Explosionen in Dortmund Alles in Deckung

  • Kurz nach der Abfahrt vom Mannschaftshotel explodieren drei Sprengsätze neben dem Mannschaftsbus des BVB. Die Polizei spricht von einem gezielten Angriff.
  • Am Tatort wird ein mögliches Bekennerschreiben gefunden. Die Echtheit wird überprüft.
  • BVB-Verteidiger Marc Bartra verletzt sich schwer und muss an der Hand operiert werden.
Von Freddie Röckenhaus, Dortmund

Die Umgebung des Hotels L'Arrivée ist so ziemlich die letzte, die man mit einem Sprengstoff-Anschlag in Verbindung bringt. Auf dem Höhenzug Wittbräucke im ländlichen Dortmunder Stadtteil Höchsten sagen sich normalerweise Fuchs und Hase gute Nacht. Eigentlich genau der richtige Ort also, um die letzte Nacht vor wichtigen Fußballspielen zu verbringen. Aber ausgerechnet am Ende der lang gezogenen Einfahrt zum L'Arrivée bricht das gepanzerte Glas des Busses von Borussia Dortmund, geborsten durch die Wucht von drei Sprengsätzen.

Die Lage des Luxus-Romantik-Hotels, das der BVB seit Jahren als Stützpunkt für die Nacht vor Heimspielen nutzt, ist so exklusiv am Rande des Niederhofer Waldes, dass das Gebäude im Rohbau jahrelang leer stand, weil die Baugenehmigungen nicht erteilt waren und das Bauamt die Aktivitäten stoppte. Große Teile des Dortmunder Südens stehen unter Natur- oder Landschaftsschutz. Früher, als noch gewandert wurde, stand hier die Jugendherberge Dortmunds. Die Umgebung gilt als gehobene, für Dortmunder Verhältnisse teure Wohngegend, mit weitem Blick ins Sauerland. Die angrenzenden Stadtteile Höchsten, Sommerberg und Wichlinghofen sind dünn besiedelt, es gibt überwiegend Einfamilienhäuser mit großen Gärten, die sich in die Wald- und Wiesenlandschaft schmiegen. Ortsfremde sagen oft, dass es hier wie im Allgäu aussieht.

SZ-Karte

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Am Dienstagabend um kurz nach 19 Uhr machte sich der Mannschaftsbus auf den Weg zum rund acht Kilometer entfernten Signal Iduna Park. An der Ausfahrt des Hotels, an der Einmündung des kleinen Heinrich-Schirrmann-Wegs auf die baumbestandene Allee Wittbräucker Straße, brachten die Explosionen den Bus jäh zum Stehen. Wie durch ein kleines Wunder erwischte das splitternde Glas im Heckbereich des Busses nur einen der Spieler -, den zu Saisonbeginn vom FC Barcelona nach Dortmund gekommenen Abwehrspieler Marc Bartra. Roman Bürki, der Torwart, der im Bus neben Bartra saß, berichtete später: "Es gab einen Riesenknall. Wir haben uns alle weggeduckt, wer konnte, hat sich auf den Boden geworfen." Auch BVB-Trainer Thomas Tuchel saß auf der rechten Seite des Busses, wo die Sprengsätze das Fahrzeug stark beschädigten. Ein Polizeibeamter, der den Bus auf einem Motorrad begleiten sollte, erlitt ein Knalltrauma und einen Schock und ist derzeit nicht mehr dienstfähig.

Marc Bartra wurde von einem Notarzt versorgt und anschließend ins Krankenhaus gebracht. Dort musste sich der Verteidiger einer Operation unterziehen, laut BVB hat er eine gebrochene Speiche im rechten Handgelenk und diverse Fremdkörpereinsprengungen im Arm. Bartra wird also fehlen, wenn bereits an diesem Mittwoch um 18.45 Uhr das Champions-League-Duell gegen den AS Monaco nachgeholt werden soll. Die Polizei konnte bei der Spurensuche schnell feststellen, dass die drei Sprengsätze offenbar im Einmündungsbereich an der Wittbräucker Straße platziert waren und erst bei der Ankunft des Busses dort zündeten. Ob dies manuell oder durch einen Bewegungsmelder oder Ähnliches passierte, war am späten Abend noch nicht bekannt. Die Polizei nutzte unter anderem eine Kamera-Drohne, um weitere Erkenntnisse zu sichern.

Die Spieler standen nach dem Anschlag zunächst längere Zeit auf der Wiesenfläche vor der Mauer zum riesigen Areal des Hotels und versuchten ihre Verwandten und Freunde telefonisch über den Zwischenfall zu informieren. "Unser Mannschaft ist jetzt unter Schockstarre", sagte später BVB-Chef Hans-Joachim Watzke: "So etwas kriegst du ja nicht so schnell aus den Köpfen. Wir müssen aber trotzdem versuchen, morgen zum neuen Termin einigermaßen wettbewerbsfähig zu sein." Die Spieler wurden nach einer Weile von der Polizei zu Fuß ins zweihundert Meter entfernte Hotelgebäude zurückgeleitet und nach Hause gebracht. Im Stadion tagten derweil die einberufenen Krisenstäbe.