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FC Bayern in der Einzelkritik:Lewandowski spielt die Party-Songs

Der Stürmer trifft dreifach - ihm fehlt nur noch ein Treffer zur Bestmarke von Gerd Müller. Thomas Müller lässt sich mitreißen. Die Bayern in der Einzelkritik.

Von Saskia Aleythe

Manuel Neuer

FC Bayern Muenchen v Borussia Moenchengladbach - Bundesliga
(Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images)

Was passt besser zu einem Pandemie-Jahr als eine Sofa-Meisterschaft? Selbstverständlich musste auch Neuer für den Titel schwitzen in dieser Saison, aber den entscheidenden Ball brachte dann der BVB ins Ziel. Hätte es sich gegen Gladbach auch auf einer Couch im Tor gemütlich machen können, tänzelte stattdessen ein bisschen auf und ab im Strafraum. Musste einmal bei einer Kopfball-Abwehr von Müller eingreifen, war selten ernsthaft in Gefahr. Wurde von einem ausgelassenen Hansi Flick im Anschluss herzlich umarmt.

Benjamin Pavard

Bayern München - Borussia Mönchengladbach
(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Wurde schon 2017 Meister - mit dem VfB Stuttgart in der zweiten Liga. Darf sich nun zum zweiten Mal als Münchner mit der Schale ablichten lassen, wollte gegen Gladbach gerne auch noch ein Törchen beitragen: War in der zweiten Halbzeit im Strafraum zur Stelle, doch da war auch viel Getümmel und Gewusel, blieb ohne Eintrag in die Statistiken. In seinem Hauptjob als Abwehrspieler für tauglich befunden.

Jérôme Boateng

FC Bayern Muenchen v Borussia Moenchengladbach - Bundesliga
(Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images)

Es passt zu seinem Fußballerleben, dass Boateng nun auch diese besondere Meisterschaft nochmal miterlebt: Boateng kennt die Sausen im Weißbier-durchtränkten T-Shirt, er hat Titel mit Kindern gefeiert und ohne, manchmal auch sehr zurückgezogen. Und nun halt eine Party ohne Party. Hätte in der ersten halben Stunde auf der Couch neben Neuer Platz nehmen können, hatte dann Lust auf einen langen Ball auf Coman - was wenig später zum 3:0 führte. Hatte seine Pflicht damit schon übererfüllt. Ging in der 71. Minute für Javi Martinez vom Platz. Tauchte nach dem Abpfiff mit Meister-Basecap und gelöstem Strahlen im Gesicht wieder auf.

Lucas Hérnandez

FC Bayern Muenchen v Borussia Moenchengladbach - Bundesliga
(Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images)

Klärte und blockte, was es zu klären und blocken gab - das war von Gladbacher Seite nicht allzu viel. Versuchte, mit Eigeninitiative bei Laune zu bleiben, lief einmal mit dem Ball fast bis zu Yann Sommer, hatte aber kurzerhand das Schießen vergessen. Passiert. Konnte sich später das Meister-T-Shirt überstreifen und ein paar Umarmungen austauschen - gemütliches Beisammensein, wie man so schön sagt.

Alphonso Davies

FC Bayern Muenchen v Borussia Moenchengladbach - Bundesliga
(Foto: Pool/Getty Images)

Führte im Zusammenspiel mit Kingsley Coman eine Kür auf, die man auch beim FC Bayern besonders gerne sieht: Manövrierte sich zu Beginn gewieft durch das Zentrum des Gegners. Verdiente sich Anerkennung. Dann sprang ihm der Ball vom Fuß ins Aus, was schon zu den wenigen missglückten Szenen der Münchner an diesem Tag gehörte. Stimmte später im Jubelkreis den "Campeones"-Gesang mit an, hüpfte hoch und zur Seite, bestand auch diese Übung.

Joshua Kimmich

Bayern München - Borussia Mönchengladbach
(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Wurde gut bewacht von den Gladbachern, was vermutlich damit zu tun hatte: Kimmich gehört zu diesem Team, das das Abi schon vor den Prüfungen bestanden hatte. Spielte mal einen ungenauen Pass - die große Aufmerksamkeit für solche Szenen ist das Schicksal der Klassenbesten. In der zweiten Halbzeit mit mehr Wucht nach vorne, da hatte Gladbach schon aufgeben.

