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FC Bayern in der Einzelkritik:Lauter Weltfußballer

Javi Martínez legt ein paar Ausnüchterungssprints hin, Arjen Robben schießt sogar mit Rechts aufs Tor - und Mario Gomez erzielt seine vielleicht letzten Treffer für seinen Klub. Die Bayern beim 3:2 im DFB-Pokalfinale gegen Stuttgart in der Einzelkritik.

Von Boris Herrmann und Christof Kneer, Berlin

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FC Bayern in der Einzelkritik:Manuel Neuer

FC Bayern Muenchen VfB Stuttgart - DFB Cup Final

Quelle: Bongarts/Getty Images

Javi Martínez legt ein paar Ausnüchterungssprints hin, Arjen Robben schießt sogar mit Rechts aufs Tor - und Mario Gomez erzielt seine vielleicht letzten Treffer für seinen Klub. Die Bayern beim 3:2 im DFB-Pokalfinale gegen Stuttgart in der Einzelkritik.

Manuel Neuer: Trug ein Torwarttrikot in einer Farbe, die bis zum Beginn des Pokalfinales 2013 unbekannt war. Nach ersten Einschätzungen der Kunstwissenschaft handelte es sich um eine Mischung aus Froschgrün und Königsblau. Die Kunstwissenschaft rätselt noch, ob die Farbe künftig Froschblau und Königsgrün heißen soll. Musste in der neunten Minute die erste Stuttgarter Chance überstehen. Überstand sie, in dem er lässig dem Arm hob, als er sah, dass der Schuss von Maxim einige Millimeter am Pfosten vorbeistreichen würde. Musste in der 22. Minute gleich zwei Stuttgarter Chancen überstehen. Überstand sie diesmal, in dem er erst einen verunglückten Schussversuch seines Kollegen Schweinsteiger parierte und dann den Abstauber des VfB-Verteidigers Niedermeier von der Linie kratzte. Musste schließlich noch zwei Tore des Stuttgarters Martin Harnik aus dem Netz holen, nachdem er zuvor noch weitere Chancen pariert hatte. Hat nach einer weitgehend ruhigen Saison nun in beiden Endspielen gezeigt, dass er auch unter Dauerbeschuss hochklassig ist. Fazit: Darf gerne mal wieder eine neue Farbe erfinden.

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FC Bayern in der Einzelkritik:Philipp Lahm

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Quelle: AFP

Philipp Lahm: Der berühmte Buchautor des vorvergangenen Lesesommers wollte offenbar zum Ende dieser Saison zeigen, dass er literarisch immer noch auf der Höhe ist. Fiel mit der szenischen Umsetzung eines Goethe-Zitates auf. Halb zog es ihn, halb sank er hin, als er in der 37. Minuten mit dem Ball in den Stuttgarter Strafraum eingedrungen war. Hübscher Nebeneffekt war, dass es neben dem Applaus der Goethe-Fans auch noch Elfmeter für den FC Bayern gab. War trotzdem - wieder mal - eine echte, zwingende Kapitänsaktion, die moralisch auch deshalb zu rechtfertigen war, weil es zuvor schon bei Tascis Aktion gegen Robben hätte Elfmeter geben können. Ist nun der erste Triple-Kapitän der Bayern-Geschichte.

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FC Bayern in der Einzelkritik:Jérôme Boateng

FC Bayern Muenchen VfB Stuttgart - DFB Cup Final

Quelle: Bongarts/Getty Images

Jérôme Boateng: Galt vor einem Jahr als großer Verlierer des Pokalfinales gegen Dortmund, nach seinem Foul entglitt den Münchnern das Spiel. Gemessen daran hat er ein seriöses Jahr hinter sich, das er mit einem weitgehend seriösen Pokalfinale abrundete.

