Manuel Neuer beim FC Bayern "Was heißt Einschränkung?"

Was sollte er auch machen? Manuel Neuer in Augsburg.

(Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)
  • Wie fit ist Manuel Neuer? Das ist eine wichige Frage beim FC Bayern vor dem Champions-League-Kracher beim FC Liverpool.
  • Gegen Augsburg hat der zuletzt am Daumen verletzte Nationaltorwart kaum die Möglichkeit, Zweifel auszuräumen.
Von Sebastian Fischer, Augsburg

Das Spiel des FC Bayern hatte längst genügend Fragen für eine abendfüllende Diskussion aufgeworfen, als noch eine Frage hinzukam. Es lief die 56. Minute gegen den FC Augsburg, die Münchner führten 3:2, nachdem sie zweimal in Rückstand gelegen hatten, da schoss Augsburgs Jonathan Schmid aufs Tor. Es war ein eher herkömmlicher Versuch, kaum gefährlich, zumal im Tor des deutschen Meisters ja der Nationaltorwart steht.

Doch Manuel Neuer zeigte keine herkömmliche Parade, er fing den Ball nicht, er wehrte ihn nicht mit den Fäusten ab, er baggerte ihn wie ein Volleyballer mit den Unterarmen ins Toraus, es sah für einen der besten Keeper der Welt etwas ungelenk aus. Und so lautete die Frage: Wie fit ist Manuel Neuer vor dem Achtelfinal-Hinspiel beim FC Liverpool an diesem Dienstag wirklich?

FC Bayern in der Einzelkritik

Nach 13 Sekunden ist Neuer bezwungen

Neuer, 32, hatte vor der Begegnung in Augsburg zwei Spiele ausgesetzt. Seine Verletzung am rechten Daumen hatte zwei Wochen lang die Ärzte des Klubs beschäftigt. Offiziell hat der Klub die Diagnose nie bekanntgegeben, aber eine Schiene, die er im Training trug, hatte auf einen sogenannten "Ski-Daumen" hingedeutet, eine Verletzung des inneren Seitenbandes am Daumengrundgelenk - und nicht selten eine durchaus langwierige Geschichte.

Eine uncharmante Statistik für den Bayern-Torwart

"Ich wollte unbedingt spielen. Ich hätte gerne schon vorher gespielt, aber habe natürlich auf den Rat der medizinischen Abteilung gehört", sagte Neuer in Augsburg. Als er nach der Schiene gefragt wurde, und ob diese möglicherweise eine Einschränkung darstelle, erklärte er, diese im Torwarthandschuh nicht zu tragen, sondern nur vorher und hinterher. Wörtlich sagte er in durchaus genervtem Tonfall: "Was heißt Einschränkung jetzt?"

Nun war es am Freitag wahrlich nicht Neuers Daumen, der die wacklige Generalprobe der Münchner bedingt hatte. Zwar war die Defensive das große Thema, "die Gegentore waren Wahnsinn", sagte auch Neuer selbst zum Eigentor von Leon Goretzka nach zwölf Sekunden und dem zwischenzeitlichen Augsburger 2:1 durch Dong- Won Ji. Doch Neuer selbst traf an den Treffern keine Schuld, vielmehr seine Vorderleute, die sich beim 0:1 schlicht überrumpeln ließen und nicht nur beim 1:2 Defizite in der "Konterabsicherung" zeigten, wie Abwehrspieler Niklas Süle sagte. Aber letztgültig hatte eben auch Neuer nicht zeigen können, in bester Verfassung zu sein.

Achtmal hatte Augsburg nach 90 Minuten auf Neuers Tor geschossen, "gefühlt drei" Chancen hatte Trainer Niko Kovac gezählt, "zwei waren drin - das ist das, was uns durch die ganze Saison verfolgt: dass jeder Schuss ein Treffer ist". Der Münchner Trainer meinte dies als Kritik an der taktischen Disziplin seiner Feldspieler bei gegnerischem Ballbesitz, zu einfach kommen Gegner des FC Bayern in dieser Saison in aussichtsreiche Schusspositionen. Doch das führt zur für Neuer uncharmanten Statistik, dass der wohl beste Bundesliga-Keeper von allen Bundesliga-Stammtorhütern die wenigsten Schüsse gehalten hat, 32 insgesamt, nur rund 60 Prozent der Schüsse auf sein Tor.

In Liverpool hat diese Statistik natürlich nicht viel zu bedeuten. Die Stürmer des FC Liverpool sind ja ohnehin eher dafür bekannt, für ihre Tore nicht mal aussichtsreiche Schusspositionen zu brauchen.

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