FC Bayern:Der Katakomben-Meister

FC Bayern Muenchen v Borussia Moenchengladbach - Bundesliga

Die Achse des Südens: Robert Lewandowski, Thomas Müller und Manuel Neuer feiern den neunten Meistertitel in Serie.

(Foto: Alexander Hassenstein/Getty)

Der neunte Titel in Serie steht für den FC Bayern schon vor dem 6:0 gegen Gladbach fest. Das Spiel ist eine Demonstration der Klasse der Mannschaft - und Robert Lewandowski steht jetzt bei 39 Saisontoren.

Von Sebastian Fischer

Im Mannschaftsbus des FC Bayern war die Stimmung in dieser Saison nicht immer fröhlich. Es war sogar eine Busreise, die zwischenzeitlich die aufgeladene Atmosphäre verdeutlichte, die den deutschen Rekordmeister in den vergangenen Wochen und Monaten mehr beschäftigte als Siege und Niederlagen auf dem Fußballplatz. "Jetzt halt endlich mal dein Maul!" Das soll Trainer Hansi Flick im Streit mit Sportvorstand Hasan Salihamidzic im Frühjahr im Bus gesagt haben, damals deutete sich schon der Abschied Flicks im Sommer an, der inzwischen feststeht.

An diesem Samstag allerdings, auf dem Weg zum Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach, brauchte es nicht viel Fantasie, um sich alles etwas netter vorzustellen. RB Leipzig, der letzte verbliebene, schon vor dem drittletzten Spieltag auf sieben Punkte distanzierte Verfolger in der Meisterschaft, tat sich schwer in Dortmund, das bekamen die Münchner wohl im Bus schon mit, in dem sie anreisten. Die Schlussphase der Partie, die der BVB schließlich mit 3:2 gewann, verfolgten die Spieler bei der Platzbegehung in der Arena auf dem Handy.

Sie sahen wohl spätestens im Fernseher in den Katakomben, dass sie schon vor dem Anpfiff als Meister feststanden, zum neunten Mal in Serie und zum 31. Mal in der Vereinsgeschichte. Und dann bewiesen sie noch mal, warum das so ist.

"Wir wollten zeigen, wer der wahre deutsche Meister ist", sagte Manuel Neuer nach dem 6:0 (4:0) gegen Gladbach, das tatsächlich wirkte wie eine Demonstration. Es sei "schon ein Raunen durch die Kabine" gegangen, vor dem Spiel, sagte Thomas Müller. Jeder habe sich sehr gefreut, sagte auch Flick. Aber dann sei nur noch Gladbach im "Fokus" gewesen, es ist eines seiner Lieblingswörter. Mindestens für einen Spieler ging es ja auch noch um viel. "Da gibt's ja noch die Geschichte mit Lewy", sagte Müller, "da steht die Mannschaft voll dahinter."

Nur noch ein Tor fehlt Lewandowski zum Rekord

Als die Bayern nach dem Schlusspfiff die Meister-T-Shirts mit der Nummer "9" überzogen, die Meister-Kappen aufsetzten und im leeren Stadion "Campeones" sangen, als sie schon zum zweiten Mal eine Meisterschaft ohne Fans feierten, da wirkte einer besonders zufrieden mit diesem Nachmittag: Stürmer Robert Lewandowski, 32, der Weltfußballer, der gegen Gladbach dreimal traf, und dem nun nur noch ein Tor bis zu seinem 40. Saisontreffer fehlt, um den Rekord von Gerd Müller aus dem Jahr 1972 einzustellen.

Etwas mehr als 100 Sekunden waren gespielt, da tauchte er schon frei im Gladbacher Strafraum auf, wobei das ja eine fast schon zu harmlose Floskel ist für den besten Stürmer der Welt: auftauchen. Er hat es schließlich perfektioniert, sich so zu bewegen, dass seine Gegenspieler ihm oft nur staunend hinterherschauen: Bei seinem Tor zum 1:0 in der zweiten Minute und noch mehr beim 3:0: Da traf er per Seitfallzieher in die kurze Ecke. Und dann traf er in der zweiten Halbzeit per Elfmeter auch noch zum 5:0.

