FC Bayern in der Einzelkritik:Auf der Suche nach dem heiligen Feuer

Medhi Benatia ist ums Ankommen bemüht, Jérôme Boateng grätscht präzise, schießt aber eindeutig zu selten aufs Tor. Und Robert Lewandowski macht einen Purzelbaum. Die Bayern beim 1:0 gegen Manchester City in der Einzelkritik.

Aus dem Stadion von Christof Kneer und Claudio Catuogno

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Manuel Neuer

Bayern Munich's goalkeeper Manuel Neuer controls the ball in front of Manchester City's Fernandinho during Champions League soccer match in Munich

Quelle: REUTERS

Medhi Benatia ist ums Ankommen bemüht, Jérôme Boateng grätscht präzise, schießt aber eindeutig zu selten aufs Tor. Und Robert Lewandowski macht einen Purzelbaum. Die Bayern beim 1:0 gegen Manchester City in der Einzelkritik.

Manuel Neuer: Darf beim FC Bayern in Weiß spielen - sieht deshalb aus, als trüge er das Feldspieler-Weltmeistertrikot. Ist aber bekanntlich unabhängig vom der Einkleidung der beste Torwart der Welt. Musste diesmal aber nur in der ersten Halbzeit ein paar Mal reaktionsschnell eingreifen - später nicht mehr geprüft.

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Mehdi Benatia

FC Bayern Munchen v Manchester City FC - UEFA Champions League

Quelle: Bongarts/Getty Images

Mehdi Benatia: Nach Xabi Alonso der auffälligste Zugang des Sommers: Warf kürzlich per Interview eine Handvoll Schmutz in Richtung seines Ex-Klubs AS Rom - und bekommt ihn seither lastwagenweise zurück. Laut Sportdirektor Sabatini war Benatia früher "ein Monolith, der von einem heiligen Feuer beseelt war" - an die Bayern verkauft habe man aber nur dessen "Phantom". Hatte offenbar ein paar Motivationsprobleme vorgetäuscht, um seine Freigabe zu provozieren. Beim Bayern- Debüt Rechtsverteidiger in einer Dreierkette. Weder Phantom noch feurig. Dafür positionstreu wie keiner sonst im System Guardiola. In erster Linie ums Ankommen bemüht.

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Jerome Boateng

FC Bayern Munchen v Manchester City FC - UEFA Champions League

Quelle: Bongarts/Getty Images

Jerome Boateng: Ist schon länger da als Benatia, darf jetzt den Ressortleiter in der Abwehr geben. Zentralspieler in der Dreierkette, mit gutem Stellungsspiel und wenigen, aber präzisen Grätschen. Wurde von Guardiola später auf halblinks gestellt, um dort den gefährlichen Dzeko zu bekämpfen, was er mit gutem Stellungsspiel und wenigen, aber präzisen Grätschen tat. Am Ende der Matchwinner ganz ohne Grätsche - sondern mit einem wuchtigen Schuss vom Strafraumeck ins Netz. Schießt eindeutig zu selten aufs Tor.

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David Alaba

FC Bayern Munchen v Manchester City FC - UEFA Champions League

Quelle: Bongarts/Getty Images

David Alaba: Spielte mehr Positionen, als es überhaupt gibt, manche davon gleichzeitig. Begann als linker Abwehrspieler in einer Dreierkette, wechselte dann über den Umweg Außenbahn ins zentrale Mittelfeld. Ersetzte Dante, Kroos und Lizarazu in einem. Seine Beförderung nach vorne verlieh dem Bayern-Spiel mehr Dynamik, zwei-, dreimal zog er in die torgefährlichen Räume. Sehr aktiv, gelegentlich hyperaktiv. Alaba im zentralen Mittelfeld, das ist weniger Guardiolasche Ballkontrolle, dafür mehr österreichisch-nigerianisch-philippinisches Temperament.

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Rafinha

FC Bayern München - Manchester City

Quelle: dpa

Rafinha: Zog sich beim Saisonauftakttraining vor 69 000 Zuschauern einen Außenbandriss im linken Sprunggelenk zu und sagte danach, er sei "sehr, sehr traurig". Hatte eigentlich gar keinen Grund dazu, denn: Feierte nun sein Comeback vor ähnlicher Kulisse. Hat zwischendrin nicht viel verpasst, außer dass der FC Bayern halt jetzt anders spielt als der FC Bayern. Spielte eine Art Mittelfeldrechtsverteidiger, vor einer Dreierkette, anfangs seriös, später zunehmend fehlerhaft. Guardiola mag Pässe, Fehlpässe mag er nicht. War Benatia beim Ankommen keine allzu große Hilfe.

