FC Bayern Selbst Augsburg überrascht den FC Bayern beim Anstoß

Manuel Neuer und seine Kollegen wirkten nicht immer sicher in Augsburg.

(Foto: REUTERS)
  • Beim 3:2 in Augsburg zeigen sich deutliche Schwachstellen beim FC Bayern.
  • Augsburgs Trainer Manuel Baum legt sie mit ein paar einfachen Kniffen offen.
Von Sebastian Fischer, Augsburg

Man weiß über den Trainer Manuel Baum, dass er sich mit Leidenschaft und Akribie über Spielzüge Gedanken macht. Er versuchte einst sogar, Abläufe aus dem American Football auf den Fußball zu übertragen, verteilte Playbooks an seine Spieler mit dem Auftrag, sie auswendig zu lernen. Baum gab damals, 2011, als Coach des Bezirksoberligisten FT Starnberg jedoch zu: "Das ist natürlich nicht so leicht umzusetzen. Im Gegensatz zum Fußball hat man beim Football vor einem Spielzug Zeit, alles zu besprechen."

Wer hätte also gedacht, dass es acht Jahre später gegen den deutschen Fußball-Rekordmeister so leicht funktioniert?

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Baum, 39, inzwischen bekanntlich Trainer des Bundesligisten FC Augsburg, musste schon grinsen am Freitagabend, als er in der Pressekonferenz auf den Treffer zum 1:0 angesprochen wurde. Philipp Max, der Vorlagengeber zum Eigentor von Leon Goretzka nach 13 Sekunden, hatte verraten, dass Baum intensiv studiert hatte, wie sich die Bayern beim Anstoß aufstellen und unmittelbar danach verhalten.

Die Augsburger beweisen ihre Bundesligatauglichkeit

Dann hatten die Augsburger ihren Spielzug für den Fall, selbst den Anstoß auszuführen, offenbar im Detail besprochen: kurzer Pass nach vorne, Verlagerung nach halb links, Lauf von Max in den Rücken von Joshua Kimmich, Pass in die Gasse, Flanke, Torabschluss. Der Augsburger Torjubel wirkte, als könnten sie es selbst kaum glauben, dass der Plan aufgegangen war. "Wir wollten ja das Spiel mutig angehen. Und wenn man's mutig angeht, spielt man den Ball nicht nach hinten, sondern nach vorne", sagte Baum. Und grinste.

Auch wenn die Augsburger am Ende zum zwölften Mal in dieser Saison unterlegen waren und in Abstiegsgefahr bleiben, hatten sie ihre Bundesligatauglichkeit bewiesen. "Die zentrale Botschaft ist, dass da eine Mannschaft auf dem Platz steht, die lebt", sagte Baum, der zuletzt trotz gegenteiliger Bekenntnisse von Manager Stefan Reuter wohl nicht ganz unangefochten war, seine Position nun aber wieder stärkte. Und der nebenbei, mit nur einem einzigen Angriff, die ganze Anfälligkeit des FC Bayern exemplarisch offenbarte.

Münchens Trainer Niko Kovac war davon logischerweise nicht ganz so begeistert. Ihm blieb nichts anderes übrig, als Baum zu loben, nicht mal nur für das 1:0, sondern auch für diverse taktische Umstellungen, die der Augsburger Trainer der Mannschaft auf Zetteln notiert und diese auf den Rasen gereicht hatte. "Das zeigt sein Fachwissen. Er hat uns immer wieder vor Aufgaben gestellt", sagte Kovac.

Fachwissen, Ideenreichtum und Mut - das reichte zwischenzeitlich, um dem FC Bayern Probleme zu bereiten. Nach allem, was man weiß, soll auch Liverpools Trainer Jürgen Klopp über diese Eigenschaften verfügen.

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