DFB-Präsident Niersbach zu Katar 2022:"Wenn das so stimmt, ist das schockierend"

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Klare Kritik an der WM 2022: DFB-Boss Wolfgang Niersbach.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Die Debatte um die WM 2022 treibt den DFB um: Die erhöhte Anzahl von Todesopfern auf Baustellen in Katar findet Verbandschef Wolfgang Niersbach inakzeptabel. Der Deutsche Fußballbund könne aber nur bedingt eingreifen. Und was wird aus dem Confed-Cup 2021?

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach stellt die Austragung des Confed Cup 2021 als Generalprobe für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar infrage. "Im Moment bleibt noch Zeit, die offenen Fragen, die uns quälen, zu beantworten. Zum Beispiel Confederations Cup: Den braucht man im Jahr davor wirklich nicht dort zu spielen. Das ist eine ganz schwierige Gemengelage", sagte der 63-Jährige im Fußball-Talk bei Sky90.

Die laufenden Diskussionen der Fußball-Welt beschränkten sich bislang auf den genauen Termin der WM-Endrunde 2022 selbst. Wegen der hohen Temperaturen am Persischen Golf (bis zu 50 Grad) scheint eine Austragung im Sommer unmöglich. Eine Verlegung in den Winter würde jedoch weitreichende Konsequenzen auf die weltweiten Wettkampfkalender haben.

"Wenn es darum geht, einen Alternativtermin zu finden: Frühjahr 2022 scheidet aus wegen Winter-Olympia. Also muss man den Blick mehr nach hinten richten", sagte Niersbach. Joseph S. Blatter, Präsident des Weltverbandes Fifa, präferiert wohl einen Termin im November/Dezember 2022 - eine Entscheidung soll aber erst frühestens Ende 2014 fallen.

Nach den jüngsten Meldungen über eine noch höhere Anzahl an Todesopfern unter Gastarbeitern auf Baustellen in Katar, will Niersbach die katarische Regierung in die Pflicht nehmen. "Meines Erachtens muss Katar da tätig werden, denn wenn dieses Ereignis auch für das Image des Landes ein Erfolg werden soll, dann müssen die das höchst ernst nehmen. Wenn das so stimmt, ist das schockierend", sagte der Chef des DFB, der im vergangenen Herbst einen Krisen-Gipfel der Fifa mit dem Internationalen Gewerkschaftsbund (IGB) mit Michael Sommer an der Spitze initiiert hatte.

Er selbst habe die "unwürdigen Arbeitsbedingungen", die laut Berichten der britischen Tageszeitung Guardian allein im vergangenen Jahr 185 Tote gefordert haben sollen, "bis zum letzten Herbst auch nicht" gekannt, sagte Niersbach: "Man muss höchst beunruhigt sein." Der Einfluss des DFB im Weltverband FIFA, um Katar die WM eventuell wieder entziehen zu können, sei allerdings höchst begrenzt.

"Wir haben auch nur eine Stimme. In dem Moment, wo ich auf den Tisch schlage, sagen 35 aus der Karibik: Wir sind dafür. So sind viele Entscheidungen zustande gekommen", sagte Niersbach, der seit vergangenem Jahr im Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union (Uefa) sitzt. Im höchsten FIFA-Gremium ist Deutschland durch den ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger vertreten.

"Was die Gesamtbedingungen anbetrifft: Es ist nicht nur die Hitze, es ist auch die Größe des Landes, das flächenmäßig kleiner ist als Hessen", sagte Niersbach: "Mir hat vor der Entscheidung 2010 auch die Vorstellungskraft gefehlt, dass man eine solche Entscheidung herbeiführt. Aber sie ist gefallen, und sie ist, so weit ich weiß, unter korrekten Bedingungen gefallen."

© SZ.de/sid/jbe
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