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DFB-Elf bei der WM:Gegner besiegen statt Herzen gewinnen

World Cup 2014 - Germany press conference

Unaufgeregt, still, nüchtern: DFB-Kapitän Philipp Lahm

(Foto: dpa)

Schön gespielt, aber nicht gewonnen - zumindest keinen Pokal: Bei den vergangenen Weltmeisterschaften berauschte die deutsche Nationalmannschaft das Publikum. Nun zählt nur noch eines: gewinnen. Ob ihnen Herzen zufliegen, ist den Deutschen in Brasilien herzlich egal.

Bildete die deutsche Nationalmannschaft die Bundesregierung, Philipp Lahm wäre der Kanzler. Unaufgeregt, still und nüchtern lenkt er seine Mannschaft. Er drückt stets anderen Ländern und ihren Fußballern seinen aufrichtigen Respekt aus. Um sie dann mit leeren Händen nach Hause zu schicken. Die Parallelen zwischen Lahms und Angela Merkels Führungsstil sind auffällig.

Wenn es nötig ist, greifen Kapitän und Kanzlerin auch herzhaft zu ihrer Richtlinienkompetenz. Während Merkel dies indes alleine verfügen kann, muss Lahm noch einen Trainer überzeugen. Bei Joachim Löw aber liegt der Fall so, dass er entweder immer Lahms Meinung hat. Oder glaubt, immer Lahms Meinung zu haben.

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Joachim Löw ist klar, dass es im WM-Achtelfinale nicht nur um das Turnier geht, sondern um seine eigene Zukunft. Eine Niederlage gegen Algerien würde ihm das Land nicht verzeihen. Das Arbeitsteilungsmodell im Mittelfeld wird er auch nach Schweinsteigers starkem Spiel gegen die USA beibehalten.   Von Philipp Selldorf

Deshalb ist besonders wichtig, den Worten Philipp Lahms zu lauschen. Denn dort verbirgt sich häufig die Richtlinie, der die deutsche Elf folgt. Nach dem turbulenten 2:2 gegen Ghana im zweiten Vorrundenspiel dieser Weltmeisterschaft sagte er: "Wir haben am Ende nicht wirklich viel überlegt. Richtig clever war unsere Spielweise da nicht." Er meinte das wilde Rauf und Runter in der zweiten Hälfte, das Spiel ohne Mittelfeld. Konter in die eine Richtung folgte auf Konter in die andere. Für das Publikum höchst unterhaltend. Für die deutsche Mannschaft ein Graus.

Das 1:0 gegen die USA hob kaum einen Zuschauer im Stadion oder zu Hause vom Stuhl. Teile des Fußballvolks beschwerte sich, dass so ein dröges Gekicke nicht angehen könne. Und am Ende zu nichts führe. Philipp Lahm denkt da anders.

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"Wir haben über 90 Minuten wenig zugelassen, bis auf die Situation in der letzten Minute vielleicht", erklärte der 29-Jährige, "wir haben das Spiel kontrolliert und wieder einen guten Schritt nach vorne gemacht." Er lobte seine Mitspieler, die im Vergleich zum Ghana-Spiel in Recife wieder zusammen verteidigt hätten, "egal auf welcher Höhe, ob Pressing oder zurückgezogen". Es sei sehr wichtig, dass die Mannschaft in der Defensive zusammenstehe.

Deutschland hat 2006 und 2010 Fußball-Weltmeisterschaften erlebt, die das Publikum in einen zuvor nie gesehenen Rausch versetzte. Die Heim-WM wird auf ewig das verklärte Sommermärchen bleiben. In Südafrika siegte die DFB-Elf gegen Australien 4:0, gegen England 4:1 und gegen Argentinien 4:0. Die Nation begriff ihr Glück selbst nicht, die ganze Welt blickte erstaunt auf die einstige Rumpelnation und fragte sich, wieso Teutonen plötzlich so herzergreifend Fußball spielen können. Um im Halbfinale auszuscheiden. Auch das war ihnen früher selten passiert. Plötzlich waren die Deutschen die Sieger der Herzen, die sympathischen Verlierer.