bedeckt München

WM-Affäre:Geheimnisvolles Abkommen zwischen dem DFB und Katars Fußballverband

Franz Beckenbauer und Mohamed bin Hammam

Franz Beckenbauer, damals Chef der DFB-Bewerbungskommission für die Fußball-WM 2006, (r), und Mohamed bin Hammam, Mitglied Katars im FIFA-Exekutivkomitee, posieren am 25.07.2000 in Doha.

(Foto: Karim Jaafar/dpa)
  • Ein Abkommen zwischen DFB und Katars Fußballverband spielte bisher in der Aufarbeitung der WM-Affäre kaum eine Rolle.
  • Dabei könnte der sogenannte Letter of intent einen Hinweis liefern, warum die 6,7 Millionen Euro im Jahr 2002 über verschlungene Wege aus Deutschland auf ein Konto in Katar flossen.
  • Bis heute ist diese Kernfrage der Sommermärchen-Affäre unbeantwortet.

Von Johannes Aumüller und Thomas Kistner

Juni 2015. Kaum hatte die Archivarin des Deutschen Fußball-Bundes im Auftrag der damaligen DFB-Spitze die Sucharbeit in Hinblick auf die WM-Affäre begonnen, fand sie etwas offenbar sehr Spannendes: einen Letter of intent des DFB mit Katars Fußballverband QFA. In den vielen trüben Aspekten der Affäre spielte dieses Abkommen bisher keine Rolle - vielleicht zu Unrecht. Immerhin unterzeichnete es der DFB mit dem Verband jenes Mannes, in dessen Firma 2002 auf seltsamen Wegen zehn Millionen Schweizer Franken aus Deutschland (mit nach wie vor ungeklärtem Zweck) landeten: Mohammed bin Hammam, lange Zeit Fifa-Vizepräsident und Spitzenmann im Asien-Dachverband AFC.

Aus heutiger Sicht stellt sich die Frage, ob damals ein Gegengeschäft geplant war: Sollte eine Firma, die bin Hammam vertrat, die lukrativen TV-Rechte an der Europameisterschaft 2004 für den arabischen Raum erhalten - und der Katarer im Gegenzug Deutschland bei der Bewerbung für die WM 2006 unterstützen? Und könnte bin Hammam, weil die von ihm begehrten TV-Rechte damals letztlich an einen anderen Bieter vergeben wurden, dafür finanziell entschädigt worden sein?

Der DFB wollte den Letter of intent auf Anfrage am Donnerstag nicht herausgeben. Und der zum Zwecke der Aufklärung verfasste Report, den die Kanzlei Freshfields im DFB-Auftrag erstellt hat, liefert auch zu diesem Vorgang nur weit verstreute Puzzleteile, die zusammengefügt werden müssen. Ergänzt mit weiteren Recherchen ergibt sich um die Vereinbarung ein Bild, das den Verdacht nährt, dass auch bei diesem Thema die teure DFB-Aufklärungsarbeit eher verschleiernde Wirkung hat.

Die Vorgänge um das Dokument spielen in der heißen Phase des WM-Rennens, das im Juli 2000 mit Deutschlands knappem 12:11 gegen Südafrika endete. Und sie erwecken den pikanten Verdacht, dass auch zwischen DFB-Werbern und bin Hammam diskrete Geschäfte auf Gegenseitigkeit angestrebt worden sind.

Am 11. und 12. Februar 2000 weilten der damalige DFB-Präsident Egidius Braun und Generalsekretär Horst R. Schmidt in Doha. Gesprächspartner: der Emir von Katar und bin Hammam. Während der Emir, Freund und Jagdgefährte Brauns, als klarer Deutschland-Befürworter galt, hatte bin Hammam ein Problem. Er war eng mit Fifa-Chef Sepp Blatter verbandelt - und Blatter unterstützte offen sein Stimmvolk in Afrika, gegen die deutschen Bewerber.

Die brauchten jedoch unbedingt den asiatischen Block. Und bin Hammam war in diesem Schachspiel letztlich eine Figur des Emirs. Aber war er das zum Nulltarif?

Die Vorarbeiten der Allianz waren früh erledigt. Wenn Asiens Fifa-Vertreter für Deutschland votieren sollten, dann wollten auch die Verbände dieser Region profitieren. Ende 1999 schickte beispielsweise der deutsche Bewerbungssponsor Adidas Ausrüstungen an 25 Verbände in Asien. Kosten für den DFB: 406 000 Mark. Als dann Schmidt und Braun in Doha weilten, wünschte bin Hammam einen Sachstandsbericht zu der Geschenke-Orgie. Und er hielt fest: Deutschland könne drei der vier Asien-Voten für sich verbuchen.

Zudem wurde ein Letter of intent diskutiert - und die Sache schien dringlich zu sein. Bereits am 24. Februar faxte Schmidt einen Entwurf nach Doha, vereinbart wurden darin laut Freshfields etwa der Austausch von Jugendteams sowie der Besuch deutscher Trainer und Ausbilder. Im Gegenzug sicherte QFA dem DFB zu, die WM-Bewerbung nach besten Kräften zu unterstützen. Im nächsten Satz des Reports heißt es: "Der Letter of Intent wurde von Franz Beckenbauer für den DFB sowie vom Emir von Katar für die QFA unterzeichnet." Der Eindruck ist, dies sei flott nach dem Doha-Besuch geschehen. War es aber nicht. Eine andere Stelle des Reports verrät, dass der Kontrakt erst auf den 19. April datiert ist. Was aber hatte sich in der Zwischenzeit getan?

Eine Menge - und zwar rund um die Interessen von bin Hammam. Der Mann, bei dem am Ende die zehn Millionen Franken aus deutschen Kassen landeten, vertrat damals den Sender ART (Arab Radio & Television). Die Firma buhlte um die TV-Rechte an der EM 2004 für den arabischen Raum - ein sehr werthaltiges Gut.

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite