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EM 2021:Spanien entkorkt den Cava

Euro 2020 - Group E - Slovakia v Spain

Ließ den slowakischen Torhüter Martin Dubravka bei seinem Treffer zum 2:0 erneut unglücklich aussehen: Aymeric Laporte.

(Foto: MARCELO DEL POZO/Pool via REUTERS)

Mit einem 5:0-Sieg gegen ein desaströses slowakisches Team stürmt Spaniens zuletzt arg kritisierte Mannschaft ins Achtelfinale. Nun geht es gegen den WM-Zweiten aus Kroatien.

Von Javier Cáceres, Sevilla

Es heißt, Klavierspielen entspannt. Man verliert sich in der Musik, spürt den Noten nach, erfreut sich an den Harmonien, die zehn Finger produzieren können. Man muss davon ausgehen, dass Martin Dubravka, Torwart der Auswahl der Slowakei, in nächster Zeit häufiger ans Piano eilen wird. Denn irgendwie muss er ja den erinnerungswürdigen Fehler vergessen, den er sich am Mittwochabend in Sevilla leistete. Und der nicht nur Spanien Richtung Achtelfinale katapultierte, weil er im Estadio de La Cartuja von Sevilla den 5:0-Sieg einleitete, sondern seine eigene Mannschaft zum K.-o. verurteilte.

Es lief die 30. Minute, als ein Innenverteidiger der Slowaken sich am Strafraumrand einen kapitalen Bock leistete, und Pablo Sarabia aus 18 Metern aufs Tor drosch. Sarabias Schuss flog an die Latte und von dort in hohem Bogen in den Himmel. Als Newtons Gesetze griffen und der Ball wieder runterflog, hatte Dubravka ihn fest im Blick. Doch dann ereignete sich etwas, was an das legendäre Eigentor von Energie-Cottbus-Torwart Piplica in Cottbus erinnerte.

Denn: Dubravka schlug auf unerklärlicher Weise gegen das runde Gerät. Ungefähr so, wie ein Klavierhammer gegen Saiten klöppelt. Letztlich aber ungelenk. Es war das dritte Torwarteigentor der laufenden EM - denn der Ball landete tatsächlich zum 0:1 im Tor. Die pralle Sonne konnte Dubravka nicht als Ausrede dienen: Sie schien, aber in seinem Rücken. Doch als wäre es damit nicht genug, leistete sich der slowakische Torwart in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit einen weiteren Fauxpas, diesmal aber einen von der Stange.

Der Keeper von Newcastle United irrte im Anschluss an eine Ecke durch den Strafraum, verlor ein Duell mit Spaniens Stürmer Gerard Moreno und wurde dann von einem Kopfball von Verteidiger Aymeric Laporte gegen die Laufrichtung überrascht - 2:0.

Die Rückkehr von Spaniens Kapitän Sergio Busquets zahlte sich sofort aus

In der zweiten Halbzeit konnten die zuletzt arg kritisierten Spanier die Kräfte schonen und dennoch das Torverhältnis verbessern, als gelte es die Worte von Trainer Luis Enrique zu bewahrheiten. Seine Mannschaft erinnere ihn an eine Flasche Cava, den katalanischen Schaumwein, wenn der Korken kurz davor ist rauszufliegen, hatte Luis Enrique gesagt. Und siehe: In der 56. Minute traf Pablo Sarabia nach Vorlage von Jordi Alba zum 3:0, in der 66. Minute schraubte der eingewechselte Ferrán mit einem Fersenkick aus drei Metern auf 4:0. Und auch wenn bei 32 Grad im Schatten niemandem mehr der Sinn danach stand, mehr zu tun als irgend nötig, folgte auch noch das fünfte Tor, durch ein Eigentor von Juraj Kucka (72.). "Das war das, was wir brauchten", sagte Sergio Busquets nach dem Spiel. Als Tabellenzweiter treffen die Spanier am Montag in Kopenhagen auf Kroatien.

Die Tore waren ein verdienter Lohn für die erwartete Überlegenheit. Die Slowaken waren unverkennbar darauf aus, den Autobus vorm eigenen Tor zu parken, um ein Unentschieden oder über Konter sogar mehr zu ergattern. Was blieb, war am Ende bloß der desaströse Eindruck eines überforderten Teams. Die Spanier hingegen? Für eine Mannschaft, die mit dem unguten Gefühl eines drohenden Aus auf den Platz gegangen war, spielte sie mehr als nur vernünftig. Die Rückkehr des zuletzt corona-bedingt abwesenden Kapitäns Sergio Busquets zahlte sich sofort aus. Er war einer von vier Wechseln, die Trainer Luis Enrique gegenüber der Partie gegen Polen vornahm. Auch César Azpilicueta, Pablo Sarabia und Eric Garcia wurden aufgeboten. Auf der Bank blieben dafür Diego Llorente, Pau Torres, Rodri und der Leipziger Dani Olmo.

Der größte Vorwurf, den man den Spaniern machen konnte: Sie hätten es sich einfacher gestalten können, und sie hätten die Fehler von Dubravka nicht nötig gehabt. In der 12. Minute hatte der Videoschiedsrichter den Spaniern einen Foulelfmeter zugesprochen, er hatte ein Foul an Koke festgestellt. Stürmer Álvaro Morata schnappte sich mit großer Selbstsicherheit den Ball - und scheiterte an Dubravka. Es war der fünfte Elfmeter in Serie, den die Spanier vergaben. Und da Sarabia (18.), Pedri (19.) und Morata (24.) ebenfalls gute Chancen ausließen, bedurften sie der gütigen und bereitwilligen Mithilfe des Pianisten aus Zilina, um ein Tor zu erzielen.

© SZ/cch/bkl
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