2:2 im Testspiel gegen Ajax Amsterdam:Bei Bayern glitzern die Sterne gerade nur auf dem Trikot

l-r: im Zweikampf, Aktion, mit Joshua Zirkzee 14 (FC Bayern Muenchen) und David Neres 7 (Ajax Amsterdam), FC Bayern Mue

Bayern-Stürmer Joshua Zirkzee (li.) hatte die auffälligste Szene gegen Ajax Amsterdam - allerdings war sie nicht positiv.

(Foto: Christian Kolbert/kolbert-press/imago)

Julian Nagelsmann sieht beim 2:2 gegen Ajax eine junge Elf, die ihm gefällt - aber auch eine Slapstick-Aktion. Und er hört Beleidigungen durch ein paar Fans. Die gute Nachricht für den Bayern-Coach: Es dürfte der letzte Test mit der C-Elf gewesen sein.

Von Johannes Kirchmeier

Joshua Zirkzee riss die Augen weit auf, es war ein Moment der überwölbenden Überraschung für ihn, das konnte man dem Stürmer des FC Bayern München schnell anmerken am späten Samstagnachmittag. Und der Blick hatte durchaus seine Berechtigung in diesem Augenblick kurz vor der Halbzeit: Gerade hatte sich der von einer unglücklichen Leihe aus Parma zurückgekehrte Angreifer den Ball noch am gegnerischen Strafraum erkämpft, er sprintete damit dem Amsterdamer Torwart Remko Pasveer entgegen - und mustergültig an ihm vorbei. Dann vergaß er jedoch, den Ball zur Führung ins Tor zu schießen. Zirkzee trabte in Richtung Tor, die Fans schrien ihren Torschrei, doch Perr Schuurs grätschte seinem niederländischen Landsmann einen Meter vor der Linie den Ball noch vom Fuß.

"Ich glaube, im Bundesligaspiel wird er da hoffentlich ein bisschen mehr Seriosität haben in der Szene", kommentierte sein Trainer Julian Nagelsmann die Szene nach der Partie bei RTL. "Das weiß er selber, dass er den machen muss." Schuurs' Aktion hinterließ nicht nur in Zirkzees Gesicht Überraschung und Enttäuschung zugleich. Denn es saßen auch wieder 8500 Zuschauer in der Fröttmaninger Arena. Ein Umstand, den der Trödler Zirkzee in diesem Moment womöglich gerne geändert hätte.

Ansonsten bekamen die Zuschauer einen munteren Sommerkick zu sehen. Erstmals liefen die Bayern-Spieler mit dem neuen roten Heimtrikot auf, das nun fünf goldene Sterne über dem Vereinswappen gruppiert - für die mittlerweile 30 Meisterschaften seit Gründung der Bundesliga 1963. Auf dem Rasen fanden sich ein paar Sternchen weniger: Um den Innenverteidiger-Zugang Dayot Upamecano und den Robert-Lewandowski-Back-up Eric Maxim Choupo-Moting fanden sich vor allem Talente wie Josip Stanisic oder Thorben Rhein sowie Leih-Rückkehrer wie Zirkzee oder Mickael Cuisance ein.

Der Fünf-Sterne-Meisterkader ist wegen der absenten EM-Fahrer noch etwas verwaist, was die erste Vorbereitung für den aus Leipzig verpflichteten Coach Nagelsmann durchaus erschwert. Ohne seine Ausnahmespieler endete die Partie gegen Ajax Amsterdam letztlich 2:2 (1:1). "Insgesamt hat es mir in Anbetracht des Kaders sehr gut gefallen", sagte Nagelsmann. Das Remis war knapp drei Wochen vor dem Bundesliga-Start durchaus ein Achtungserfolg gegen den am Samstag stärker besetzten niederländischen Meister, der vom ehemaligen Münchner Zweitmannschaftstrainer (und wohl auch mal Erstmannschaftstrainerkandidaten) Erik ten Hag trainiert wird.

