WM-Affäre Fiskus will Millionenbetrag vom DFB

Archivbild, aufgenommen am 9.Juni 2006: Sepp Blatter und Franz Beckenbauer mit Goleo VI, dem offiziellen Maskottchen der Fußball-Weltmeisterschaft 2006.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • In der WM-Affäre soll ein schwerer Fall von Steuerhinterziehung durch frühere DFB-Funktionäre vorliegen - zu diesem Ergebnis kommt das Finanzamt Frankfurt.
  • Der DFB muss Insidern zufolge mit Steuerforderungen rechnen, die sich auf 20 bis 25 Millionen Euro summieren könnten.
  • Der Anwalt des Verbandes erklärt, er hielte eine Steuernachforderung für "ungerechtfertigt".
Von Georg Mascolo und Klaus Ott, Frankfurt

In der Affäre um den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und die Weltmeisterschaft 2006 ist das Finanzamt Frankfurt I nach Recherchen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR zu dem Ergebnis gekommen, dass ein schwerer Fall von Steuerhinterziehung durch frühere DFB-Funktionäre vorliege. Der Verband habe "Luftbuchungen" und "Scheingeschäfte" vorgenommen.

Auf diese Weise habe der DFB vor der WM 2006 die Rückzahlung eines privaten Darlehens in Höhe von 6,7 Millionen Euro verschleiert, das Organisationschef Franz Beckenbauer vom früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus erhalten habe. Das geht aus einem Vermerk der Steuerfahndung des Finanzamts Frankfurt I vom 24. Januar 2017 hervor. Die Ermittler haben bisher aber keine Belege dafür gefunden, dass die 6,7 Millionen Euro Schmiergeld gewesen seien, um die Vergabe der WM 2006 nach Deutschland zu erkaufen.

Der DFB muss Insidern zufolge mit Steuerforderungen rechnen, die sich inklusive Zinsen und nachträglicher Aberkennung der Gemeinnützigkeit für das Jahr 2006 auf 20 bis 25 Millionen Euro summieren könnten. Bis Mitte des Jahres sei ein entsprechender Bescheid zu erwarten. Bereits zu Beginn des Verfahrens im Herbst 2015 hatte der Fiskus seine Forderungen auf mindestens 15 Millionen Euro geschätzt, was sich aber noch erhöhen könne.

Kenner des Verfahrens erwarten eine Anklage

DFB-Steueranwalt Jan Olaf Leisner sagte auf Anfrage, er hielte eine Steuernachforderung für "ungerechtfertigt". Sofern es dazu käme, würde er dem Verband empfehlen, "gegen derartige Bescheide vorzugehen". Leisner erklärte, die von Dreyfus vor der WM zur Verfügung gestellten 6,7 Millionen Euro seien eingesetzt worden, um einen Zuschuss des Weltverbandes Fifa in Höhe von 250 Millionen Euro für das Turnier in Deutschland zu bekommen. Diese Ausgabe sei "betrieblich veranlasst" und insofern grundsätzlich von der Steuer absetzbar gewesen.

Es gebe keine Anhaltspunkte für ein privates Darlehen von Beckenbauer bei Dreyfus, betonte der DFB-Anwalt. Dass die Zahlung der 6,7 Millionen Euro in den Verbandsunterlagen offenbar "unter einer falschen Bezeichnung ausgewiesen" worden sei, verstoße nicht gegen das Steuerrecht, so Leisner. Nach Erkenntnissen der Ermittler wurde diese Millionenausgabe als Kostenbeitrag für eine von der Fifa geplante, letztlich aber abgesagte WM-Gala verbucht. Die Fifa reichte das Geld dann an Dreyfus weiter. Das Finanzamt Frankfurt I schreibt in seinem Vermerk, dieser Buchungsvorgang sei konstruiert worden, um den Fiskus zu täuschen.

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung gegen die früheren DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach und Theo Zwanziger sowie gegen Ex-Generalsekretär Horst R. Schmidt. Sie sollen den Fiskus damals um 2,7 Millionen Euro geschädigt haben. Kenner des Verfahrens erwarten eine Anklage. Die Staatsanwaltschaft erklärte, es seien derzeit keine Angaben möglich, wann und wie dieses Strafverfahren abgeschlossen werde. Niersbach, Zwanziger und Schmidt weisen die Vorwürfe vehement zurück.

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