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FC Bayern in der Einzelkritik:Daniel Van Buyten

DFB-Pokal FC Bayern München - VfB Stuttgart

Quelle: dpa

Daniel Van Buyten: Durfte beziehungsweise musste für den Brasilianer Dante in die Startelf, der sich stattdessen mit der Selecao in Rio de Janeiro auf den Konföderationen-Pokal vorbereiten durfte, beziehungsweise musste. Luiz Gustavo kam als Dante-Ersatz nicht in Frage, denn erstens ist er kein Innenverteidiger. Und zweitens ist er auch Brasilianer, weshalb er mit Dante in Rio weilte. Van Buyten hat sich mit seinen Belgiern zum Glück nicht für den Confed-Cup qualifiziert. Er sorgte dafür, dass die Aufregung um Dante bald vergessen war und erst in der turbulenten Schlussphase wieder Sehnsucht nach dem Brasilianer aufkam, als die gesamte Hintermannschaft der Münchner ins Schwimmen geriet.

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FC Bayern in der Einzelkritik:David Alaba

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Quelle: AFP

David Alaba: Hat sich auch nicht für den Confed-Cup qualifiziert. Ist schließlich Österreicher. Hatte in der 27. Minute die große Chance zum Führungstor, als er alleine auf VfB-Keeper Ulreich zulief. Zielte präzise - auf Ulreich. Alaba war auf seiner linken Seite im Zusammenspiel mit Ribery aber auch so einer der torgefährlichsten Münchner. Verlor vor dem 3:1 das Österreicher-Duell gegen den Stuttgarter Torschützen Martin Harnik. Hätte sich trotzdem mal eine Nominierung zum Confed-Cup verdient.

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FC Bayern in der Einzelkritik:Javi Martinez

FC Bayern Muenchen VfB Stuttgart - DFB Cup Final

Quelle: Bongarts/Getty Images

Javi Martínez: Hat sich für den Confed-Cup qualifiziert. Ist schließlich Spanier. Wurde allerdings im Gegensatz zu den beiden Brasilianern in diplomatischen Verhandlungen fürs deutsche Pokalfinale freigepresst. Das zahlte sich für den FC Bayern schon nach zehn Sekunden aus, als Martinez bei einem Kopfballduell im Mittelfeld so lange in der Luft stand, wie es sonst nur Hubschrauber, Hrubeschs und Martinesse können. Nach 13 Minuten hätte es sich fast gerächt, als ihm ein erstaunlicher Rückpass auf Neuer rausrutschte, den Stuttgarts Ibisevic beinahe erlaufen hätte. Vertändelte wenig später auch noch einen Ball in der Gefahrenzone vor dem eigenen Strafraum. War in Gedanken entweder beim Confed-Cup. Oder er hatte sich die Champions-League-Festrede von Klubchef Karl-Heinz Rummenigge zu sehr zu Herzen genommen und war mit 1,8 Promille aufgelaufen. Fand nach einigen Ausnüchterungssprints besser ins Spiel.

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FC Bayern in der Einzelkritik:Bastian Schweinsteiger

VfB Stuttgart - FC Bayern München

Quelle: dpa

Bastian Schweinsteiger: Durfte nicht zum Confed-Cup, um für die Weltmeisterschaft zu üben, obwohl er Deutscher ist und im kommenden Jahr das WM-Endspiel in Rio gewinnen muss. Wird dort möglicherweise auf den Brasilianer Dante oder den Spanier Martinez treffen. Ließ sich zu Zwecken der Spieleröffnung zunächst so tief zurückfallen wie im Champions-League-Finale gegen Borussia Dortmund. Merkte bald, dass diesmal keine Dortmunder mit nervigem Pressing mitmachten. Dafür aber Stuttgarter mit nervigem Kombinationsspiel - weswegen er doch ein paarmal in der Innenverteidigung aushelfen musste. Hätte dabei fast ein Tor erzielt, das allerdings ein Eigentor gewesen wäre. Darf sich nun über drei Titel freuen - und darüber, dass Neuer ein glänzender Torhüter ist. Gilt als Kandidat für den Weltfußballer des Jahres.

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FC Bayern in der Einzelkritik:Arjen Robben

FC Bayern Muenchen VfB Stuttgart - DFB Cup Final

Quelle: Bongarts/Getty Images

Arjen Robben: Schoss nach einer halben Stunde mit dem rechten Fuß aufs Tor, was bislang etwa so häufig vorkam wie die Farben Froschblau und Königsgrün. Zeigte trotzdem, dass er Arjen Robben war. Dribbelte, rannte und wühlte, als hätte er erst vor einer Woche ein Champions-League-Finale entschieden. Kann offenbar auch mit 1,8 Promille mit dem VfB Stuttgart mithalten, was zunächst nicht bei allen seinen Kollegen zu erkennen war. Gilt nun als Kandidat für den Weltfußballer des Jahres.

