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Hansi Flick:Der neue, sozialere FC Bayern

FC Bayern Muenchen v Borussia Dortmund - Bundesliga

Unter Hansi Flick (links) spielt Thomas Müller wieder eine tragende Rolle in München.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Mit ein paar Handgriffen und zwei Umarmungen hat Hansi Flick einen zweifelnden FC Bayern wieder in einen lebensprallen FC Bayern verwandelt.
  • Nach dem 4:0 gegen Dortmund weitet Vorstandschef Rummenigge den Zwei-Spiele-Auftrag aus.
  • Flick bleibt "bis auf Weiteres" für die Mannschaft verantwortlich.

Diesen Gefallen wollte Mats Hummels seinen ehemaligen Kollegen nicht auch noch tun. Er hatte jetzt 80 Minuten lang zugesehen, wie die Münchner eine gute Geschichte nach der nächsten erzählten, wenigstens diese letzte wollte er ihnen verwehren. Also grätschte er diesen Ball lieber selber ins BVB-Tor, bevor es der hinter ihm stehende Thiago tun konnte.

Undank ist Hummels gewohnt, zumindest gemäß Selbsteinschätzung, aber in diesem Fall dürfte ihm die ganze Liga abzüglich der Bayern wirklich dankbar sein. Man stelle sich vor, die Bayern hätten dieses abschließende 4:0 im sogenannten Spitzenspiel gegen Borussia Dortmund tatsächlich ohne Hummels' Beteiligung erzielt. Dann hätte der eingewechselte Coutinho einen No-Look-Pass auf den eingewechselten Ivan Perisic gespielt, dessen Hereingabe der eingewechselte Thiago über die Linie gedrückt hätte. Dann wären statt zwei gleich alle drei Einwechselspieler glücklich gewesen, und in diesem Fall wäre wirklich auch die letzte kleine Hoffnung der Liga zerplatzt: jene, dass bei diesen bedenklich wiedererstarkten Bayern wenigstens bald ein Zoff der Zauberfüße ausbricht, wie der Boulevard bereits hoffnungsvoll raunte.

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Im Zuge seiner Erste-Hilfe-Maßnahmen hatte Trainer Hansi Flick ja Coutinho und Thiago auf die Bank gesetzt, und ein wenig haben Bundesliga und Boulevard vielleicht darauf spekuliert: dass die Stars beleidigt sind und sich bei Uli Hoeneß ausweinen und dass dann wieder der Komödienstadl ausbricht und dass der arme Hansi dann völlig überfordert ...

Flick mag die offensiven Lösungen

Bundesliga und Boulevard ahnen inzwischen aber, dass es so nicht kommen wird, trotz des Opfers von Mats Hummels, der mit seinem Eigentor immerhin die rührendste Bayern-Heldengeschichte verhinderte. Dennoch lässt sich am Tor aus der 80. Minute anschaulich erkennen, warum die zweifelnden Bayern unter Flick wieder die lebensprallen Bayern geworden sind. Das Aufschlussreichste an diesem Tor ist dabei, dass es eben das 4:0 war, das Kürstück obendrauf - und nicht das 1:0.

Hansi Flick ist ein offensiver Trainer, er mag die offensiven Lösungen, aber er hat nach seiner Amtsübernahme schnell gemerkt, dass er einen No-Look-Pass, dem zwei Übersteiger vorausgehen, im Moment höchstens in einer Schlussphase gebrauchen kann, wenn es schon 3:0 steht oder so. Am Anfang eines Spiels dagegen braucht er erst mal Seriosität. Bei der Wiederherstellung der bajuwarischen Selbstverständlichkeit helfen Flick keine No-Look-Spieler, sondern Spieler, die im Gegenteil ganz besonders viel gucken - ob die Abstände stimmen, ob der geschätzte Kollege die Position hält und ob sie selbst nahe genug beim geschätzten Kollegen sind, um bei Bedarf dessen Fehler auszubügeln.

Es ist eine beliebte These, dass gute Mannschaften irgendwann aussehen wie ihre Trainer, oder umgekehrt: dass gute Trainer es schaffen, Mannschaften nach ihrem Bilde zu formen. Es wäre spektakulär übertrieben, dem entspannten, klaren, aber gewiss nicht übercharismatischen Trainer Flick nach nur drei Trainingseinheiten einen solchen Einfluss zuzuschreiben - auffällig war aber schon, dass die Bayern auf einmal so sozial spielten, wie es den Charaktereigenschaften ihres Trainers entspricht. Joshua Kimmich unterstützte jeden Kollegen, den er finden konnte, mit gutem Auge und vorauseilender Dienstbarkeit, und Javi Martínez erinnerte an jene Fußballer, die ein paar Jahre in der Oberliga verbracht haben und im hohen Alter wieder heim aufs Dorf kommen und da von hinten raus das Spiel organisieren. Der hat mal höherklassig gespielt!, raunen die Zuschauer in solchen Fällen am Rande des Bezirksliga-Sportplatzes beeindruckt, erst recht, wenn der Höherklassige sich wie Martínez noch in jeden Kopfball schmeißt.