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Flick und Salihamidzic:Machtprobe beim FC Bayern

FC Bayern: Hansi Flick und Hasan Salihamidzic beim Spiel gegen Tottenham Hotspur

Bayerns Sportvorstand Hasan Salihamidzic (l.) und Trainer Hansi Flick.

(Foto: imago images/MIS)

Durch ihre Diskussion haben sich Trainer Flick und Sportvorstand Salihamidzic in eine brisante Lage manövriert. Doch der Coach trägt das geringere Risiko.

Karl-Heinz Rummenigge hat irgendwann dieses Zitat von Winston Churchill entdeckt, es diente ihm als Rechtfertigung für alles, was Uli Hoeneß und er so anstellten: "Wenn zwei Menschen immer die gleichen Ansichten haben, ist einer von ihnen überflüssig."

Jahrzehntelang haben sich die beiden öffentlich gestritten, über die großen, gerne auch über die kleinen Themen, mal gewann Rummenigge, noch öfter Hoeneß, meist aber der FC Bayern. (Zur Sicherheit bemühte Rummenigge den alten Churchill erst, als feststand, dass Hoeneß sein Präsidentenamt abgeben würde). In diesem Zitat steckte also die Sehnsucht nach einem streitlustigen FC Bayern, den es ohne Hoeneß und ab 2022 auch ohne Rummenigge ja wohl kaum noch geben werde. Oder doch?

Auch in die Rückrunde 2020 geht der FC Bayern, indem er einen Konflikt öffentlich austrägt, doch es sind nicht mehr Hoeneß und Rummenigge, die da streiten. Es sind zwei Männer, die lange die Arbeit im Hintergrund bevorzugten, die jetzt aber wissen, dass sie die Chance ihres Berufslebens serviert bekommen haben - und die folglich intensiv daran arbeiten, beim FC Bayern ihre Unverzichtbarkeit unter Beweis zu stellen.

Auf wessen Seite stellt sich Rummenigge?

Hansi Flick wurde bis zum Saisonende Zeit eingeräumt, um nachzuweisen, dass er als Cheftrainer eine Mannschaft wie den Rekordmeister zu Erfolgen führen kann - doch bei all den Verletzten sieht er die Erfolge gefährdet. Und so fordert er Zugänge. Unermüdlich, Tag für Tag.

Hasan Salihamidzic hingegen, der Sportdirektor, hält den Kader trotz aller Wehwehchen für stark genug. Gerade weil es der erste Kader ist, den er selbst komponiert hat, und dessen Erfolge seine Erfolge wären. Das führt zu Interessenskollisionen: Ein neuer Verteidiger würde Salihamidzics Rekordtransfer, dem 80-Millionen-Euro-Mann Lucas Hernández, Einsätze wegnehmen; ein neuer Offensivspieler könnte aus Philippe Coutinho, dem Coup aus dem Spätsommer, ein letztlich unspektakuläres Leihgeschäft machen. Und so wartet Salihamidzic auf die Rückkehr der Verletzten, Tag für Tag. Während also der eine, Flick, darauf pocht, dass er so nicht arbeiten könne, beharrt der andere, Salihamidzic, darauf, dass seine Arbeit doch bereits gemacht sei.

Durch ihre Diskussion haben sich die beiden in eine Lage manövriert, in der ihre Autorität getestet wird. Wird sich Rummenigge auf die Seite des Sportdirektors schlagen, den er stets gefördert hat? Oder auf die des Trainers, dem er "ausdrücklich" eine Beschäftigung über den Sommer hinaus zutraut? Flick trägt in dieser Machtprobe jetzt das geringere Risiko, er hat auf die Gefahren der Rückrunde hingewiesen. Ein Alibi, das Salihamidzic nicht für sich in Anspruch nehmen kann. Bleiben Erfolge aus, dürfte er an sein winterliches Zögern erinnert werden.

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