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Verdacht bei der Spanien-Rundfahrt:"Versteck das! Dass das niemand sieht!"

Nairo Quintana

Unruhe bei der Vuelta: Nairo Quintana vom Movistar Team

(Foto: AP)

Zwei Mechaniker lassen bei der Vuelta heimlich einen Rahmen verschwinden. War womöglich ein Mini-Motor im Fahrrad verbaut?

Die spanische Radsport-Mannschaft Movistar Team ist durch die Videoaufnahme eines Fans bei der Spanien-Rundfahrt in Erklärungsnot geraten. Auf dem Video, das am Sonntag von der Sport-Zeitung As veröffentlicht wurde, aber bereits von der vor Wochenfrist absolvierten 9. Etappe stammen soll, ist zu sehen, wie das Begleitfahrzeug von Movistar Team auf der Schlussgerade unvermittelt anhält, der Chef-Mechaniker Tomás Amézaga vom hinteren Sitz herausspringt und einen Sattel samt Sattel-Stange auf die Straße legt. Danach entspannt sich ein frappierender Dialog. "Nimm das mit zum Auto!", ruft der Mechaniker einem weiteren, kurzbehosten Betreuer zu, und insistiert ("Nimm das mit, ja?!"), obwohl der Betreuer zustimmend geantwortet hatte: "Alles klar."

Danach ist zu sehen, wie der Mechaniker einen sattel- und vorderradlosen Rahmen vom Dach des Autos nimmt, ihn an den Straßenrand stellt und ruft: "Versteck das! Dass das niemand sieht!" Der mit zwei Trinkflaschen bewehrte Betreuer schnappt sich Rahmen und Sattel tatsächlich und stiefelt am Wegesrand davon. Zurück bleibt Ratlosigkeit. Aus einem Kindermund ist die Schlüsselfrage zu hören ("Warum verstecken die das Fahrrad"?), auf die ein Erwachsener nicht zu antworten weiß.

Die Erklärung der Spanier für die Geheimnistuerei des dynamischen Mechaniker-Duos: Der Rahmen sei "kaputt" gewesen, allerdings habe man dem Radlieferanten, der in Deutschland beheimateten Firma Canyon, eine Peinlichkeit ersparen wollen, sagte der Sportdirektor von Movistar Team, José Luis Arrieta, laut Gazzetta dello Sport: "Wir machen so etwas häufiger." Es sei ein Manöver, das man allein schon anwende, allein um anstehende Reparaturarbeiten zu beschleunigen. Ein Canyon-Sprecher sagte, es gehöre im Profiradsport zum alltäglichen Vorgehen, ein beschädigtes Fahrrad den Blicken der Zuschauer und Fotografen zu entziehen. Man habe auch "vollstes Vertrauen in unsere Pro Teams bezüglich des Umgangs mit unseren Rädern". Bei der Vuelta seien aber keine Canyon-Mitarbeiter vor Ort gewesen, so dass man bezüglich des konkreten Vorgangs nur ans Movistar Team verweisen könne.

Die 50-sekündige Sequenz sorgte in der Radsport-Szene und in Spanien für Furore - nährt sie doch den seit Jahren gehegten Verdacht, dass im Profiradsport verbotene Mikro-Motoren eingesetzt werden, die im Rahmen versteckt werden. Diese Praxis firmiert unter dem Stichwort E-Doping und wird seit 2010 verstärkt diskutiert. Damals geriet der Schweizer Fabian Cancellara in Verdacht, seine Siege bei der Flandern-Rundfahrt sowie bei Paris-Roubaix einem frisierten Fahrrad zu verdanken. Cancellara hat allerdings jede Manipulation stets abgestritten.

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Analyse
E-Doping bei der Tour de France

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Bei der Tour de France müssen inzwischen nicht nur die Fahrer, sondern auch die Räder zur Dopingkontrolle.   Von Johannes Aumüller

Anfang 2015 reagierte der Radsportweltverband UCI durch eine Anpassung des Reglements. Fahrer und Teams, die mit motorisierten Rädern unterwegs sind, müssen mit der Disqualifikation, einer Sperre von mindestens sechs Monaten sowie einer Geldstrafe von bis zu 200 000 Schweizer Franken rechnen, rund 180 000 Euro. Allerdings sind die Stichproben, die zuletzt bei der Tour de France sowie beim Giro d'Italia durchgeführt wurden, nach Angaben der Organisatoren bislang negativ ausgefallen. E-Doping sei ein "ernstes Problem", erklärte der Präsident des Radsport-Weltverbandes UCI, Brian Cookson, schon vor geraumer Zeit.