Doping in Russland:Besuch von den Zauberkünstlern

WM 2018 Marokko Iran ST PETERSBURG RUSSIA JUNE 15 2018 A person with Doping Control on the t

Was die Doping-Kontrolleure nach den Spielen bei der Fußball-WM finden, ist das eine. Welche Mittel manche Spieler zu sich nehmen, ist das andere.

(Foto: Alexander Demianchuk/imago/ITAR-TASS)
  • Laut Doping-Kronzeuge Grigorij Rodtschenkow wurde im Jahr 2015 die Urinprobe eines russischen Fußballers ausgetauscht.
  • Sein Name: Ruslan Kambolow - er zählte kürzlich noch zum erweiterten Kader für die WM, wurde aber dann offiziell wegen einer Verletzung gestrichen.

Von Johannes Aumüller, Sankt Petersburg

Eine Woche verstrich, dann kam angeblich der Geheimdienst, um den Betrug zu vollziehen. Am 3. Juni 2015 hatte der damalige Moskauer Laborleiter und heutige Doping-Kronzeuge Grigorij Rodtschenkow in einer Urin-Probe des Fußballers Ruslan Kambolow die verbotene Substanz Dexametason gefunden. Und am 10. Juni, so erklärt es der Wissenschaftler nun, sei ein Mitarbeiter des Geheimdienstes erschienen und habe die Probe ausgetauscht. Kambolow sei als Dopingfall eingestuft worden, und der Fußball-Weltverband Fifa wisse das.

Es ist nicht neu, dass russische Fußballer im Verdacht stehen, Profiteure des jahrelangen Staatsdopingsystems gewesen zu sein. Auch der Name von Kambolow, der vor ein paar Wochen zum erweiterten Kader für die WM zählte, aber dann offiziell wegen einer Verletzung gestrichen wurde, ist schon seit Längerem öffentlich. Der Spieler von Rubin Kasan war auch Teil der von der Fifa sanktionslos beendeten Ermittlungen zur Doping-Causa. So konkret wie diesmal ist der Verdacht allerdings noch nie formuliert worden.

Der Weltverband will sich zu Rodtschenkows Aussagen nicht äußern

Rodtschenkow verweist bei seinen Aussagen, die er in dieser Woche gegenüber der ARD machte, auf Abschnitte in seinem Tagebuch. Für den 10. Juni 2015 habe er demnach eingetragen, dass an diesem Tag ein Mitarbeiter vom Geheimdienst FSB gekommen sei, der seine "Zauberkünstler" mitgebracht habe. So nannte Rodtschenkow seine Betrugskompagnons vom FSB häufig. Diese hätten dann "vier Kunststücke" vollführt. "Gott sei Dank lief alles gut", heißt es im Tagebuch.

Der Dopingskandal dauert nun schon mehr als drei Jahre, und Rodtschenkow, der inzwischen unter dem Schutz der Sicherheitsbehörden an einem geheimen Ort in den USA lebt, hat sich häufig gegenüber Ermittlern und verschiedenen Medien geäußert. Aber offenkundig hat er sich noch einiges Material und einige Behauptungen aufgespart.

Die Existenz des Tagebuchs und die Tatsache, dass Rodtschenkow darin Details zum Doping-Skandal festhielt, ist seit mehr als einem halben Jahr bekannt. Die Disziplinarkommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) nutzte manche Passagen als Argument für ihren Versuch, viele russische Sportler aus den Medaillen-Bilanzen der Winterspiele von Sotschi 2014 zu streichen und für die Winterspiele in Pyeongchang 2018 zu bannen. Sie bewertete die Einträge als "signifikantes Beweiselement". Es sind aber noch nicht viele Seiten des Tagebuchs öffentlich bekannt.

Die Fifa will sich zum konkreten Fall und zu Rodtschenkows Aussagen nicht äußern. Der russische Verband antwortete auf eine Anfrage zunächst nicht; er hatte aber zuletzt die Behauptung stets zurückgewiesen, es habe im Fußball ein Dopingsystem gegeben. Mit Blick auf Kambolow war darauf verwiesen worden, dass der Spieler gegenüber der Fifa Erklärungen für den Befund abgegeben habe und diese zum Schluss gekommen sei, es liege kein Anti-Doping-Verstoß vor.

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