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FC Bayern in Katar:Wichtige Worte, die fehlen

Das "Education City Stadium", in dem der FC Bayern das Finale der Klub-WM gegen Tigres spielt.

(Foto: Karim Jaafar/AFP)

Der FC Bayern kann an diesem Donnerstag im Land seines Geschäftspartners Katar die Klub-WM gewinnen. Dass sich Fans eine kritischere Haltung zum Emirat erwarten, darf die Münchner nicht wundern.

Kommentar von Sebastian Fischer

Das Stadion, in dem der FC Bayern nun darum spielt, die beste Mannschaft der Welt zu sein, hat eine Geschichte, aber es ist bislang keine von großen Fußballspielen. Das Klub-WM-Finale ist eine der ersten wichtigeren Partien überhaupt im "Education City Stadium", das für die WM 2022 gebaut und erst 2020 eröffnet wurde.

Die Geschichte des Stadions ist also eine, an die man erinnern sollte, bevor dort bedeutende Tore geschossen oder Trophäen überreicht werden. Es ist zum Beispiel auch die Geschichte eines Arbeitsmigranten aus Nepal, der Gerüste am Stadion baute, bis er im Juni 2019 im Alter von 27 Jahren starb, in seiner Unterkunft, nach Angaben des verantwortlichen Komitees für WM-Baustellen an akutem Lungenversagen.

Auch mehr als ein Jahrzehnt nach der Vergabe der Fußball-WM nach Katar und im Jahr vor ihrer Ausrichtung im nächsten Winter wird dem Emirat noch immer der ausbeuterische Umgang mit den Arbeitern im Land vorgeworfen. Zwar gab es in den vergangenen Jahren signifikante Reformen und dafür auch vorsichtiges Lob von Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International.

Der Reformprozess, heißt es bislang aber auch stets, gehe schleppend und unvollständig voran, Verstöße würden nur unzureichend bestraft. Entsprechend ist der Fußball weiter in der Pflicht, sich zu positionieren - spätestens zur WM wird das unumgänglich sein. Und das Beispiel des FC Bayern zeigt, dass es dabei noch Nachholbedarf gibt.

Die Bayern pflegen seit Jahren lukrative Geschäftsbeziehungen nach Katar, fliegen ins Trainingslager nach Doha und tragen die Fluggesellschaft Qatar Airways auf dem Trikotärmel. Für die Art und Weise, wie sie das tun - kein öffentliches Ansprechen von Missständen - werden sie vor allem von ihren eigenen Fans kritisiert; vergangene Woche hing mal wieder ein Protest-Banner an der Allianz Arena. Im vergangenen Jahr forderten aber auch erstmals Münchner Stadtratspolitiker mehrerer Parteien den Klub zu einer Stellungnahme auf.

Just diese Woche veröffentlichte die Stadt die schriftliche Antwort des FC Bayern auf Fragen der Stadträte. Ein runder Tisch mit dem Generalsekretär von Katars WM-Organisationskomitee, an dem auch Fans und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) teilnehmen sollen, habe im August nur wegen der Pandemie nicht stattfinden können, ließ der FC Bayern mitteilen. Geplant ist das Gespräch weiterhin.

In der Antwort geht es aber auch um die Bitte der Politiker, der FC Bayern möge Katar auffordern, Todesfälle von Arbeitern unabhängig und detailliert untersuchen zu lassen, was bislang nicht ausreichend geschieht. Dazu sagt der FC Bayern unter anderem, der Sport könne nicht "NGO spielen". Der FC Liverpool sah das anders: Ungeklärte Todesfälle sollten untersucht werden, erklärte der Premier-League-Klub im Jahr 2019 vor der Klub-WM in Katar auf Nachfrage einer NGO. Auf dem Trikot des FC Liverpool wirbt allerdings auch nicht Qatar Airways.

© SZ/bek
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