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Philipp Lahm

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Quelle: AP

Philipp Lahm: Wie immer, wenn er im Mittelfeld spielt, hatte er den Ball oft am Fuß, aber nie sehr lange, weil er ihn zügig und präzise weiterleitete. Was Alonso breit machte, machte er steil. Bemüht, Lücken zu schließen, mit weltstaruntypischer Bereitschaft zur Drecksarbeit, wie man in der Fachsprache sagt. Unterband nicht alles, aber viel. Spielte wie ein Kapitän.

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Xabi Alonso

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Quelle: AP

Xabi Alonso: Wird zwar bald 33, aber gut: Zum Grätschen reicht's immer noch. War in der 17. Minute schnell genug am Boden, um Nasri zu bremsen. Spielte weniger 200-Meter-Pässe als sonst, vielleicht weil Lahm meistens nur fünf Meter neben ihm stand. Aber lange durfte Alonso seinen Nebenmann dann nicht genießen, weil ihn Guardiola weiter zurückschickte und vorübergehend zum Chef der Dreierkette ernannte. Spielte dann wie früher Schweinsteiger und noch früher Matthäus. Durfte von hinten auch wieder 200-Meter-Spielverlagerungen anbringen. Hilft den Bayern mit seiner Souveränität in ihrer Findungsphase klar weiter; ob er sie aber auch auf dem Weg zu einer Guardiola-Mannschaft weiterbringt?

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Juan Bernat

FC Bayern München - Manchester City

Quelle: dpa

Juan Bernat: Ein seriöser, drahtiger Spieler, technisch nicht herausragend, aber robust, offensivstark und schnell. Stabiler Allwetterspieler, mit dem man nicht so viel falsch macht. Auf links besser als Edson Braafheid, Danijel Pranjic und Diego Contento. Nicht besser als Lizarazu.

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Thomas Müller

FC Bayern Munchen v Manchester City FC - UEFA Champions League

Quelle: Bongarts/Getty Images

Thomas Müller: Begann wie ein Weltmeister, wuselig und torgefährlich. Spielte mit zunehmender Dauer aber immer mehr wie ein Weltmeister im WM-Loch. Ist genial als anarchisches Element in einer eingespielten, stilsicheren Mannschaft. In einer nicht eingespielten, noch nicht stilsicheren Mannschaft wirkt er manchmal etwas, nun ja unkoordiniert.

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Mario Götze

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Quelle: AP

Mario Götze: Begann so präsent wie einer, der im WM-Finale ein entscheidendes Tor geschossen hat, tauchte dann aber vorübergehend wieder ab, als wäre er Mario Götze. Tauchte aber auch wieder auf. Probierte dies, probierte das, wartete in einer noch nicht eingespielten, noch nicht stilsicheren Mannschaft aber meist vergebens auf den genialen Götze-Moment. Beteiligte sich aber immer wieder auf der linken Seite fleißig am Defensivspiel. Lizarazu?

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Robert Lewandowski

FC Bayern Munchen v Manchester City FC - UEFA Champions League

Quelle: Alexander Hassenstein/Getty Images

Robert Lewandowski: Ist, abgesehen vom Saisonauftakttraining vor 69 000 Zuschauern, noch ohne Treffer in der Arena - Lahm macht sich deshalb aber "keine Sorgen, dass Lewa hier nicht einschlägt". Schlug dann auch prompt ein: treffsicherster Außennetz-Schütze der ersten Halbzeit (zwei Treffer). Wirkt trotz erkennbar hoher Qualität noch nicht so richtig angekommen im Bayern-Spiel. Auffälligste Aktion: ein Purzelbaum aus vollem Lauf.

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Training FC Bayern

Quelle: dpa

Arjen Robben (im Bild), Claudio Pizarro, Dante: Spät eingewechselt, können aber für sich in Anspruch nehmen, dass sie beim Siegtreffer auf dem Platz standen.

© SZ vom 18.9.2014/sonn
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