FC Bayern Muenchen v Borussia Moenchengladbach - Bundesliga

Die Achse des Südens: Robert Lewandowski, Thomas Müller und Manuel Neuer feiern den neunten Meistertitel in Serie.

(Foto: Alexander Hassenstein/Getty)

Es war sein 39. Saisontor, und das, obwohl Lewandowski vier Spiele im April wegen einer Bänderdehnung verpasste. Einen besonderen Plan, den Stürmer in Szene zu setzen, gebe es nicht, das hatte Flick vor dem Spiel gesagt: "Wenn wir so spielen, wie wir uns das vorgenommen haben, dann ist Robert Nutznießer davon." Und Lewandowski jubelte zwar mit dem Ausdruck großer Genugtuung über seine eigenen Tore. Aber zwischendurch bereitete er auch das 4:0 durch Kingsley Coman vor, anstatt selbst am Strafraumrand den Abschluss zu suchen. "Wenn du zu viel willst, hilft das auch nicht", sagte er.

Fünf Mal hat er in dieser Saison drei Tore in einem Spiel geschossen. Sechsmal gelang das Gerd Müller 1971/72, der damals schon nach 32 Spielen 40 Mal getroffen hatte. Was "Bomber" auf Polnisch heiße, das wurde Lewandowski im Sky-Interview nach dem Spiel gefragt. Ach, antwortete er und lachte, man könne auch einfach Bomber sagen, "das passt".

Gladbachs Trainer schreit vor Wut über seine naive Elf

Der Gegner am Samstag, den Lewandowski und seine Kollegen so chancenlos aussehen ließen, hat in dieser Saison immerhin in der Champions League mitgespielt, das zur Erinnerung und Einordnung. In München wirkten die Gladbacher allerdings fast schon mitleiderregend überfordert, verteidigten ohne Überzeugung, sahen den FC Bayern gerade über die Flügel pausenlos auf sich zulaufen, kommentiert und angetrieben von Müller in der Mitte, wie immer. Marco Rose, Gladbachs Trainer, schrie nach zwanzig Minuten vor Wut über die Leistung seiner Spieler. Kurz danach traf Müller zum 2:0.

Die Dominanz des Meisters nahm erst eine Viertelstunde vor Schluss ein wenig ab, als der eingewechselte Verteidiger Tanguy Nianzou wegen einer Notbremse vom Platz flog, worüber sich Flick und Salihamidzic echauffierten, als ginge es noch um alles. "Ihr seid deutscher Meister und führt 5:0", rief Manager Max Eberl von der Gladbacher Bank herüber, "meine Güte". Ein paar Minuten später traf Sané zum 6:0.

Es war ein Spiel, das noch mal exemplarisch den Abstand zwischen dem FC Bayern und dem Rest der Liga zeigte. Die Münchner mögen viel mit sich selbst beschäftigt gewesen sein, mit dem Streit auf Führungsebene, mit dem strapaziösen Spielplan. Sie schieden in der zweiten Runde im DFB-Pokal gegen Kiel aus und scheiterten an Paris Saint-Germain im Champions-League-Viertelfinale. Sie kassierten in der Liga außergewöhnlich viele Gegentore, 40 Stand jetzt. Doch sie haben nun mal eine so dominante Offensive, dass diese mit Bundesliga-Mitteln nicht zu verteidigen ist. Eine Offensive, die demnächst der neue Trainer Julian Nagelsmann organisiert, aber die in ihrer Ausrichtung maßgeblich auf den Plan von Flick zurückgeht, der nun in 18 Monaten sieben Titel gewonnen hat.

Wie es mit ihm weitergeht? Ob er nun Bundestrainer wird, wie es alle erwarten? Darüber wollte Flick am Samstag logischerweise nicht sprechen. Er lobte noch mal alles und jeden, den Verein, seinen "Staff" natürlich, ja sogar das Miteinander beim FC Bayern. Er habe mit Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge angestoßen, erzählte er in der Pressekonferenz. Es habe Champagner gegeben.

© SZ/mp/ebc
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