Ehemaliger Bayern-Profi Reinhold Mathy:Durchhalten und aufarbeiten

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Dem damaligen Manager Uli Hoeneß war der allgemeine Tenor egal, er überredete Mathy, nicht zu kündigen. Mathy nahm eine Auszeit, las Lebensratgeber, ging spazieren, suchte auf Hoeneß' Rat einen Psychologen auf. "In diesen Sitzungen redeten wir nicht über mein Privatleben, sondern nur darüber, wie man einfacher Fußball spielt. Das war aber nicht mein Problem. Meines war die Leere."

Antidepressiva bekam Mathy keine, aber die Auszeit half. "Für Bayern bin ich dennoch untragbar geworden." Bis 1993 spielte Mathy noch bei Klubs wie Bayer Uerdingen oder Hannover 96, er "hielt durch". Mit 32 Jahren beendete er - nach 178 Ligaspielen und vier Meisterschaften - seine Karriere. Das Leben war wieder "zu belastend" geworden.

Nach dieser Zeit arbeitete Mathy als Trainer, etwa beim Regionalligisten SC Weismain, er bildete in Swasiland und Kambodscha Trainer aus. 2001 nahm er das Angebot des tunesischen Verbandes an, Nationaltrainer Eckhard Krautzun zu assistieren. Durch einen Zufall lernte Mathy dabei einen Spielerberater kennen - und entdeckte einen Beruf für sich. Heute arbeitet er als freier Spielerberater für eine Agentur, die auch Manuel Neuer unter Vertrag hat.

2009 allerdings begann Mathys schwarze Phase, er ließ den Job ruhen. Seine Partnerin hatte sich von ihm getrennt. "Ich dachte an Suizid, hatte Zukunftsängste, wusste keinen Ausweg mehr", sagt er. Er ließ sich im Klinikum Memmingen stationär behandeln. Zuerst für drei Monate. Heimkehr. Rückfall. Das zweite Mal war er vier Monate dort. Während der Gespräche sei ihm bewusst geworden, dass der Auslöser seiner Traurigkeit wohl der Tod einer frühen Bezugsperson, seiner Oma war. Mathy machte sich daran, "das aufzuarbeiten".

Gerade nimmt Mathys Leben einen weiteren Anlauf, den vierten. Neben seiner Arbeit als Berater - unter anderem ist er für Manuel Schäffler von 1860 München zuständig - trainiert er die E-Junioren des FC Mindelheim. Mathy glaubt, dass er heute als Profi eine größere Chance hätte, weil diese besser psychologisch betreut würden. Weil er weiß: "Ich bin eingestellt." Er meint nicht auf ein Fußballspiel, er meint die Tabletten, die Antidepressiva, er meint sein Leben.

Zudem habe er zu Gott gefunden, dadurch fiele ihm sein Leben leichter. Heute sehe er es gelb gefärbt, "munter gelb". Durch die Medikamente allerdings habe er seit 2009 kräftig an Gewicht zugelegt, etwa 25 Kilo zu viel lasten auf ihm. "Das bedrückt mich ein wenig."

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