Callum Hudson-Odoi Schnell, gefährlich, unfertig

Bestimmte nicht nur das Geschehen beim FA-Cup-Spiel zwischen Chelsea und Nottingham, sondern auch die Transfer-Diskussion beim FC Bayern: Callum Hudson-Odoi (li.).

(Foto: Eddie Keogh/Reuters)
  • Der FC Bayern liebäugelt angeblich mit der Verpflichtung von Callum Hudson-Odoi vom FC Chelsea.
  • Drei Angebote sollen die Münchner bereits abgegeben haben, doch Chelsea möchte mehr Geld.
  • Im FA-Cup-Spiel gegen Nottingham zeigt der 18-Jährige, was die Bayern in ihm sehen.
Von Raphael Weiss

Das FA-Cup-Spiel zwischen dem FC Chelsea und Nottingham Forest versprach im Vorfeld in etwa so abwechslungsreich zu werden wie die Landschaft rund um Doha. Dass einige Bayern-Verantwortliche das Spiel am Samstag wohl trotzdem einer Wüstentour am Rande ihres Trainingslagers in Katar vorgezogen haben, lag vor allen Dingen an einem Mann: Callum Hudson-Odoi. Der 18-Jährige, den der FC Bayern für seine Verhältnisse angeblich recht offensiv umwirbt, bestimmte vor der Partie die Schlagzeilen. Erst attestierte ihm Chelsea-Trainer Maurizio Sarri "das Potenzial, ein großer Spieler zu werden", dann riet ihm sein Co-Trainer Gianfranco Zola zu einem Verbleib in London und bestätigte auch das Interesse des FC Bayern. Wenige Stunden vor Anpfiff legte Niko Kovac nach: "Er ist derselbe Jahrgang wie Sancho, der sehr erfolgreich war. Dass wir diese Spieler alle kennen und beobachten, ist völlig normal." Und auch in den 90 Minuten gegen Nottingham Forest bestimmte Hudson-Odoi das Geschehen.

Die Posse um den jungen Flügelspieler zieht sich schon einige Wochen hin. Es heißt, der FC Bayern habe schon drei konkrete Angebote für ihn abgegeben. Das aktuellste soll rund 33 Millionen Euro wert sein - Chelsea soll sieben Millionen Euro mehr verlangen. Viel Geld für einen Spieler, der keine 500 Minuten Profifußball gespielt hat. Renato Sanches, für den die Bayern 2016 eine ähnliche Summe bezahlt hatten, war mit 18 bei Benfica Lissabon schon Stammspieler und hatte Portugal zum EM-Titel geführt. Hinzu kommt, dass sich Hudson-Odoi vor allen Dingen auf der linken Seite zu Hause fühlt, wo die Münchner mit Kingsley Coman und dem ebenfalls 18-jährigen Winterzugang Alphonso Davies schon viel Potenzial haben.

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Andererseits gilt Hudson-Odoi als eines der größten Talente im europäischen Fußball - und der Spieler soll sich einem Wechsel nach München gut vorstellen können. Denn er möchte mehr Spielzeit, als er bei Chelsea bekommt. Ein zweiter Fall wie der des Dortmunder Jadon Sancho, den Bayern zwar beobachtete, dann aber als zu teuer befand, wäre schmerzhaft.

Seitenverkehrt: auf links wie Robben, auf rechts wie Ribéry

Dass Hudson-Odoi im FA-Cup spielen durfte, lag daran, dass der Gegner Nottingham Forest hieß. Ein guter Zweitligist, aber doch ein Zweitligist. Sarri ließ eine Mannschaft kicken, für die das Wort B-Elf erfunden wurde: Im Tor stand der 37-jährige Willy Caballero, vor ihm verteidigten der frühere Gladbacher Andreas Christensen und Davide Zappacosta, im Mittelfeld durfte sich Cesc Fàbregas noch einmal von den Fans verabschieden (er wird aller Voraussicht nach zur AS Monaco wechseln) und in der Offensive starteten der zuletzt öffentlich angezählte Álvaro Morata und eben Hudson-Odoi auf dem linken Flügel.

Der zeigte schnell, warum der FC Bayern bereit sein könnte, so viel Geld für ihn auszugeben. In der Anfangsphase ging fast jede gefährliche Aktion von ihm aus. Schnelle Antritte, intelligente Entscheidungen, gute Ballbehandlung, kleine Zuckungen, die seine Gegner große Schritte in die falsche Richtung machen ließen. Immer wieder zog Hudson-Odoi auf Höhe des Strafraums nach innen und versuchte den Schlenzer ins lange Eck, wie man es in München von einem bestimmten Niederländer mit dem Vornamen Arjen auf dem rechten Flügel kennt.

Als Sarri nach 40 Minuten Ruben Loftus-Cheek vom Platz nahm, dürften sich die Münchner Beobachter besonders gefreut haben. Denn fortan musste Hudson-Odoi auf dem rechten Flügel spielen und zeigen, dass er auch diese Position beherrscht. Das Spiel des jungen Engländers änderte sich merklich. Immer wieder ging er ins Eins-gegen-Eins, blieb lange auf dem Flügel, um den Pass in den Strafraum zu suchen. Wiederum ganz so, wie es an der Isar ein gewisser Franzose mit dem Vornamen Franck auf der linken Flügelseite gerne macht. Hudson-Odoi war an diesem Nachmittag also gewissermaßen der seitenverkehrte Robbery. In der 48. Minute sah das so aus: Hudson-Odoi bekommt den Ball auf Höhe der Strafraumkante, den Ball eng am Fuß lässt er mit zwei Körpertäuschungen Nottinghams Saidy Janko nach hinten stolpern, sprintet in Richtung Grundlinie und bedient Morata am Fünf-Meter-Raum - 1:0. Zehn Minuten später: Hudson-Odoi setzt sich an der Außenlinie gegen zwei Gegner durch, sprintet die Linie entlang und findet mit einer Flanke genau den Kopf von Morata - das 2:0 und gleichzeitig das Endergebnis.

Es war ein Spiel wie gemacht, um dem FC Bayern Argumente zu liefern, die Bemühungen um ihn nicht abreißen zu lassen. Dass sich das Risiko schon lohnen könnte, so viel Geld für einen noch nicht fertigen Spieler auszugeben und darauf zu wetten, dass er solche Leistungen auch in München zeigen kann. Einerseits. Andererseits zeigte es auch dem FC Chelsea, warum er ihn nicht so einfach abgeben sollte, auch wenn er sich mit Christian Pulisic erst kürzlich einen talentierten Flügelspieler mehr in den Kader geholt hat. Wie das Tauziehen der beiden Vereine auch ausgehen wird, eines ist sicher: Auch in den Tagen nach dem FA-Cup-Spiel wird Hudson-Odoi noch öfter in den Schlagzeilen stehen.

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