David Alaba

Bayern München - Borussia Mönchengladbach
(Foto: Matthias Schrader/dpa)

Feierte mit dem FC Bayern seine insgesamt zehnte Meisterschaft und damit ein persönliches Jubiläum. Durfte sich im Mittelfeld austoben, was sogleich Robert Lewandowski zu Gute kam: Alaba flankte von links in den Strafraum, über halb Gladbach hinweg, die Vorlage zum 1:0. War anschließend umtriebig unterwegs und bei einem Gladbacher Konter auf einmal hinten rechts - kein Weg war dem Österreicher an diesem Tag zu weit. Hat mit den Bayern ja auch schon sehr viel holprigere Strecken zurückgelegt. Genügend, um nach einer Stunde auf der Bank Platz zu nehmen, für ihn kam Leon Goretzka.

Jamal Musiala

Bundesliga - Bayern Munich v Borussia Moenchengladbach
(Foto: Matthias Schrader/Pool via REUTERS)

Spielte Müller im Strafraum freundlich den Ball dazu, damit dieser zum Tor einschieben konnte. Wichtig für die Stellung in der Mannschaft, man weiß ja nie, wann doch noch eine Weißbierdusche um die Ecke kommt. Wurde noch herzlich dafür geknufft, leistete sich keine größeren Schludrigkeiten. Machte nach 60 Minuten Platz für Serge Gnabry. Feierte nach 90 Minuten seine erste Meisterschaft im Kreise der Großen - mit 18 Jahren.

Thomas Müller

(Foto: Matthias Schrader/AFP)

Erlebt einen ungewöhnlich entspannten Frühling: Das Ausscheiden in Pokal und Champions League beschert den müden Knochen ein bisschen Erholung. War davon so verwirrt, dass er den Ball nach 20 Minuten zu einem unsichtbaren Mitspieler passte. Konnte den Ärger schnell vergessen und netzte unbewacht im Strafraum der Gladbacher zum 2:0 ein. Legte Lewandowski mit einer Bogenlampe das 3:0 auf, flog in der zweiten Halbzeit quer durch die Luft Richtung Tor - hatte sich offensichtlich von Lewandowskis Leidenschaft mitreißen lassen. Das war Party auf dem Platz, da vermisste keiner mehr Lametta.

Kingsley Coman

Bundesliga - Bayern Munich v Borussia Moenchengladbach
(Foto: Christof Stache/Reuters)

Ist einst als Ribéry-Ersatz nach München gekommen, noch größer als die fußballerischen Stiefel waren die des Feierbiests Ribéry. Coman hatte Glück, dass das diesjährige Meisterspiel nicht in die Party-Wertung eingehen konnte, er hätte enorm unter Druck gestanden. Spielte sich auf dem einstigen Robben-Flügel in einen Rausch, der auch seinen Vorgängern gefallen hätte, verwandelte nach einem Lewandowski-Zuspiel selber zum 4:0. Und hatte sich das vollkommen verdient. Bekam nach einer Stunde Feierabend verordnet, Leroy Sané übernahm.

Robert Lewandowski

FC Bayern Muenchen v Borussia Moenchengladbach - Bundesliga
(Foto: Pool/Getty Images)

Rieb sich die Hände. Schnaufte noch einmal durch. Dann der Anpfiff, startete voller Entschlossenheit in die Partie: mit einem Tor. Er hatte ja einen Plan gefasst (Stichwort Gerd-Müller-Rekord). Für den Polen war die Meisterschaft schon eingetütet, also auf zu neuen Zielen - mit denen wächst es sich bekanntlich am besten. Versuchte es anschließend volley - ja, er wollte es auch noch schön machen (Stichwort: Ziele setzen). Je schwieriger, desto besser für Lewandowski, also: 3:0. Was sollte da noch folgen? Ein Treffer aus dem Handstand? Per Flick-Flack zu seinem dritten Tor? Es war ein schnörkelloser Elfmeter. Ist nur noch einen Treffer von Gerd Müllers 40 Toren entfernt.

Einwechselspieler

(Foto: Matthias Schrader/AFP)

Serge Gnabry, Leon Goretzka und Leroy Sané kamen nach 60 Minuten in die Partie, für Goretzka war schon wenig später wieder Schluss: Musste in der 70. Minute offenbar angeschlagen ausgewechselt werden. Für ihn kam Tanguy Nianzou auf den Rasen, doch auch er hatte wenig von der Partie: Sah in der 75. Minute für ein Foul an Embolo glatt Rot. Javi Martinez spielte sich noch für Boateng warm, das größte Glück als Einwechselspieler erlebte Leroy Sané: Verwandelte in der 85. Minute nach Pass von Gnabry zum 6:0.

© SZ/ebc
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