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FC Bayern in der Einzelkritik:Thomas Müller

DFB-Pokal FC Bayern München - VfB Stuttgart

Quelle: dpa

Thomas Müller: Zeigte von Anfang an, dass er Thomas Müller war. War 36 Minuten lang nicht zu sehen und schoss nach 37 Minuten das Führungstor. Würde wahrscheinlich auch mit 1,8 Promille einen Elfmeter treffen. Schoss nüchtern ins linke Eck. Leitete danach mit einer seiner schrulligen handballartigen Wegblockaktionen das 2:0 ein. Ist im Grunde viel zu schrullig für einen Weltfußballer des Jahres - wobei...

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FC Bayern in der Einzelkritik:Franck Ribéry

FC Bayern Muenchen VfB Stuttgart - DFB Cup Final

Quelle: Bongarts/Getty Images

Franck Ribéry: Spielte zwar nicht so aufgedreht wie in einem Champions-League-Finale, dennoch stürzten die meisten seiner Antritte die Stuttgarter in arge Nöte. Entwickelt sich immer mehr zum idealen Vordermann für David Alaba, der sich seinerseits immer mehr zum idealen Hintermann für Franck Ribéry entwickelt. Könnte die beste Flügelzange Europas werden, steht allerdings in harter Konkurrenz zur Flügelzange Lahm/Robben. Der Franzose gilt als Kandidat für den Weltfußballer des Jahres, falls es Schweinsteiger, Robben, Messi oder Müller nicht werden. Wobei, was ist eigentlich mit Mario Gomez?

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FC Bayern in der Einzelkritik:Mario Gomez

DFB-Pokal FC Bayern München - VfB Stuttgart

Quelle: dpa

Mario Gomez: Wird trotz zweier Tore im Pokalfinale wohl nicht Weltfußballer des Jahres. Bekam beim feierlichen Vorbrüllen der Mannschaftsaufstellungen als einziger Pfiffe ab - klar, die VfB-Fans haben ihm den Wechsel zum mächtigen Klassenfeind immer noch nicht verziehen. Nichts mögen Schwaben weniger als Spieler, die die A8 in Richtung München befahren - zumal Gomez in seiner neuen Heimat bald ein aus Schwabensicht gewöhnungsbedürftiges Hobby entwickelte: Gegen den VfB traf er eigentlich immer, selbst unter Louis van Gaal, den er etwa so machte, wie VfB-Fans den FC Bayern mögen. Wegen dieses aus Schwabensicht gewöhnungsbedürftigen Hobbys dürfte ihn der gebürtige Rheinländer Jupp Heynckes auch aufgestellt haben. Anfangs war von seinem Hobby aber wenig zu sehen. War in die Münchner Kombinationen selten eingebunden, was immerhin den Vorteil hatte, dass er nicht mehr ausgepfiffen wurde. Ließ sich in der 48. Minute nach der schönsten Aktion des Spiels anschießen. Es war das 2:0, und es gab wieder Pfiffe. Schoss dann auch noch das 3:0, das vielleicht sein letztes Tor für Bayern war, und wurde unter viel Applaus ausgewechselt.

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FC Bayern in der Einzelkritik:Mario Mandzukic

DFB-Pokal FC Bayern München - VfB Stuttgart

Quelle: dpa

Mario Mandzukic: Kam für Gomez. Wurde nicht ausgepfiffen, was vermutlich daran lag, dass sein ehemaliger Arbeitgeber, der VfL Wolfsburg, nicht im Finale war.

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FC Bayern in der Einzelkritik:Anatoli Timoschtschuk, Xherdan Shaqiri

Borussia Dortmund v FC Bayern Muenchen - UEFA Champions League Final

Quelle: Getty Images

Timoschtschuk und Shaqiri: Kamen zum Zeit schinden für Robben und Ribery. Dürfen sich trotzdem wieder 1,8 Promille antrinken.

(Archivbild)

© Süddeutsche.de/mkoh
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