziehbar. Dann aber wurde deutlich, dass die Münchner nicht auf den Krisenfall vorbereitet waren. Dabei hätten sie nach dem 1:3 gegen Dortmund, spätestens nach dem 0:1 gegen Schalke anfangen müssen, den sich abzeichnenden Was-wäre-wenn-Fall klar durchzuspielen.

Stattdessen verließen Rummenigge ("der Tiefpunkt!") und Hoeneß ("Man muss handeln, nicht reden!") mit donnernden Worten das Stadion, verkündeten anderthalb Tage später aber ein Kuriosum: Weiter so!, nur bitte befristet, bis zur Vertragsauflösung am Saisonende.

Gerade jetzt, da die Bayern einen starken Trainer brauchen, haben sie einen angeknockten weiter geschwächt. Bei dieser Lösung aber wäre es ratsam gewesen, die Debatte im Ansatz, gleich am Samstag, zu kontrollieren.

Stattdessen wählten sie Bedenkzeit, was davon zeugt, dass Hoeneß und Rummenigge auf das 1:3 nicht vorbereitet waren und wohl generell nicht so viel miteinander besprechen, wie es nach außen erscheinen mag. Fürs Operative aber sind Rummenigge/Nerlinger zuständig - deren Krisenmanagement sich darin erschöpft, den Coach in den Lame-duck-Status überführt zu haben.

Als die Bayern im April 2009 nach dem "Experiment Klinsmann", wie sie es nannten, die Nachfolge regelten, sollte jeder der Oberen (Hoeneß, Rummenigge, Hopfner, Beckenbauer, Nerlinger) einen deutschen und einen ausländischen Wunschtrainer aufschreiben. Auf allen Zetteln stand damals der Name van Gaal.

Als die Bayern am Sonntagabend im Hause Rummenigge einen Kandidaten suchten, der van Gaal sofort beerben könne, blieben alle Zettel leer. So starten sie nun wieder ein Experiment, das Experiment van Gaal. Denn dass ein Klub mit einem Trainer, der schon ausgemustert ist, die Saison ausklingen lässt, kommt vor. Dass man mit einem Trainer, der ausgemustert und entmachtet ist, noch sehr hohe Ziele anstrebt, das ist neu.

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