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FC Bayern:Gespräche in angemessen gedrückter Stimmung

FC Bayern München: Trainer Hansi Flick und Hasan Salihamidzic beim Spiel gegen den 1. FSV Mainz 05

Noch drei gemeinsame Spiele beim FC Bayern: Hansi Flick und Hasan Salihamidzic in Mainz.

(Foto: Kai Pfaffenbach/Reuters)

In der Ligapause muss der FC Bayern über das Abschiedsgesuch von Trainer Flick verhandeln. Die massive Kritik an Sportchef Salihamidzic gefällt dem Klub in der ohnehin komplizierten Lage gar nicht.

Von Sebastian Fischer

In seinen bald eineinhalb Jahren als Trainer des FC Bayern ist Hansi Flick zu einem führenden Experten für Feiern in leeren Stadien geworden. Niemand im Weltfußball hat seit Beginn der Pandemie schließlich mehr Titel geholt als die Münchner. Im Juni 2020 gewann Flick im leeren Weserstadion in Bremen seine erste Meisterschaft, im Juli im leeren Berliner Olympiastadion den DFB-Pokal. Im August warfen ihn die Spieler nach dem Champions-League-Sieg in Lissabon in Richtung Nachthimmel über dem leeren Stadion des Lichts.

Welches Ritual sich die Mannschaft und Flick für ihre zweite gemeinsame Meisterschaft, den siebten und sehr wahrscheinlich letzten gemeinsamen Titel überlegt hätten, wenn es schon an einem sonnigen Nachmittag in Mainz so weit gewesen wäre, das wird man nie erfahren. Flick wirkte angemessen schlecht gelaunt nach dem 1:2 (0:2) am Samstag, denn mit einem Sieg hätten die Münchner schon am 31. Spieltag die neunte Meisterschaft in Serie klarmachen können. Doch das misslang wegen einer müden, fast schläfrigen Leistung gegen den weitaus energischeren und spielfreudigen Abstiegskandidaten Mainz, der schon in der dritten Minute durch Jonathan Burkardts Tor in Führung gegangen war, begünstigt von einem Fehler des Welttorhüters Manuel Neuer. Das Mainzer 2:0 durch einen Kopfball von Robin Quaison fiel noch vor der Pause und war auch in der Höhe längst verdient.

Robert Lewandowski, der von seiner Verletzung genesene Weltfußballer, erzielte in der Nachspielzeit immerhin noch den Münchner Anschlusstreffer, mit seinem 36. Saisontor, womit ihm in den verbleibenden drei Spielen nur noch vier Treffer zum Ewigkeitsrekord von Gerd Müller fehlen. Doch auch "Robert hat heute sicher nicht aus der Mannschaft herausgestochen", sagte Flick in seiner letzten Antwort bei der Pressekonferenz, bevor er das leere Mainzer Stadion verließ. Und vielleicht passte diese schlechte Laune sogar besser zur Gesamtsituation beim Rekordmeister als eine Feier, für die sich der eine oder andere wohl zum gemeinsamen Lächeln und Beglückwünschen hätte überwinden müssen.

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Das Tor zur vorerst verhinderten Meisterschaft: Robin Quaison (2. v.l.) trifft zum 2:0-Zwischenstand für Mainz gegen den FC Bayern.

(Foto: Patrick Scheiber/Jan Huebner)

Der FC Bayern, daran dürfte die Niederlage in Mainz nichts mehr ändern, wird demnächst seinen 30. Bundesliga-Titel gewinnen - sieben Punkte Vorsprung auf Verfolger RB Leipzig sollten reichen. Doch erst mal stehen nun während knapp zwei spielfreien Wochen für die Münchner die Gespräche an, die über die bevorstehende Trennung zwischen Flick und dem Klub entscheiden, die sich der Trainer vor einer Woche nach dem Sieg in Wolfsburg öffentlichkeitswirksam gewünscht hatte. Falls nach der daran anschließenden Klubmitteilung, dass der Bayern-Vorstand das Verhalten seines Trainers "missbillige", noch jemand daran gezweifelt hatte, dass diese Gespräche durchaus kompliziert werden könnten, stellte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge dies nun in der Bild am Sonntag nochmals unmissverständlich klar.

Auch Rummenigge verteidigt den Sportvorstand gegen Fans und deren Petitionen

"Wir haben vereinbart, dass wir uns nach dem Spiel in Mainz zusammensetzen", bestätigte er ein bevorstehendes Treffen mit dem Trainer - einen Termin dafür gab es am Wochenende offenbar noch nicht. Und Rummenigge sagte zum Thema einer möglichen Ablösesumme für Flick, der als wahrscheinlicher Nachfolger von Bundestrainer Joachim Löw nach der EM im Sommer gilt: "Wenn wir Hansis Wunsch entsprechen sollen, müssen alle Parteien gemeinsam eine Lösung finden, mit der auch der FC Bayern zufrieden ist."

Dass die Umstände der Vertragsauflösungsgespräche nicht ganz einfach werden, dürfte sich aus Flicks Sicht auch daran zeigen, dass er gar nicht so genau weiß, mit wem er sie führen wird. Mit Rummenigge? Oder mit Oliver Kahn, Rummenigges Nachfolger als Vorstandschef zum Jahresende? Als sehr unwahrscheinlich dürfte nur gelten, dass Flick die Gespräche mit Sportvorstand Hasan Salihamidzic führt. Es ist schließlich das über Monate öffentlich zur Schau gestellte Nichtverhältnis Flick/Salihamidzic, das einen großen Teil dazu beiträgt, dass der FC Bayern einen Trainer verlieren wird, "der mit uns Historisches erreicht hat", wie Rummenigge nochmals betonte.

Dass die heftige Kritik an Salihamidzic, genannt "Brazzo", die Bayern in diesen Tagen beschäftigt, darüber sprach auch Rummenigge: Der Umgang der Öffentlichkeit mit dem Sportvorstand sei "nicht fair". In der vergangenen Woche hatten Fans eine Petition mit dem Titel "pro Hansi Flick, Brazzo raus" gestartet, die den "sofortigen Rücktritt" von Salihamidzic fordert; am Sonntag hatte dieser Vorstoß schon mehr als 71 000 Unterstützer. Darüber hinaus wurde der Sportvorstand im Internet massiv beschimpft, was zunächst Klubpräsident Herbert Hainer und am Freitag, in der Pressekonferenz vor dem Mainz-Spiel, auch Flick verurteilte.

Hainer hatte darüber hinaus auch in der Debatte über die Komposition des Kaders Partei für Salihamidzic ergriffen, dessen Vertrag beim FC Bayern noch bis 2023 läuft. Jede Medaille habe "zwei Seiten", hatte Hainer gesagt: Auch wenn sich ein Trainer verständlicherweise "30 Top-Stars" wünsche, "das geht uns ja allen so", müsse ein Sportvorstand die pandemiebedingten Umsatzverluste berücksichtigen. Zudem würden wichtige Personalien, "auch bei der Zusammenstellung des Kaders", beim FC Bayern stets "gemeinsam" getroffen. Rummenigge sagte: Entscheidungen über Transfers und Kaderfragen "treffen wir beim FC Bayern gemeinsam mit dem Vorstand und dem Aufsichtsrat - und der Trainer ist dabei genauso eingebunden".

Um die Kaderplanung für die kommende Saison dürfte es in den anstehenden Gesprächen mit Hansi Flick allerdings nicht mehr gehen.

© SZ/mok/ebc
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