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Einzelkritik:"4ever Gerd" - Lewandowskis Gruß an Gerd Müller

Robert Lewandowski erzielt sein 40. Saisontor, ehrt die Vereinslegende und seine Mitspieler stehen Spalier zur Einstellung der Bestmarke. Nur das 41. Tor lässt er liegen.

Von Jonas Beckenkamp

Alexander Nübel

SC Freiburg - Bayern München
(Foto: Tom Weller/dpa)

Ging in sein erstes (und eventuell letztes) Bundesligaspiel beim FC Bayern mit einer Hypothek: Befand sich als Torwart verdammt weit weg von Robert Lewandowski, dem es ja rekordbedingt zuzuarbeiten galt. Kassierte sein erstes Liga-Gegentor nach einer Ecke, aber das war egal. Es war ja sehr vieles egal in diesem Spiel - außer eben Lewandowski und seine heilige "40". Hielt einmal bravourös gegen Haberer und kassierte noch ein egales Tor zum 2:2.

Niklas Süle

Bundesliga - Bayern Munich v FC Cologne
(Foto: Andreas Gebert/Reuters)

War in Geberlaune, hinten wie vorne. Als Rechtsverteidiger schon etwas näher dran an Lewandowski, auf "Tuchfühlung", wie Fachleute sagen. Körperlich ist er ja zumindest ein halber Lewandowski, da besteht natürlich Verbundenheit. Verpasste dem Polen zum 40. als einer der ersten einen Klapps. Beim 1:1 dann mit ebenso netter Geste für Freiburgs Torschützen Gulde, für den er gleichermaßen Spalier stand. Hatte trotzdem viel gute Laune, ist ja auch was wert.

Jerome Boateng

Bundesliga - SC Freiburg v Bayern Munich
(Foto: Thomas Kienzle/Pool via Reuters)

Wird in diesem Leben kein Lewandowski mehr (313 Bundesligaspiele, 5 Tore), beherrscht aber weite Bälle, in die gut gepanzerte Stürmer sich hineinwerfen können. Und der bestgepanzerte Stürmer des Erdballs heißt bekanntlich Lewandowski. Versuchte es lang und kurz, doch die Show gehörte diesmal anderen. Ist bestimmt immer ansprechbar, wenn der Raketenmann Lewandowski mal nicht mehr back-to-earth kommt.

Lucas Hernandez

SC Freiburg - Bayern München
(Foto: Tom Weller/dpa)

Hat mal etwa 80 Millionen gekostet, also ungefähr einen halben Lewandowski. Gewann ein paar Laufduelle, ließ sich den Regen auf die Tattoos tropfen und verdingte sich ansonsten als angenehmer Partygast beim 40er des Kollegen.

Alphonso Davies

Sport-Club Freiburg v FC Bayern Muenchen - Bundesliga
(Foto: Matthias Hangst/Getty)

Hat keine 160 Millionen gekostet und auch keine 80. War vor seiner Umschulung zum Linksverteidiger mal Flügelstürmer, da wäre mehr Tuchfühlung zu Lewandowski drin gewesen. Aber wer solch einen Düsenantrieb hat, der ist eh immer vorne dabei. Hätte Lewandowski gerne per Turbosprint einen vorgelegt, aber die Freiburger setzten auf Geschwindigkeitsbegrenzung.

Joshua Kimmich

1. FSV Mainz 05 v FC Bayern Muenchen - Bundesliga
(Foto: Alexander Scheuber/Getty)

In Sachen Ehrgeiz sicherlich in einer Liga mit Lewandowski, und wenn man ihn bitten würde, 40 Tore pro Jahr zu schießen, würde er das wohl auch tun. Verteilte Bälle und Gratulationen, hielt sich ansonsten zurück. Bescheiden wie früher Gerd Müller.

David Alaba

Sport-Club Freiburg v FC Bayern Muenchen - Bundesliga
(Foto: Matthias Hangst/Getty)

Hat mit Lewandowski gemeinsam, dass er mit Abstand der beste Fußballer seines Landes ist. Verbrachte einen aktiven Nachmittag. Sein wohl vorletzter in einem Spiel mit den Bayern. Dann geht's dem Vernehmen nach nach Madrid. Könnte es eventuell noch schaffen, 40 Mal Österreichs Fußballer des Jahres zu werden (bisher sieben Mal).