Vielleicht auch deshalb hat Nagelsmann mit großer Gelassenheit auf die Beleidigungen durch ein paar wenige Fans reagiert. "Es muss nicht jeder Applaus klatschen, dass ich beim Stadtrivalen war", sagte er. Eine Gruppe von höchstens 20 Anhängern in der Südkurve hinter dem Fanklub-Banner "Munich's Red Pride" und einem Löwen von 1860 München im Fadenkreuz rief mehrfach laut: "Nagelsmann, du Sau, zurück zum TSV!" Der ehemalige Leipziger war als Spieler (2002 bis 2007) und Jugendtrainer (2008 bis 2010) bei Sechzig, gilt aber als Bayern-Fan. "Ich kenne die Rivalitäten in der Stadt und im Fußball, aber ich bin kein großer Freund von Rivalitäten."

Zu Wochenbeginn erwartet Trainer Nagelsmann neun Nationalspieler zurück

Auf dem Platz legte Ajax deutlich stärker los - und kam früh zu einigen Chancen, von denen es aber nur eine nutzte: Nach einem Fehler des FCB-Torwarts Sven Ulreich im Spielaufbau traf Zakaria Labyad nach einer Kombination über Dusan Tadic und den früheren Frankfurter Sebastien Haller zur Führung (10. Minute). Erst nach einer halben Stunde kamen dann auch die Bayern zu Gelegenheiten. Rhein prüfte Pasveer (37.), anschließend traf Choupo-Moting nach einer flachen Flanke von Rechtsverteidiger Bouna Sarr, der ausnahmsweise links vorne auftauchte, zum 1:1 (40.) - und dann unterlief Zirkzee der eingangs erwähnte Lapsus.

Ihren Schwung nahmen die Bayern auch in die zweite Halbzeit mit - Upamecano köpfte erst noch an die Latte, aber bei der nächsten Flanke von Rhein machte es dessen Abwehrkollege Tanguy Nianzou, mit dem Nagelsmann ausdrücklich zufrieden war, besser und traf per Flugkopfball zur zwischenzeitlichen Führung (48.). Direkt im Gegenzug schoss dann jedoch Victor Jensen das 2:2 (50.). Nach 60 Minuten änderte Nagelsmann dann ein wenig den Puls der Partie mit insgesamt zehn Wechseln. Nun waren vor Ulreich vor allem Fußballer aus der zweiten Mannschaft, "das war eine bessere A-Jugend", sagte der Torwart. "Ich glaube, die Jungs haben es alle ganz gut gemacht und das 2:2 war am Ende verdient."

Sein Trainer wird nun vor allem froh sein, dass ein großer Teil seiner EM-Fahrer zurückkehrt. Im Laufe der "englischen Testwoche", in der noch Heimspiele gegen Borussia Mönchengladbach (Mittwoch) und SSC Neapel (Samstag) anstehen, kann er vielleicht zumindest für einen Teil der jeweiligen Spielzeit eine mögliche Bundesliga-Startelf aufs Feld schicken. Denn an seinem 34. Geburtstag am Freitag durfte Nagelsmann bereits Serge Gnabry als kleines Trainingsgeschenk begrüßen. Neun weitere Nationalspieler werden am Montag erwartet, Thomas Müller, Manuel Neuer und Joshua Kimmich folgen am Samstag.

Müller veröffentlichte am Freitag ein Strandbild im sozialen Netzwerk Instagram. Darauf zu sehen: seine blauen Zehennägel. "Ich muss wohl dringend zum Nagelsmann", schrieb er dazu. Damit waren ihm die Lacher einiger Kollegen in den Kommentaren sicher. Unter anderem die Zirkzee-Szene zeigte aber auch: Nicht nur die blauen Müller-Nägel brauchen den Nagelsmann - auch der Nagelsmann kann den Müller gebrauchen.

© SZ/tbr
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