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Dortmund verliert in Hamburg:Schwere englische Wochen

Die Dortmunder haben jedenfalls die Gewissheit, dass die kommenden englischen Wochen nicht einfach werden. Nur wenige Tage nach dem hochemotionalen Last-Minute-Sieg in der Champions League gegen Ajax Amsterdam hat der BVB unerwartet beim HSV gepatzt. Bei einem Krisenklub, der nun ausgerechnet gegen den deutschen Meister seinen ersten Bundesligasieg seit fünf Monaten feiern kann. Und sein Glück nach der Partie kaum fassen konnte.

In der vergangenen Saison, als Dortmund in der Champions League blauäugig von einer Verlegenheit in die nächste tapste, herrschte noch eine andere Situation. Da holte man sich in der Bundesliga das Selbstvertrauen zurück, lieferte beeindruckende Spiele. Nun muss der BVB beweisen, dass er in der Königsklasse erfolgreich sein und trotzdem die Spannung in der Bundesliga hochhalten kann. Dass die Mannschaft nach großen Aufgaben in der Champions League (neben Ajax geht es gegen Real Madrid und Manchester City) in der Lage ist, auch kleinere Aufgaben gegen Klubs wie Freiburg, Augsburg oder eben den HSV schadlos zu überstehen. Jener Spagat, den der FC Bayern seit einigen Jahren ziemlich gut hinbekommt. Weil die Spieler die Belastung gewohnt sind. Und der Kader letztlich doch um einiges breiter ist.

"Wir müssen uns darauf einstellen", sagte Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke am Sonntagmittag im TV-Sender Sport 1: "Wir wussten dass es eine schwierige Saison wird. Wir haben nicht die Stärke zu sagen, wir maschieren da durch."

Die BVB-Spieler wirkten viel mehr so, als hätten sie nach dem Sieg gegen Amsterdam Probleme mit der Konzentration. Als wären sie gedanklich noch bei Ajax - oder vielleicht sogar schon einige Wochen weiter, bei Real oder ManCity. Die Anfangsphase schenkte Dortmund komplett her, schon nach wenigen Sekunden konnte der Hamburger Heung Min Son nach einer Flanke von Rafael van der Vaart frei einköpfen. "Ein Gegentor in der zweiten Minute kann man schon auf die Konzentration schieben", gestand Kapitän Kehl. Beim 2:1 durch Ilicevic funktionierte die Abseitsfalle nicht. Vor dem 3:1, ebenfalls durch Son, bekam der Koreaner den Ball wunderbar von Hummels aufgelegt.

Die Leistung der Dortmunder Stürmer war jedoch kaum besser. 26 Torschüsse hatten sie sich erarbeitet, das müsste normalerweise genügen, um den defensiv wackligen HSV mit einer gigantischen Packung zu demütigen. "Wir müssen sieben oder acht Tore schießen aus den Chancen, die wir haben", erklärte Hummels. Taten die Dortmunder aber nicht. Vor allem Robert Lewandowski und die eingewechselten Jakub Blaszczykowski und Julian Schieber vergaben herausragende Möglichkeiten oder scheiterten am sehr guten HSV-Keeper René Adler.

In der Nachspielzeit hatte Lewandwoski die letzte Chance auf den 3:3-Ausgleich - doch er knallte nicht mit aller Macht aufs Tor, sondern lupfte den Ball. Es war die falsche Entscheidung. Wie so oft an diesem Tag.

© Süddeutsche.de/bön
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