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Doping im Fußball:Die Einschränkungen verwundern

Auch der Nürnberger Pharmakologe Fritz Sörgel wundert sich - vor allem, warum die Autoren ihre eigenen Ergebnisse wegen möglicher methodischer Schwächen einschränken. Es sei doch "genügend Zeit in diesen sieben Jahren gewesen, Anfangsschwächen zu beseitigen", sagte der Doping-Experte der SZ. "Oder wollen sie und die Uefa sich ein Hintertürchen dahingehend freihalten, dass alles nicht so schlimm oder noch zu spekulativ sei?"

Sörgel hat kürzlich selbst für ein Buchprojekt eine Analyse mit dem Datenmaterial aus Publikationen durchgeführt, die aus dem gleichen Zeitraum stammen. Dabei war er zu der Auffassung gelangt, dass im Fußball "erheblicher Untersuchungsbedarf besteht". Daher kommt für ihn auch die neue Analyse wenig überraschend. Sörgel verweist sogar auf deren Stärken, auf den Umfang der Daten und die angewendeten statistischen Methoden - sie ziehen aus seiner Sicht "die wissenschaftliche Validität zumindest nicht in Zweifel".

Ergebnisse sollten Folgen haben

Sörgel hält fest, dass auch schon die Publikation der Ergebnisse der EM 2008 viel Brisanz berge, "nicht nur im Hinblick auf die Testosteron-Werte". Im Hinblick auf den langen Zeitrahmen, in dem offenbar nur fleißig Werte gesammelt wurden, erinnert Sörgel daran, dass es "irgendwann neben dem Forschungsbedarf auch die Pflicht gibt, aufgrund ständig wiederkehrender Ergebnisse ein Exempel zu statuieren".

Dass die Studie angeblich immer noch der wissenschaftlichen Überprüfung bedarf und damit Fragen zur Qualität der Dopingforschung generell aufwirft, ist das eine. Das andere ist, dass sie von der Branche keine Aufmerksamkeit erfahren hat und nur dank fachjournalistischer Neugierde ans Tageslicht befördert wurde. Aus dem Fußball gab es am Wochenende keine nennenswerten Stellungnahmen, nach bisherigen Erfahrungen zum Thema Doping im Gewerbe ist damit auch nicht zu rechnen.

Alarmierend sind die Werte auch unter dem Aspekt, dass im Fußball fast nur rituell, nach den Spielen, getestet wird. Es gibt fast keine "intelligenten" Zielkontrollen. Auf Wettkampftests aber, ist aus anderen Sportarten bekannt, können sich Athleten mühelos einstellen.

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