FC Bayern ist Herbstmeister "Bei uns immer Elfmeter, weil wir sind klein“

Es ist ganz offensichtlich, dass es die Bayern gerade sehr eilig haben damit, manch Schmach der Vergangenheit zu tilgen. Fünfmal hatten die Münchner zuletzt ja in der Liga und im DFB-Pokal gegen die Dortmunder verloren, die überdies zweimal deutscher Meister und einmal Cupsieger wurden. Sportlich kam das einem nationalen Rollenwechsel gleich, für die stolzen Münchner mit dem sonst so unerschütterlichen Selbstverständnis blieb nur noch das Etikett wirtschaftlicher Branchenführer, was ihnen in den Momenten der Enttäuschung ungefähr so viel Trost spendete wie einem gehörnten Millionär der Blick aufs Bankkonto.

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FC Bayern in der Einzelkritik

Der Croupier und sein Honigkuchenpferd

Toni Kroos verteilt die Bälle der Bayern geschickt und trainiert schon das Ausschießen von Tannenbaumkerzen, Dante spielt fröhlich und fehlerfrei und Franck Ribéry duelliert sich mit einem Doppelgänger. Die Spieler des FC Bayern beim 2:0 gegen Freiburg in der Einzelkritik.

Noch einmal, das ist bisher die Botschaft dieser Saison, wollen sich die Bayern nicht belächeln lassen von der Konkurrenz. Dafür haben sie vor Saisonbeginn rund 70 Millionen Euro in die Mannschaft investiert, obendrein den hauptamtlichen Partyschreck Matthias Sammer als Sportvorstand verpflichtet und insgesamt offenbar keinerlei Interesse daran, durch verfrühte Jubelstimmung die eigenen Ziele zu gefährden. Auch das ist keine gute Nachricht für die Liga.

"Letztes Jahr waren wir in Katar im Trainingslager und wir haben eine Woche nur das Gesülze gehört, dass wir jetzt Herbstmeister sind mit drei Punkten Vorsprung und wie wir feiern im Mai", erinnerte beispielsweise Müller, auch, weil sich die elf Bayern gegen die zehn Freiburger in der zweiten Halbzeit nicht mehr so souverän angestellt hatten. Müller mahnte zur Vorsicht: "Man braucht aber immer noch eine Rückrunde". Und in diesem besonderen Fall der Leiden gegen den BVB aus Bayern-Sicht am besten auch: einen Erfolg am Sonnabend.

Heynckes drückte es so aus: "Rekorde und diese Dinge, das interessiert mich überhaupt nicht. Wir müssen weitermachen wie bisher. Am Ende der Saison kann man vielleicht sagen: Das war klasse, das war super, das war toll." Die inoffizielle Herbstmeisterschaft? "Bedeutet mir nicht allzu viel."

Wie es ist, wenn es die Bayern eilig haben, war im Freiburger Dauerregen gut zu beobachten. Und in ähnlicher Geschwindigkeit, wie sie sich zum Rekordherbstmeister gekrönt hatten, verließen sie das Stadion. Nur 30 Minuten nach dem Abpfiff um 22:18 Uhr setzte sich der Mannschaftbus in Bewegung. Einmal kurz freuen, dann abhaken und weitermachen, so ungefähr sah das aus.

Zurück blieb der SC Freiburg und sein besonders enttäuschter Trainer. Als er noch nicht neben Heynckes gesessen hatte, hatte er sich beim Bezahlfernsehsender Sky ganz fürchterlich aufgeregt, als es um den frühen Elfmeter nach dem Handspiel von Oliver Sorg und einen möglichen, aber nicht gegebenen Elfmeter nach einem Handspiel von Bayerns Javier Martínez ging. "Alle zwei Wochen werde ich zu den kniffligen Szenen gefragt. Und immer kann, kann, kann. Bei uns immer Elfmeter, weil wir sind klein", schimpfte Streich im Stakkato. Er schnappte nach Luft und übertrieb ein bisschen: "Ich muss mir alle zwei Wochen das Zeugs anschauen, da geht es immer in die Richtung. (...) Wollen wir doch mal schauen, ob wir in die zweite Liga absteigen. Gelbe Karte, rote Karte - wissen Sie, was mit uns hier passiert ist heute?"

In erster Linie, das musste Streich dann doch anerkennen, hatten sie gegen den Herbstmeister verloren. Aber zwei gute Nachrichten für die Liga wohnten seiner Tirade ja irgendwie doch inne. Die Nachrichten lauteten: Es hätte ein bisschen anders laufen können. Und vor allem: Borussia Dortmund ist nicht klein.

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