Hoeneß und Rummenigge mit Rundumschlag "Unverschämt, respektlos und polemisch"

  • Auf einer Pressekonferenz attackieren die Bayern-Bosse Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge die Kritiker der Münchner.
  • "Unverschämt, respektlos und polemisch" seien einige Berichte über Spieler des FC Bayern gewesen, sagt Rummenigge.
  • Den Journalisten des Springer-Verlags droht er.
Von Carsten Scheele

Wie strapaziert die Nerven beim FC Bayern gerade sind, wurde diesen Freitagmittag aller Welt deutlich. Um 12.02 Uhr betraten die drei mächtigsten Männer des Rekordmeisters das Pressepodium auf dem Vereinsgelände an der Säbener Straße: Uli Hoeneß, der Präsident, Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsboss, Hasan Salihamidzic, der Sportdirektor. Diese drei zusammen auf dem Podium - das hatte es zuletzt vor einem Jahr und zehn Tagen gegeben: bei der Vorstellung von Jupp Heynckes.

Diesmal gab es keinen wirklichen Anlass für dieses Großaufgebot. Kein Transfer, keine Verkündung, auch keine Beförderung. Auch keine Stellungnahme zu den jüngsten, eher dürftigen Ergebnissen der Mannschaft. Nein, da wollten nur drei Männer ihrem Ärger Luft machen - und zwar auf eine Weise, wie es dieser Verein noch nicht erlebt hat.

Rummenigge verteidigt Torwart Manuel Neuer

Es dürfte der Versuch gewesen sein, eine Art Wagenburg um die in die Kritik geratene Mannschaft zu ziehen, die in der Bundesliga bis auf Tabellenplatz sechs abgerutscht ist. Sie gegen die Angriffe von außen zu schützen, vor allem offenbar gegen die Kritik aus Publikationen des Springer-Verlags (wie etwa die Bild-Zeitung oder die Sport-Bild), gegen den der FC Bayern nach eigener Aussage bereits Unterlassungsklagen erwirkt hat und künftig auch Gegendarstellungen verlangen will.

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"Wir wollen Ihnen mitteilen, dass wir uns ab sofort nicht mehr alles gefallen lassen", sagte Rummenigge. "Unverschämt, respektlos und polemisch" seien einige Berichte über Spieler des FC Bayern gewesen, erklärte Rummenigge. Etwa über Manuel Neuer, den Torhüter, der nach seinem Patzer im Holland-Länderspiel Kritik erfahren hatte. "Was ich über Manuel Neuer lesen musste, da fehlen mir jegliche Worte", sagte Rummenigge also. Er verwies auf Artikel 1 des Grundgesetzes: "Die Würde des Menschen ist unantastbar." Rummenigge fuhr fort: "Die Polemik scheint keine Grenzen mehr zu kennen. Das gilt für Medien, das gilt auch für Experten, und das gilt vor allen Dingen auch für Experten, die mal bei diesem Klub Fußball gespielt haben."

"Wir werden keine respektlose Berichterstattung mehr akzeptieren", pflichtete Vereinspräsident Hoeneß bei: "Dieser Verein wird sich wieder zu einer Einheit in der Öffentlichkeit darstellen, wie Sie das lange Zeit nicht erlebt haben." Namentlich pickte sich Hoeneß die Pressevertreter, Zeitungen und TV-Experten (u. a. Stefan Effenberg und Olaf Thon) heraus, die respektlos über den Verein berichtet hätten. An die Journalisten des Springer-Verlags gerichtet ergänzte Rummenigge: "Meine Herren, fühlen Sie sich besonders angesprochen. Bei Ihnen werden wir in Zukunft genauer hinsehen."

Hoeneß über Özil: Hätte "Mist" sagen sollen, nicht "Dreck"

In Bezug auf seine eigenen kritischen Äußerungen der vergangenen Wochen ließ Hoeneß erkennen, dass er sich künftig verbal etwas zurückhalten werde. Etwa in Bezug auf den inzwischen ehemaligen Fußball-Nationalspieler Mesut Özil, über den er gesagt hatte: "Der hat seit Jahren einen Dreck gespielt. Den letzten Zweikampf hat er vor der WM 2014 gewonnen. Und jetzt versteckt er sich und seine Mist-Leistung hinter diesem Foto." Er hätte "Mist" sagen sollen und nicht "Dreck", erklärte Hoeneß am Freitag.

Zu seiner Kritik am Leverkusener Karim Bellarabi, der den Münchner Rafinha rüde gefoult hatte, erklärte Hoeneß: "Manchmal, das gebe ich auch zu (...), ist man unmittelbar nach einem Spiel ziemlich, sagen wir mal, emotional und aufgeregt. Das Wort 'geisteskrank' hätte ich zum Beispiel nicht sagen sollen. Das war total übertrieben." Grundsätzlich bleibe er aber bei seiner Einschätzung über diese Spieler.

Weniger milde sprach Hoeneß über Juan Bernat, dessen Verkauf im Sommer ein Journalist in der Pressekonferenz zuvor mit Trainer Niko Kovac hinterfragt hatte. Hoeneß entgegnete, Bernat sei beim Champions-League-Spiel in Sevilla "alleine" dafür verantwortlich gewesen, "dass wir fast ausgeschieden waren. Und an dem Tag ist entschieden worden, dass wir ihn abgeben. Weil er uns fast die ganze Champions League gekostet hätte".

Um den Druck von den eigenen Spielern zu nehmen, hatten die Bayern-Bosse in der Vergangenheit häufiger mediale Ablenkungsmanöver gestartet. Auch am Samstag beim Auswärtsspiel in Wolfsburg (15.30 Uhr, Liveticker auf SZ.de) werden sich die Fragen nun hauptsächlich um den Auftritt von Hoeneß und Rummenigge drehen - und nicht um die Mannschaft, die seit vier Spielen nicht mehr gewonnen hat.

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