FC Bayern Ribérys goldenes Kalb

  • Franck Ribéry bekommt ein mit Blattgold überzogenes Steak serviert und stellt ein Video davon ins Netz.
  • Der Bayern-Spieler wird dafür kritisiert - und beschimpft anschließend seine Kritiker aufs Übelste.
Von Thomas Hummel

Zu Beginn ein Warnhinweis: Teile dieses Artikels sind nicht jugendfrei. Er beinhaltet Zitate eines gewissen Franck Ribéry bzw. auf den Social-Media-Kanälen des Fußballers veröffentlichte Zitate. Wer sich auf diesen Kanälen im Allgemeinen häufiger tummelt, kann hingegen fidel weiterlesen. Von dort ist man ja einiges gewohnt. Die Sprache gleicht bisweilen einem Studium in Hass, Hetze, Fäkalausdrücken. Leider.

Hier die Worte von Herrn Ribéry, Angestellter des Weltklubs FC Bayern München, frei übersetzt aus dem Französischen: "2019 setzen wir den Punkt auf das i und den Balken auf das t." Ribéry mahnt Klartext an. "Beginnen wir mit den Neidern und Hasserfüllten, sicherlich geboren nur wegen eines Lochs im Kondom. F* eure Mütter, eure Großmütter und auch euren gesamten Stammbaum."

Mon dieu, Herr Ribéry, wo bleiben Ihre Manieren?

Es geht weiter: "Ich schulde euch nichts, meinen Erfolg habe ich vor allem Gott zu verdanken, mir selbst und meinen Lieben, die an mich geglaubt haben. Für alle anderen: Ihr seid nicht mehr als Kieselsteine in meinen Schuhen."

Einerseits beklagt die Öffentlichkeit, dass Profi-Fußballer heutzutage nicht nur das Ballspiel trainieren, sondern auch den Umgang mit Medien. Wodurch ihre Aussagen weichgespült und austauschbar seien. Insofern hebt sich Franck Ribéry hier durchaus ab. Andererseits zeigt der Fall, dass die Vorsicht der Klubs rund um ihre edlen Mitarbeiter ihre Berechtigung hat. Fußballer können impulsiv sein. Wie auf dem Spielfeld, wenn ihnen jemand auf den Fuß steigt. Man darf in diesem Fall davon ausgehen, dass Ribéry seine Äußerungen nicht von der Medienabteilung des FC Bayern begutachten ließ. Das hat man nun davon.

Ein riesiger Fetzen Fleisch

Was war passiert? Franck Ribéry verbrachte vor dem Trainingslager seines FC Bayern in Katar nebenan in Dubai einen Urlaub mit der Familie. Dabei besuchte er das Restaurant Nusr-Et, eine Fleischhütte mit, sagen wir, gehobenen Preisen. Frank Ribéry stellte danach ein Video auf Instagram und Twitter. Vor ihm liegt ein riesiger Fetzen Fleisch. Mit Blattgold überzogen. Angeblicher Wert: 1200 Euro. Es könnten auch 1200 Dirham der Vereinigten Arabischen Emiraten gewesen sein, was etwas weniger als 300 Euro wäre.

Die Videos wurden bis Samstag insgesamt mehr als 2,5 Millionen Mal aufgerufen und die Reaktionen sind, nun ja, gemischt. Einige lernen achselzuckend, dass man Blattgold offensichtlich essen kann. Andere monieren, dass diese Art der Verköstigung ein wenig mondän sein könnte. Wieder andere erklären, sie halten es angesichts von Leid und Armut in der Welt für abscheulich und abstoßend, dass Herr Ribéry sein Essen wie ein mittelalterlicher König einnimmt und dies auch noch der Welt als Video feilbietet. Diese kommen vor allem aus Frankreich.

Letztere nun brachten die Familie Ribéry in Rage. Denn nicht nur Franck, auch dessen Frau Wahiba hat sich gemeldet. Textausschnitt: "Ich bin kurz vorm Erbrechen, glaubt mir. Armes Frankreich, dass es so viele Idioten und Arschlöcher gibt."

Die Antipathie zwischen Ribéry und seiner Heimat Frankreich hat nun einen neuen Höhepunkt erreicht. Die Franzosen blicken seit einem Streik bei der WM 2010 und einer Sexaffäre mit einer Minderjährigen mit Verachtung auf Ribéry, sie halten ihn für einen proletarischen Emporkömmling. Das macht den Mann offenbar fuchsteufelswild, zuletzt hatte er nach einem Spiel in Dortmund mit einem französischen Journalisten eine Auseinandersetzung, es heißt, er habe ihn geohrfeigt. In einem weiteren Post schreibt Ribéry jetzt von "Pseudo-Journalisten".

Fifa-Boss Infantino: "Das Fleisch hier, sehr gut. Wie ein Tor von Maradona, Ronaldo, Messi."

Abgesehen von der unappetitlichen Sprache der Ribérys hat der Fall auch sein Erhellendes. Die Öffentlichkeit erhält einen Einblick in die Welt des Luxus und Überflusses. In dem Video ist der Restaurant-Besitzer Nusret Gökçe zu sehen, der es wie Ribéry aus ärmlichen Verhältnissen zu Millionen gebracht hat. Der 36-jährige Kurde besitzt als Metzgermeister 14 Steakhäuser in aller Welt, in Dubai kommt er für besondere Gäste an den Tisch und bereitet das Fleisch vor laufenden Kameras selbst zu. Er schneidet die Riesen-Steaks in Streifen, und schiebt dabei mitunter seine Hüfte vor und zurück.

Am Ende nimmt er eine Prise Salz, winkelt Ellbogen und Handgelenk an, als wolle er in einem Schattenspiel den Schwan imitieren. Den kleinen Finger spreizt er weitestmöglich ab. Dann lässt er das Salz über seinen Unterarm auf das aufgeschnittene Fleisch fallen. Dabei trägt er eine Sonnenbrille mit runden Gläsern, Haare zu einem Zopf zurückgebunden. Auch durch diese Art des Salzstreuens wurde Nusret Gökçe zu einer Marke. In seinem Instragram-Account mit 18,7 Millionen Followern zeigt er sich gerne mit Bildern von Mafiaboss-Darstellern in Filmen. Der Rest ist ebenso im Habitus und Gestus des Gangsterbosses gehalten. Dazu spannt er den überaus gestählten Oberkörper als Zeichen von Kraft und Macht. Oder zeigt seine Fertigkeiten mit den Fleischermessern. Der Grat zur Lächerlichkeit ist schmal, doch die Größen des Fußballbusiness geben Nusret Gökçe gerne ihre Aufwartung.

Zuletzt auf Bildern oder in Videos zu sehen: Lionel Messi, Paul Pogba, Cristiano Ronaldo, Luka Modric, Gareth Bale, Robert Lewandowski. Sowie Fifa-Boss Gianni Infantino. Der legt seinen Arm um Gökçe, es wirkt ein bisschen wie in einem Mafiafilm. Er zeigt mit dem Finger auf Gökçe und erklärt der Welt: "Nummer eins, Nummer eins. Das Fleisch hier, sehr gut. Wie ein Tor von Maradona, Ronaldo, Messi." Wie aber konnte Infantino nur die Tore von Franck Ribéry vergessen? Wenn der das erfährt, schreibt er vielleicht noch einmal auf Instagram oder Twitter. Vermutlich ein bisschen Klartext.

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