Leroy Sane

(Foto: Thomas Kienzle/AFP)

Hatte auf Rechtsaußen genau eine Aufgabe: Alles, was Richtung Tor geht, immer hinein zu Lewandowski. Flitzte einmal alleine allen davon und stolperte dann fachgerecht, damit keine Missverständnisse aufkamen. Aber beim 2:1 konnte er sich dann nicht mehr wehren, das erzielte er nach Müllers Volleyquerpass gezwungenermaßen selbst. Ein Tor wie es sonst Lewandowski erzielt. Eine Hommage, schon okay also.

Thomas Müller

Sport-Club Freiburg v FC Bayern Muenchen - Bundesliga
(Foto: Matthias Hangst/Getty Images)

Radio Müller sendete diesmal nur auf einer Frequenz: Jeder Meter Raum, den er frei schuftete, sollte Lewandowski gehören. Und jede Chance auf einen Elfer sollte eine Chance für den Kollegen sein. So kam es, dass er sich von Freiburgs Kübler ein bisserl zupfen ließ. Eine Vorarbeit der etwas anderen Art zum 40. Lewandowski-Tor, sozusagen. Suchte Lewandowski bei jeder Aktion, fand dann aber plötzlich beim 2:1 Sané. Da war ihm einer durchgerutscht.

Serge Gnabry

(Foto: Thomas Kienzle/AFP)

Ist mit drei Toren gegen Schalke (8:0) in die Saison gestartet, damals dachte man noch, er packt am Ende die 40, aber gut. Jetzt ging es halt darum, Lewandowski die Hütten 40 bis 46 aufzulegen, daran beteiligte auch er sich brav. Schoss ein Abseitstor, beschäftigte die Freiburger und braucht nun am letzten Spieltag noch 31 Treffer, um auch auf die 40 zu kommen.

Robert Lewandowski

SC Freiburg - Bayern München

Spalier für 40 Tore: Robert Lewandowski wird von seinen Mitspielern beglückwünscht.

(Foto: Tom Weller/dpa)

Ging mit einer schon dezent historisch duftenden Ausbeute von 39 Saisontoren in dieses Spiel. Aber zufrieden ist er ja erst, wenn's nach Rekord schmeckt. Die alte Gerd-Müller-Marke aus der Saison 1971/72 war an diesem Tag verdammt noch mal fällig, nur deswegen fand dieses Spiel ja überhaupt statt! Und nachdem er seinen ersten Versuch noch mit der ganzen Last der Geschichte in den Schwarzwald senste, schenkte ihm das Schicksal einen von Müller (Thomas, nicht Gerd) erwirtschafteten Elfer.

1:0, Saisontor Nummer 40, Bestmarke eingestellt, natürlich hatte er das fest eingeplant, wie seine Hommage an den Bomber ("4ever Gerd") auf seinem Shirt zeigte. Genoss das Spalier der Kollegen beim Torjubel, aber er war ja nicht nur fürs Egalisieren des Rekords gekommen, sondern für mehr. Ärgerte sich entsprechend ausgiebig bei einer Doppelchance in der 77. Minute: Vergab den Rekord in einer sagenhaften Szene, die sich irgendwo zwischen Frank Mill und Jadon Sancho einreihen dürfte. "4ever Lewandowski"? Fortsetzung gegen Augsburg am letzten Spieltag.

Einwechselspieler

Sport-Club Freiburg v FC Bayern Muenchen - Bundesliga
(Foto: Matthias Hangst/Getty)

Corentin Tolisso kam herein und lauerte auf ein Fernschusstor, Bouna Sarr erlebte immerhin Nübels Jahrhundertparade gegen Haberer aus nächster Nähe und Marc Roca war immerhin late-to-the party bei Lewandowskis Sause. Kingsley Coman sogar noch later.

© SZ/schm/bkl/tbr
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